Gerhard Malessa
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Antisemitismus

in der Geschichte der Kirche


Von Reinhold Tenk

 

Zusammenfassung eines Vor­trags, der im Rahmen der Konferenz
„Messianische Perspektiven 2013“ gehalten wurde.

 

Dies ist kein einfaches Thema, sowohl für Juden als auch für Chris­ten. Für die Juden, weil sie in ihrer Geschichte viel mit Verfolgung zu tun hatten, für die Christen, weil dieses Thema selten im Zusammenhang mit Kirche behandelt wird, da man gerne am Bild einer heilen Kirche festhalten will. Dieses Bild entspricht aber nicht der Wirklichkeit, wie wir sehen werden.

Begriffe

Der Begriff Antisemitismus ist re­lativ neu, denn er erschien erst 1879. Das heißt aber nicht, dass es vorher keinen Antisemitismus gab. Im Volksmund bedeutet dieser Begriff vor allem Feindschaft gegen Juden, Judenhass.

Für diejenigen, die die feinen Unterschiede mögen, gibt es weitere Begriffe wie Antijudaismus oder Antizionismus. Es wird in die­sem Artikel aber nur von Antisemitis­mus die Rede sein, denn egal wel­che Motivation Menschen antreibt, die gegen Juden sind, bleibt es eine Form von Feindschaft gegen sie. Das Volk der Juden (bzw. das Volk Israel) bleibt das Ziel, entweder auf Grund seines Glaubens, auf Grund des­sen, dass es ein besonderes Volk ist oder auf Grund dessen, dass es jetzt einen Staat Israel gibt.

Wenn hier von Kirche die Rede ist, so ist das religiöse System ge­meint, das sehr früh (in den ersten Jahrhunderten) aus der Trennung von ihren jüdischen Wurzeln ent­standen ist und im Laufe von Jahr­hunderten die westliche Kultur ent­scheidend geprägt hat. Es geht also hier um die Geschichte eines religi­ösen Systems, das man allgemein als christliche Kirche bezeichnet. Es geht hier nicht um eine Ortskirche (Gemeinde). Wenn das der Fall ist, dann wird das Wort Gemeinde ge­braucht (z.B. Gemeinde in Rom oder Jerusalem). Wenn hier von christli­cher Theologie die Rede ist, dann ist die Lehre von der Kirche als reli­giöses System gemeint. Der Glau­be jedes einzelnen, der Mitglied der Kirche ist, wird hier nicht in Frage gestellt.

Da Antisemitismus nicht aus dem Nichts entstehen kann, müssen wir uns nun mit dessen Ursachen be­schäftigen. Im gesamtgesellschaft­lichen Bereich kann Antisemitismus nur aus dem Kontakt mit Ideen aus dem Umfeld entstehen. Im speziell kirchlichen Bereich spricht man dann von Lehren oder von Theolo­gie.


Die Lehre der ersten Gemeinde

Die Lehre der Christlichen Kirche kommt, wie der Name es sagt, von Christus, dem Messias. Jesus sag­te aber von seiner Lehre:

Joh 7,16 - Meine Lehre ist nicht mein, sondern dessen, der mich gesandt hat.

Diese Lehre wurde von den Ge­sandten (Aposteln) weitergegeben (Apg 2:42), bis es dann zu Meinungs­verschiedenheiten unter den Gläubi­gen kam. Einige behaupteten:

Apg 15:1 - „Ihr könnt nicht gerettet werden, wenn ihr euch nicht der Be­rit Milah unterzieht, wie Mosche sie geboten hat.“

So wurde eine Versammlung (ein Konzil) in Jerusalem einberufen, de­ren Hauptthema die Integration der Gläubigen aus den Nationen war. Das Endergebnis können wir so zu­sammenfassen: Die Gläubigen aus den Nationen müssen nicht konver­tieren (Beschneidung im Fleisch), sondern einige besondere Punkte aus der Torah beachten. Es ist wich­tig an dieser Stelle zu sehen, dass es keine Fremdenfeindlichkeit in der Gemeinde in Jerusalem gab.

Wenig später aber stellt man fest, dass sich ausgerechnet in der Ge­meinde in Rom Tendenzen bemerk­bar machten, die man schon als an­tijüdisch bezeichnen könnte. So schreibt der Gesandte Scha’ul, der für die Nationen zuständig war, schon in den 50er Jahren des 1. Jahr­hunderts an die Gläubigen aus den Nationen der dortigen Gemeinde:

Rö 11:17-21 - Doch wenn man­che von den Zweigen abgebrochen wurden und du - ein wilder Ölzweig - aufgepfropft wurdest und nun teil­hast an der reichen Wurzel des Öl­baums, dann rühme dich nicht, als seist du besser als die Zweige! Son­dern wenn du dich rühmst, denke daran, dass nicht du die Wurzel er­hältst, sondern die Wurzel dich. So wirst du sagen: „Zweige wurden ab­gebrochen, damit ich aufgepfropft würde.“ Das stimmt, aber was soll’s? Sie wurden abgebrochen, wegen ih­res Mangels an Vertrauen. Du aber behältst deinen Platz nur, weil du ver­traust. So sei nicht hochmütig; im Gegenteil, fürchte dich! Denn wenn Gott schon die natürlichen Zweige nicht verschonte, wird er dich gewiss nicht verschonen!

Worte wie „rühme dich nicht, als seist du besser als die Zweige!“ oder „So sei nicht hochmütig; im Gegen­teil, fürchte dich!“ zeigen eindeutig, dass mindestens ein paar der Gläu­bigen aus den Nationen sich als et­was Besseres fühlten. Wie ging es nun weiter?


Die Lehre der frühen Kirche (2.- 4. Jh.)

Bisher war die Lehre der Schrif­ten des Neuen Bundes maßgeblich. Nun aber gewann die Lehre der „Kir­chenväter“ an Bedeutung. Die „Kir­chenväter“ sind christliche Autoren der ersten acht Jahrhunderte, die entscheidend zur Lehre und zum Selbstverständnis des Christentums beigetragen haben. Sie vertraten die rechtgläubige Lehre in der Ausein­andersetzung mit Häretikern und schufen so einen standardisierten Korpus christlicher Lehren. Diese Lehren wurden durch Beschlüsse in Konzilen festgehalten, die dann ver­bindlich waren. Daraus entstanden Dogmen (Aussagen, die grundle­gend und nicht verhandelbar sind) der frühen Kirche.

Es folgen nun Aussagen von 9 wichtigen Kirchenvätern bis Ende des 4. Jh. in Bezug auf das Volk der Juden.

Justin der Märtyrer (Justinus, ca. 100-165): „Den Gerechten habt ihr ja getötet und vor ihm seine Prophe­ten. Und jetzt verstoßt ihr die, welche auf ihn und auf den allmächtigen Gott, den Weltschöpfer, der ihn ge­sandt hat, ihre Hoffnung setzen, und entehrt sie, soweit es bei euch mög­lich ist, indem ihr die Christusgläu­bigen in euren Synagogen verfluchet. Denn Hand an uns zu legen, dazu habt ihr nicht die Macht dank denen, welche jetzt regieren; getan aber habt ihr es, so oft ihr konntet.“ (Dialogus cum Tryphone, 16. 4.)

Irenäus von Lyon (ca. 135 - 202): „Wenn die Juden nicht Mörder des Herrn geworden wären, was ihnen das ewige Leben raubte, und dadurch, dass sie die Apostel töteten und die Kirche verfolgten, nicht in den Abgrund des Zorns gefallen wären, könnten wir nicht gerettet wer­den.“
(zitiert in: Das Kreuz Christi bei Irenäus von Lyon - Beihefte Zur Zeitschrift Für Die Neutestamentliche Wissenschaft Und Die Kunde Der Älteren Kirche - von Daniel Wan­ke von Gruyter, gebundene Ausgabe - 2. März 2000, S. 302)

Hippolyt von Rom (170-235): „Un­heil ... wird sie in künftiger Zeit heim­suchen wegen der Rebellion und Frechheit, die sie dem Friedefürs­ten entgegenbrachten.“  (Demonst­ratio adversus ludaeus)

Origenes (185-254): „Zu den Be­weisen also, dass Jesus ein göttli­ches und heiliges Wesen war, ge­hört auch die Tatsache, dass die Ju­den um seinetwillen so große und schwere Drangsale schon so lange zu leiden haben. Und wir behaupten mit aller Zuversicht, dass sie niemals in den früheren Zustand gelangen werden. Denn sie haben [dadurch den allerruchlosesten Fre­vel begangen, dass sie dem Erlö­ser des Menschengeschlechtes in jener Stadt nachstellten, wo sie Gott die gewohnten Opfer, die Wahrzei­chen erhabener Geheimnisse dar­brachten.“ (Contra Celsum, 4. Buch, Kap. 22)

Athanasios der Große (ca. 298-373): „Und es ist allen klar gewor­den, dass diejenigen, welche nach dem Gesetze zu reden schienen, einer häretischen und gottesfeindli­chen Gesinnung überführt sind.“
(Epistula ad episcopos Aegypti et Libyae - Rundschreiben an die Bi­schöfe Ägyptens und Libyens, 9)

Ephräm der Syrer (306-373): „Armseliger, fliehe vor ihm [dem Ju­denvolke]; denn nichts gilt ihm dein Tod und dein Blut! Es hat das Blut Gottes auf sich genommen, sollte es da vor deinem Blute zurückschre­cken? ... Es hat sich nicht gescheut, unter der Wolkensäule ein Kalb an­zufertigen, und hat sich nicht entblödet, im Tempel ein Bild mit vier Ge­sichtern aufzustellen. Gott hing es am Kreuze auf: die Geschöpfe er­schauderten, als sie es sahen. Der Geist zerriss den Vorhang, damit der Ungläubige sein Herz zerreiße. Die Felsen der Gräber spalteten sich, aber das Herz von Felsen blieb un­gerührt. Als der Geist sah, dass es [das Judenvolk] nicht erschauderte, da floh er es ob seiner Tollheit.“
(Drei Reden über den Glauben, erste Rede, 51)

Basilius der Große (330-379): „Doch der Jude nimmt das Wort gottesfürchtigen Glaubens nicht willig hin. Gleich blutdürstigsten Tieren, die in ihren Käfigen eingesperrt sind, an den Gittern auf und ab wüten und ihre wilde, grimmige Natur zei­gen, ohne ihre Wut befriedigen zu können, wollen auch die wahrheits­feindlichen Juden, in die Enge getrie­ben, behaupten, es seien viele Per­sonen, an die das Wort Gottes ergan­gen.“
(Homilien über das Hexaemeron, 9. Homilie, 6.)

Gregor von Nyssa (ca. 335 - ca. 395): Juden sind „Gottesmörder, Pro­phetentöter, Streiter wider Gott, Gott­hasser, Gesetzesbrecher, Feinde der Gnade, vom Glauben der Väter ab­gefallen, Advokaten des Teufels, Schlangenbrut, Denunzianten, Ver­leumder, Heuchler, Hefe der Pharisä­er, Satanssynagoge, Feinde des Menschengeschlechts, Mörder.“
(Ora­tio V - 5. Rede)

Ambrosius (339-397) - Auszug aus seinem Brief an Kaiser Theodosius (Brief 40,8-10), in welchem er sich wegen des Brandes einer Syna­goge rechtfertigen muss:
„Ich erkläre, dass ich die Synago­ge in Brand steckte, dass ich sie [die Christen] sicherlich dazu aufrief, es zu tun, damit es keinen Ort gibt, an dem Christus geleugnet wird. Wenn man mich fragt, warum ich hier die Synagoge niedergebrannt habe, so ist die Antwort: Die Flammen hatten durch Gottes eigenen Ratschluss, bereits begonnen, sie anzugreifen; ich hatte gar nichts mehr zu tun... Das Niederbrennen eines einzigen Ge­bäudes rechtfertigt keine so weit rei­chende Aufregung wie die Bestrafung eines Volkes [der Christen], umso we­niger, als das eine Synagoge war, die verbrannt wurde, ein Ort des Unglau­bens, eine Heimstätte der Gottlosig­keit, ein Schlupfwinkel des Wahn­sinns, von Gott selbst verdammt.“

Weitere Kirchenväter mit ähnlichen Aussagen über die Juden könnten noch zitiert werden. Der schreckliche Eindruck einer antisemitischen Leh­re schon bei den frühen Kirchenvä­tern lässt sich aber nicht verleugnen.

Abgesehen von diesem Judenhass haben viele unter ihnen die christli­che Lehre mit griechischer Philoso­phie vermischt. Dies führte zu einer christlichen Theologie, die zum größ­ten Teil noch heute vertreten wird.


Die sogenannte „Konstantinische Wende“ und das Konzil von Nicäa (325)

Bisher war der christliche Glaube im Römischen Reich mehr oder we­niger geduldet, ihre Anhänger wurden zum Teil aber auch verfolgt.
 

Am An­fang des 4. Jh. wird die christliche Kirche nun zur privilegierten Religion des römischen Imperiums. Der Kai­ser Konstantin strebte als Politiker nach einem allgemeinen Frieden in seinem Reich und entschied sich, die Religion als Mittel zum Zweck zu  benutzen. Er soll von einem Anhänger eines Sonnenkultes zum Chris­tentum konvertiert haben, seine Ta­ten aber weisen auf eine sehr zwie­spältige Persönlichkeit hin. Jedenfalls machte er das Christen­tum zur Staatskirche, was auch dazu führte, dass heidnische Elemente und Bräuche in dieser neuen Religi­on ihren Platz fanden.

Als Kaiser - als Staatsoberhaupt war er ja zuständig für die Staatskir­che - beruft Konstantin im Jahr 325 das Konzil von Nicäa ein. Anlass für die­ses Konzil war der Versuch, einen Streit über den Arianismus (eine christlich-theologische Lehre) zu schlichten.

Konstantin ließ zwischen 200 und 318 Bischöfe kommen. Es ist schon mehr als bedenklich, wenn ein Politiker, der sich übrigens als „Bischof der Bischöfe“ bezeichnete, ein Konzil beruft, wo es um geistli­che Dinge geht. Im Rahmen dieses Konzils ging es auch um das Datum für das Osterfest, das in der Gemein­de in Jerusalem und in den Gemein­den der jüdischen Diaspora als Passahfest gefeiert wurde, und damals noch in vielen christlichen Gemeinden weiterhin in dieser Form gehal­ten wurde.
 

Eusebius, ein zeitgenös­sischer christlicher Theologe und Geschichtsschreiber, zitiert in Vita Constantini et Oratio ad coetum sanctorum (Buch III) die Rede von Konstantin bei diesem Konzil.

 Zitat: „Es erschien unwürdig, dass wir bei der Feier dieses heiligsten Festes der Praxis der Juden folgen sollten, die sich auf so unehrbare Weise mit enormer Sünde die Hän­de schmutzig gemacht haben und es deshalb verdient haben, mit einer Blindheit ihrer Seele geschlagen zu sein. . . . Lasst uns deshalb nichts mit dem verabscheuungswürdigen jüdischen Haufen zu tun haben; denn wir haben von unserem Erlöser einen anderen Weg empfan­gen; zu unserer heiligsten Religion ist ein Weg offen, der ebenso recht­mäßig wie angebracht ist. Liebe Brü­der, lasst uns einstimmig diesen Weg annehmen und uns zurückzie­hen von jeglicher Teilnahme an ihrer Niedrigkeit. Denn es ist gewiss ab­wegig, dass sie sich brüsten kön­nen, dass wir ohne ihre Anweisung unfähig wären, diese Feiertage zu halten“.
 

Die Haltung Konstantins wider­spiegelt die allgemeine Meinung der Kirchenväter gegenüber den Juden und ist eindeutig von Feindlichkeit oder Hass ihnen gegenüber geprägt. Der Geist, unter dessen Leitung die­ses Konzil geführt wurde, ist ein ganz anderer als beim ersten Konzil in Jerusalem (Ap 15). Damals ging es wirklich nicht um Politik, sondern um die Be­mühung, Gläubige aus anderen Nationen zu integrieren. Jetzt aber trennt sich eine Staatskirche - um das glei­che Bild wie.Scha’ul zu gebrauchen - von dem Ölbaum, dessen Wurzel für das geistliche Leben des aufge­pfropften Zweiges sorgte.

„Wir haben von unserem Erlöser einen anderen Weg empfangen.“ proklamiert nun Konstantin vollmundig. Aus diesem Konzil entstand ein Glaubensbe­kenntnis, die ersten Lehrentscheidungen der christlichen Gesamtkir­che. Durch die Autorität des Kaisers, der das Konzil einberufen hatte, wurde das nicänische Glau­bensbekenntnis („Glaube der 318 heiligen Väter“) für die gesamte Kirche im Reich verpflichtend.

So entstand eine Theologie, die als „Ersatz-Theologie“ (bzw. Substi­tutionstheologie, Enterbungstheolo­gie oder Enteignungstheologie) be­kannt ist und in den Kirchen offiziell noch gültig ist.

Nach dieser Theolo­gie ist Israel nicht mehr Gottes Volk, weil es als Nation Jeschua (Jesus) als Messias abgelehnt habe. Die Kir­che ist das „geistliche Israel“; somit gelten alle Segnungen des Alten Tes­taments, die Israel verheißen wur­den, nun der Kirche; d.h. die Kirche ersetzt Israel. Alle Flüche hingegen sind immer noch für die Juden wirk­sam.

 

Die Kirchen und der Natio­nalsozialismus

Wenn man von dem Nationalso­zialismus spricht, denkt man an eine rassistisch geprägte Ideologie, die durch einen charismatischen Politiker in die Tat umgesetzt wur­de. Der religiöse Aspekt dieser Ideo­logie ist weniger bekannt.

„Wer den Nationalsozialismus nur als politische Bewegung ver­steht“, so hat Hitler geäußert, „weiß fast nichts von ihm. Es ist mehr noch als Religion: er ist der Wille zur neuen Menschenschöpfung“ (Fest, Hitler: Eine Biographie, Sei­te 305).

Sehr schnell nahm der National­sozialismus religiöse Züge an. Hit­ler erkannte sich als Werkzeug der Vorsehung, wurde zum Vollstrecker des Willens der Natur, zum himmlischen Rächer, zum „Messias“, zum Erlöser; ein Führer, der die Menschheit vom Irrweg zurückholen wollte, ein selbsternannter Märtyrer, der bereit war, sich im Kampf ge­gen das Böse zu opfern, das er in den „jüdischen“ Genen loka­lisierte.

Er wollte aus den Deut­schen neue Menschen (die Ari­er) machen, ein neues Reich gründen. Dieser neue Mensch musste allerdings erst noch werden, was „der“ Jude nach Auffassung Hitlers immer ge­blieben war: „reinrassig“. Seine Formel „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ ähnelt Eph 4,5: Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe. Sein Kampfeswille wurde von totali­tärer Inbrunst getragen. Hitler war ein Glaubens-Fanatiker und das Sprachrohr einer höheren Macht. Er war bereit, „im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln: Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn“ (Adolf Hitler: Mein Kampf, Bd.1, S. 70).

Es ist also keine Überraschung, wenn die christlichen Kirchen auf­grund ihrer antisemitischen Ersatz­theologie sich mit dem Nationalso­zialismus verbündeten. Am 23. Juli 1933 gewann die „Glaubensbewe­gung Deutsche Christen“ die Kirchenratswahlen in der neugeschaf­fenen einheitlichen Reichskirche und stellte damit die Bischöfe in fast allen evangelischen Landeskirchen.

Im Januar 1933 schrieb der evan­gelisch-lutherische Kirchenrat Dr. Hermann Steinlein aus Ansbach:

„Nun habe ich aber in meiner Schrift 'Frau Dr. Ludendorffs Phan­tasien über Luther und die Reforma­tion (Leipzig 1932, A. Deichert) nachgewiesen, dass man in der evangelischen Kirche Jahrhunderte lang immer wieder auf Luthers an­tijüdische Schriften hingewiesen hat.“

1938 ließ der Landesbischof der Thüringer evangelischen Kirche Martin Sasse nach dem November-Progrom die Schrift von Luther neu drucken mit der Überschrift: „Mar­tin Luther und die Juden - Weg mit ihnen!“ Die Zwischenüberschrift lau­tete: Die Juden - der „Abschaum der Menschheit“. Zitate aus dieser Schrift:

Durch das ganze Regiment des Volkes Israel und Juda ist nichts anderes gegangen als Gottes Wort zu lästern, zu verfolgen, zu spotten und Profeten zu würgen... Sie sind aller Bosheit voll, voll Geizes, Nei­des, Hasses untereinander, voll Hochmut, Wucher, Stolz, Fluchen wider uns Heiden ... Ebenso mö­gen die Mörder, Huren, Diebe und Schälke und alle bösen Menschen sich rühmen, dass sie Gottes hei­lig, auserwähltes Volk sind.

Am 4. April 1939 wurde das Entjudungsinstitut im evangelischen Predigerseminar Eisenach gegrün­det. Ziel dieser Einrichtung war die „Entjudung“ der Bibel und der theo­logischen Ausbildung.

Am 17. Dezember 1941 gaben sieben evangelische Landeskirchen in Berlin bekannt, dass „rassejüdi­sche Christen... in ihr keinen Raum und kein Recht“ haben. Die getauf­ten Juden wurden offiziell aus die­sen Kirchen ausgeschlossen. Ca. 160.700 „Christen nichtarischer Herkunft“ wurden von den Kirchen ausgeschlossen, darunter ca. 200 Pfarrer jüdischer Abstammung, die zum größten Teil in den KZs umkamen.

1921 veröffentlichte der evange­lische Pfarrer Friedrich Wilhelm Auer aus der bayerischen Landes­kirche die antisemitische Studie „Das jüdische Problem“, in welcher er öffentlich zum Boykott jüdischer Geschäfte aufrief. Am 11.9.1942 schreibt er an den NSDAP-Politiker und Chefredakteur der antise­mitischen Wochenzeitung „Der STÜRMER“, Julius Streicher: „Wenn der Feind nicht innerhalb 24 Stunden unsere Friedensbedin­gungen annimmt, wird eine Bartho­lomäusnacht veranstaltet und kein Jude verschont. Schade ist es um keinen.“

Bis 1933 nahm die Römisch- Katholische Kirche zunächst eine kritische Haltung ein. Ab dann aber erkannte sie die nationalsozialisti­sche Regierung als die rechtmäßi­ge Obrigkeit an.

So liefert z.B. Johannes Maria Gföllner, Bischof von Linz (Öster­reich) in seinem Hirtenbrief vom Ja­nuar 1933 ein Zeugnis eines tief­greifenden kirchlichen Antisemitis­mus:

„Es ist strenge Gewissenspflicht eines jeden Christen, das entarte­te Judentum zu bekämpfen.“ Dieses sind nur ein paar Beispie­le des Verhaltens der Kirchen un­ter dem Nationalsozialismus. An­dererseits haben einzelne Angehö­rige dieser Kirchen - trotz der offi­ziellen Haltung ihrer Kirchen - mu­tig gegen das Regime von Hitler gekämpft.

Wenig bekannt ist die Tatsache, dass viele Persönlichkeiten des Nationalsozialismus ihr Handeln aufgrund ihres Glaubens gerecht­fertigt haben.

Hitler: „Ich tue nur, was die Kir­che seit fünfzehnhundert Jahren tut, allerdings gründlicher.“

„Der Nationalsozialismus ist we­der antikirchlich noch antireligiös, sondern im Gegenteil, er steht auf dem Boden eines kirchlichen Chri­stentums.“

„So glaube ich heute im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln: Indem ich mich des Ju­den erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn.“

„Luther war ein großer Mann, ein Riese. Mit einem Ruck durchbrach er die Dämmerung; sah den Juden, wie wir ihn erst heute zu sehen be­ginnen.“

Julius Streicher, (Chefredakteur des STÜRMER) vor dem Strafge­richtshof in Nürnberg:
„Dr. Martin Luther säße sicher heute an mei­ner Stelle auf der Anklagebank, wenn dieses Buch [Von den Juden und ihren Lügen] von der Anklagebehör­de in Betracht gezogen würde.“

Adolf Eichmann bei seinem Pro­zess in Jerusalem: „Aus dieser Einstellung heraus tat ich reinen Gewissens und gläubigen Herzens meine mir befohlene Pflicht.“

Anhand dieser wenigen Beispie­le ist es nicht zu verleugnen, dass die antisemitische Theologie der christlichen Staatskirchen in diesem dunklen Kapitel der Geschichte eine wesentliche Rolle spielte. Hat sich nun seitdem etwas geändert?


Die Zeit nach dem Krieg

 

1948 ergab sich für die Kirchen eine neue Situation: die Juden ka­men in ihr Land zurück, aus dem sie ca. 20 Jahrhunderte vorher ver­trieben worden waren. Die Reaktion der christlichen Kirchen entsprach ihrer Theologie.

Als es dann trotz vatikanischem Veto zur Gründung des Staates Is­rael kam, kommentierte der„Osservatore Romano“, die offizielle Zeitung des Vatikans, am 14. Mai:

„Der moderne Zionismus ist nicht der wahre Erbe des biblischen Israel, sondern ein weltlicher Staat... des­halb gehören das Heilige Land und seine geheiligten Stätten der Kirche, die das wahre Israel ist.“

 

Ähnlich die Reaktion der evange­lischen Kirchen: Der Bruderrat der evangelischen Kirchen bekräftigte in seinem „Wort zur Judenfrage“: „Die Erwählung Israels ist durch und seit Christus auf die Kirche aus allen Völkern, aus Juden und Heiden übergegangen...“.

Seitdem hat sich trotz aller Be­mühungen, trotz aller Dialogbereit­schaft, trotz zwei Vatikanischer Konzile nach dem letzten Krieg und den Erklärungen aus dem Vatikan die klassische Ersatztheologie der römisch-katholischen Kirche offizi­ell nicht geändert. Es wird viel vom christlich-jüdischen Dialog gespro­chen, aber eine offizielle Zurücknahme der falschen Ersatztheologie gab es bisher nicht.

Erich Zenger, der von 1973 bis 2004 Professor für Altes Testament an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster war, schrieb 1991 (Vorwort zu sei­nem Buch: Das Erste Testament. Die jüdische Bibel und die Christen): „Bis heute haben Theologie und Kir­che ein ungeklärtes Verhältnis zu diesem Teil der christlichen Bibel [gemeint ist das AT], entweder wird es faktisch ignoriert (wo wird schon darüber gepredigt?) und insgeheim verachtet (was kann man nicht al­les über „alttestamentliche“ Texte lesen, sogar bei christlichen „Altte­stamentlern“!), oder er wird, freilich selektiv, christlich so vereinnahmt, dass er den Juden, seinen Erstadressaten, weggenommen wird von der Kirche, die sich für das „wahre“ Israel hält und in dem die mit dem „alttestamentlichen“ Israel begonne­ne Offenbarungsgeschichte angeblich „aufgehoben“ ist.“
 

Ein aktuelles Beispiel für die zwiespältige Haltung der evangelischen Kirchen gegenüber den Juden ist deren Ablehnung einer Teilnahme von messianischen Juden am Kirchentag 2012. Dort wurde ihre Beteiligung am „Markt der Möglichkeiten“ aus wel­chen Gründen auch immer verboten trotz der offiziellen Erklärung:

Initiativen und Organisatio­nen aus Kirche und Gesell­schaft können einen Stand auf dem „Markt der Möglich­keiten“ oder der „Messe im Markt“ beantragen.

In sozio-politischer Hin­sicht nimmt der Protestantis­mus zur Zeit gegenüber Isra­el eine aktive Haltung ein, die eindeutig pro-palästinensisch ist. Hier zwei aktuelle Beispiele.

Die Evangelische Kirche im Rheinland veröffentlichte am 4.10.2012 fol­genden Artikel:

„Solidarische Kirche - weil Besatzung bitter schmeckt: Die ‚Solidarische Kirche im Rhein­land‘ unterstützt den Aufruf zum Kaufverzicht auf Waren aus israeli­schen Siedlungen, genauer die Pax-Christi-Aktion ‚Besatzung schmeckt bitter‘“.

Mit überwiegender Mehrheit be­schlossen die Teilnehmenden der Tagung ‚Israel und Palästina - der schwierige Weg zu Gerechtigkeit und Frieden‘, sich der Aktion anzu­schließen. ‚Besatzung schmeckt bitter - Kaufverzicht für einen gerech­ten Frieden in Palästina und Israel‘ heißt die Aktion von Pax Christi. Zugleich wird eine eindeutige Kenn­zeichnung von Waren aus israeli­schen Siedlungen gefordert.

Des Weiteren wendet sich die Solidari­sche Kirche gegen Rüstungsexpor-

te in den Nahen Osten, insbesondere gegen U-Boot-Lieferungen nach Israel und Ägyp­ten sowie Panzerlieferungen an Saudi-Arabien.

Die Solidarische Kirche, die ihre Wurzeln im Widerstand gegen die von den Natio­nalsozialisten dominierte Reichskirche hat, ist im Konziliaren Prozess für Gerechtig­keit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung engagiert. Bei der Israel-Palästina-Tagung in Essen ging es um ‚Kriegsgefahr und Friedensstrategien‘ sowie um ‚Traumata und Friedensarbeit‘ in Nahost.“

Die Wurzeln dieser „Solidarischen Kirche“ werden eher durch einen Vergleich mit Bildern aus der Zeit des Nationalsozialismus enttarnt, auf welchen Zivilisten (Deut­sche Christen?) vor jüdischen Geschäften stehen, auf welchen die Parole steht „Deut­sche, kauft nicht bei Juden!“.

Ein zweites Beispiel finden wir in einem Artikel, der im Dezember 2012 in ‚Israel Heute‘ mit dem Titel erschienen ist: Antisemitismus in kirchlichen Chefetagen. Da heißt es: „Die Chef-Etagen der protestantischen Kirchen in Amerika haben in einem Brief vom 8. Oktober den US-Kongress, die Legislative der Vereinigten Staaten von Amerika, aufgefordert, jegliche finanzielle Hilfe an Israel zu überprüfen und gegebe­nenfalls einzustellen. Zur Begründung hieß es, Israel verletze die Menschenrechte der Palästinenser. Eine Überprüfung der US-Finanzhilfe an die Palästinenser wurde nicht gefordert. Auch wurde deren Weigerung, Israel als Staat überhaupt anzuerken­nen, nicht hinterfragt. Unter den Unterzeichnern ist der lutherische Bischof von Ame­rika.“

Hat sich nun etwas Wesentliches an der antisemitischen Haltung der Kirchen in unserer Zeit geändert?


Das „Christliche Abendland“

Unsere Kultur, die noch als „Christliches Abendland“ bezeichnet wird, wurde, wie der Name sagt, maßgeblich vom Christentum geprägt. Dieser Begriff, der erstmals 1529 erscheint, ergab sich aus der antiken und mittelalterlichen Vorstellung von Euro­pa als dem westlichsten, der untergehenden Abendsonne am nächsten gelegenen Erdteil. Das Abendland steht im Gegensatz zum griechisch-orthodox und islamisch geprägten Morgenland oder zum Orient. Die griechisch-orthodoxe Kirche wird auch als die Morgenländische bezeichnet. Heute wird eher der Begriff „Europa“ benutzt, womit eher der politisch-wirtschaftliche Aspekt im Vordergrund steht.

 

Wir haben gesehen, wie die Lehre der christlichen Kirche in Bezug auf Israel, die Ersatztheologie, dazu führte, dass die Juden - mit oder ohne Staat - im Laufe der Jahrhunderte verfolgt wurden. Ich glaube, es wäre ein hoffnungsloses Unterfangen, nach irgendeiner Zeit der Kirchengeschichte zu suchen, die frei von Antisemitismus wäre. Nun leben wir jetzt in einer Zeit, wo die Kirche ihre führende Rolle in der Gesellschaft verliert und ihre Mitglieder scharenweise austreten. Wenn Antisemitismus mit der Ersatztheologie der Kirche zu tun hat und gleichzeitig die Kirche ihren Einfluss in der Gesellschaft verliert, müssten logischerweise auch die Auswirkun­gen des Antisemitismus abnehmen. Und doch ist dessen Tendenz zunehmend. Wie kann man dies erklären? Eine übereilte Schlussfolgerung wäre zu behaupten, dass Antisemitismus doch nichts mit der Lehre der Kirche zu tun hat.

Die Kultur Westeuropas ist das Ergebnis einer langen Geschichte, wobei die Religion - wie in allen anderen Kulturen - eine nicht zu beachtende Rolle spielt. Im Bereich der Soziologie gibt es den Begriff „Kollektivbewusstsein“, der von dem französischen Soziologen Emile Dürkheim (1858- 1917), der selber Sohn eines Rabbiners war, geprägt wurde. Dazu schreibt er: „Die Gesamtheit der gemeinsamen religiösen Überzeugungen und Gefühle im Durchschnitt der Mitglieder einer bestimmten Gesellschaft bilden ein umgrenztes System, das sein eigenes Leben hat; man könn­te sie das gemeinsame oder Kollektivbewußtsein nennen.“ Ähnliche Gedanken hatte auch Os­wald Spengler. In seinem Hauptwerk „Der Untergang des Abendlandes“, das er 1918 veröffentlich­te, behauptete er, dass Kulturen Organismen seien. Kulturen waren für ihn sozusagen Riesen­pflanzen, die aus einer mütterlichen Landschaft heraus geboren werden, wachsen, reifen und schließlich verfallen.

Diese Gedanken sind den Schriften des Alten Bundes in der Bibel nicht fremd. Dort wird z.B. das Volk Israel personifiziert und oft mit „du“ angesprochen.

Wenn also die Religion durch ihre antisemitische Theologie die Mitglieder einer bestimmten Gesellschaft Jahrhunderte lang prägt, entsteht im Kollektivbewusstsein eine antisemitische Grund­tendenz, die in allen Generationen dieser Gesellschaft präsent ist. Dem Begriff „Jude“ haftet dann eine negative Bedeutung an, was den Mitgliedern dieser Gesellschaft nicht bewusst ist. Das Kollektivbewusstsein dieser Gesellschaft führt als eigenständiges Leben sein eigenes Leben und überlebt die Generationen der Mitglieder dieser Gesellschaft.

So könnte man erklären, warum es heute unter uns so viele Menschen gibt - egal ob mit oder ohne kirchlichen Hintergrund - die antisemitisch denken. Die Kirche hat dem Christlichem Abend­land eine schwere Bürde hinterlassen, der man sich erst dann bewusst wird, wenn man die Ge­schichte der Kirche kritisch untersucht. Es liegt an jedem von uns, seine eigene Verantwortung diesbezüglich zu tragen, insbesondere vor dem Gott, der das Volk Israel auserwählt hat und der weder ruht, noch schläft.

 

 

Aus: Kol Hesed Nr. 4(28) 2012 und Nr. 2(30) 2013

 


 

 

 

Der Schoß ist fruchtbar noch!

 

Von Dr. Nathan Warszawski


Wer in Deutschland gegen Gruppen oder Personen öffentlich hetzt, sie mit dem Tod bedroht, hat den schwachen Arm des Gesetzes selten zu fürchten. Damit ist jegliche Hetze und Bedrohung noch lange nicht gesellschaftlich oder politisch akzeptiert, nur straffrei.


Nah dem gewonnen Zweiten Weltkrieg haben die USA im Westen Deutschlands eine Umerziehung begonnen, damit zukünftig und für alle Zeiten Juden in Deutschland angstfrei leben. Trotz der überschaubaren Anzahl von in Deutschland lebenden Juden ist das übermenschliche Vorhaben missglückt und wird in der Zukunft zusätzlich andere unliebsame Minoritäten ins Verderben ziehen. Doch kurz nach dem gewonnen Krieg herrschte in den USA der Fortschrittsglaube, dass alles erreicht werden kann, so es vernünftig ist. Im Osten Deutschlands strapazierten die Sowjets das Glück. Da ihnen die Vertreibung der Juden aus ihrem Machtbereich gelingt, die Ausrottung des Antisemitismus jedoch nicht, führen sie die Zensur ein.

Warum das Experiment gescheitert ist, lässt sich schwer erklären. Solange die Gründe für Antisemitismus nicht bekannt sind, ist eine erfolgreiche Bekämpfung nicht möglich. Selbst der Antisemitismus ist nicht definierbar, da er sich wie ein Chamäleon ständig wandelt. Der christliche Antijudaismus von der Antike bis zur Neuzeit gerät in Vergessenheit und taucht unvermittelt auf. Nicht allein die Pius-Brüder gehörten zu den Anhängern der überwunden geglaubten Form des Antisemitismus.

Dem religionsbasierten Antijudaismus folgt der gesellschaftliche Antisemitismus. Der Ausrottung der Juden ist Hitler der Untergang Deutschlands wert. Doch weder Juden, noch Deutschland, schon gar nicht der Antisemitismus verschwinden. Nach der Gründung des Jüdischen Staates herrscht in West-Deutschland gespannter Philosemitismus, der nach der von den Feinden Israels verursachten Ölkrise in Antisemitismus umschlägt und sich nun Antizionismus nennt. Während diese Zeilen geschrieben werden, überlegen sich kluge Köpfe neue Namen für das uralte, nicht auszurottende Phänomen.

Die Vermengung und Gleichsetzung von Antisemitismus mit Antizionismus, die von Antizionisten, also Israelkritikern vehement bestritten wird, wird demjenigen klar, der auf Volkes Stimme hört. Antisemiten melden sich nicht zu Wort, da es sie offiziell nicht gibt. Volkes Stimme artikuliert sich heute in Leserbriefen der Zeitungen, die bald wegen des technischen Fortschrittes der Vergangenheit angehören werden. Doch noch glauben selbst Provinzblätter, politischen Einfluss auszuüben. Somit entscheidet die Zeitungsredaktion, welche Stimmen des Volkes Gehör finden dürfen. Die Redakteure haben ein feines Gespür für die Bedürfnisse ihrer Leser, von denen ihr Einkommen abhängt.

Ein markantes Beispiel liefert die Aachener/Dürener Zeitung AZ/DZ, welche in ihrem Gau das Monopol genießt. Am 21. November 2013 veröffentlicht die AZ/DZ Leserbriefe zu einer Studie, die aufzeigt, dass Juden in Deutschland 75 Jahre nach der „Kristallnacht“ zunehmend vom Antisemitismus bedroht werden. In keinem publizierten Leserbrief steht, dass der von Juden „gefühlte“ Antisemitismus nicht den Tatsachen entspricht. Alle publizierten Briefe bestätigen die Ergebnisse der Studie.

Die Leserbriefe werden mit der obsoleten Behauptung überschrieben, dass Kritik an Israel kein Judenhass sei. Im Folgenden werden die Zitate aus allen fünf Leserbriefen zu diesem Thema entnommen, ohne den Zusammenhang zu verfälschen, was bei den eindeutigen Aussagen nicht schwer fällt. Die Zitate werden kategorisiert, um Widersprüche zu verdeutlichen:

Juden sind selber schuld am Antisemitismus

·  Angesichts israelischer Politik und des Wohlverhaltens westlicher Länder diesem Land gegenüber ist der Bürger zu Ansichten gekommen, die sich bei ihm undifferenziert als Antisemitismus äußern.

·  Ich vermute und befürchte, dass hier eine Fehldeutung vorliegt und ein anderer Faktor entscheidend ist, nämlich die in bestimmten Kreisen [= Juden] gern geübte Gleichsetzung von Antisemitismus und Israelkritik.

·  Israel hat es durch eine Änderung seiner Politik gegenüber den Palästinensern selbst in der Hand, weltweit die erstrebte Anerkennung zu finden.

·  Der amerikanische Fanatismus und die amerikanischen orthodoxen Juden sind dafür verantwortlich, dass es im Nahen Osten keinen Frieden gibt.

·  Solange es diesen Frieden [im Nahen Osten] nicht gibt, wird der Hass auf alle Juden, auch auf die in Europa ansässigen, wachsen!

·  Dieses rechtswidrige und unmenschliche Verhalten der Israelis fördert nicht den Frieden, sondern eher den Antisemitismus.

Judentum und Israel sind voneinander unabhängig

·  Judentum ist viel mehr, besser als das, was uns der Staat Israel täglich vorführt.

·  Ich vermute und befürchte, dass hier eine Fehldeutung vorliegt und ein anderer Faktor entscheidend ist, nämlich die in bestimmten Kreisen gern geübte Gleichsetzung von Antisemitismus und Israelkritik.

·  Missbilligung der völkerrechts- und menschenrechtsverletzenden Übergriffe der israelischen Regierung als Antisemitismus gewertet …

Der Antisemitismus wird instrumentalisiert

·  Und heute? Ausländerhass in Deutschland? Hass auf Menschen, die einen anderen Glauben oder andere Hautfarbe haben?

Der von Deutschen verursachte Holocaust dient deren Nachkommen zur Hetze gegen Juden

·  unter Hinweis auf die deutsche Vergangenheit das Recht zu solchen Vorwürfen bestritten …

Antisemiten berufen sich auf jüdische Freunde

·  viele Israelis die Politik ihrer Regierung ähnlich verurteilen wie ich …

Nicht Juden, sondern die Nachkommen der Täter genießen die Deutungshoheit, was unter Antisemitismus zu verstehen ist

·  Antisemitismus ist das nicht!

Antizionismus

·  Geht man der Frage nach, warum das auch heute noch so ist, richtet sich der Blick zwangsläufig auf das heutige Israel. Was sich da vor den Augen der Welt abspielt, spottet jeder Beschreibung.

Juden verhalten sich wie Nazis

·  Denn was sich dort seit 1948 bis heute abspielt, hat viel Ähnlichkeit mit dem, was wir in den 30er und 40er Jahren hier in der Mitte Europas erlebt haben.

Der Unterstützer Israels, der große Satan USA, ist schuld

·  Wer Israel unterstützt, macht sich schuldig

·  Der amerikanische Fanatismus und die amerikanischen orthodoxen Juden sind dafür verantwortlich, dass es im Nahen Osten keinen Frieden gibt.

 Juden sind geldgierig und erhalten noch immer Geld aus Deutschland

·  Vielleicht finanzieren auch wir mit unserer „Entwicklungshilfe“ an Israel dieses fortlaufende und generelle Unrecht noch mit.


An den Sätzen erkennt man leicht, dass der Versuch kläglich scheitert, Antizionismus oder Israelkritik von Antisemitismus zu trennen. Doch nützt es nichts, den Israelkritikern zu erklären, dass sie Antisemiten sind. Eher wären sie stolz darauf.

Wer trägt die Hauptschuld am Wiedererstarken und der erneuten Akzeptanz des Antisemitismus? Die Antisemiten, die in den Medien, in NGOs und in den Schulen wirken. Die erste und zweite Gruppe sind für Politiker aller Parteien sakrosankt, sodass hier keine Besserung zu erwarten ist. Lehrer hingegen besitzen die Fähigkeit zu lernen. Es besteht die Hoffnung, dass ein rechtzeitiges Einwirken auf Schüler den Hass auf Juden und Israel vermindert. Doch die Mehrheit der „Holocaust-Versteher“, die die Schulen deshalb aufsuchen, verbreiten nicht nur ihre subjektive Sicht auf den Holocaust, sondern auch ihren Antizionismus.


Nachdem nun geklärt ist, dass das amerikanische Experiment, die Deutschen mit lebenden Juden auszusöhnen, gescheitert ist, – die Aussöhnung mit toten Juden ist gelungen – stellt sich die Frage, welchen Sinn eine deutsch-israelische Freundschaft oder eine christlich-jüdische Zusammenarbeit hat, insbesondere da die letztere Organisation an manchen Orten ein Sammelbecken für Antizionisten geworden ist. Einen größeren Gewinn versprechen die alle zwei Jahre nun in Berlin stattfindenden Israel-Kongresse, die Deutsche und Israelis zusammenführen, die aus Eigennutz an wirtschaftlicher und kultureller Zusammenarbeit interessiert sind. Nicht anders darf die deutsche Staatsraison bezüglich der Sicherheit Israels verstanden werden. Israelische Produkte und Dienstleistungen sind in Deutschland gefragt. Antisemiten, Antizionisten und Israelkritiker gehen deshalb dazu über, israelische Waren zu boykottieren, um den von Juden unterdrückten Palästinensern zu helfen. Versteht sich.

 

Numeri (4Mo) 24:9b

Ja, wer dich segnet, ist gesegnet, und wer dir flucht, verflucht!
(Übersetzt von: Naftali Herz Tur-Sinai)

 

 

 

2000 Jahre Mord an Juden     
             
IN MEMORIAM        
             
Im Gedenken an die getöteten Juden in aller Welt      
             
Zeitachse Opfer           
n.Chr. (Zahlen gerundet)        
             
70 1.100.000 Juden kommen bei der Eroberung Jerusalems um  
135 500.000 Juden werden im Bar-Kochbar-Aufstand getötet  
1066 3.000 Juden werden bei einem Aufstand in Granada ermordet
1096 12.000 ermordete Juden allein im Rheinland zu Beginn der Kreuzzüge
1171 38 Juden in Blois lebendig verbrannt    
1181 300 Juden enden in Wien auf dem Scheiterhaufen  
1209 20 Juden als Ketzer in Frankreich durch Papst Innozenz II. getötet
1278 293 Juden werden wegen "Münzfälschung" in London getötet
1298 20.000 Juden wegen "Hostienschändung" in Süddeutschland ermordet
1321 5.000 Juden wegen "Brunnenvergiftung" in Südfrankreich liquidiert
1348 1.000.000 Juden als "Urheber" der Pest in Europa vernichtet  
1349 2.000 Juden werden in Straßburg lebendig verbrannt  
1391 30.000 Juden in Spanien auf Betreiben des Klerus getötet  
1421 200 Juden werden in Enns/donau dem Scheiterhaufen übergeben
1482 2.000 Juden werden in Spanien verbrannt    
1483 30.000 Juden kommen durch die Inquisition in Spanien um
1492 300.000 Juden werden aus ihrer Heimat Spanien ausgewiesen
1497 300.000 annähernd die gleiche Zahl wird aus Portugal ausgewiesen
1506 2.000 Juden werden in Lissabon erschlagen    
1574 897 Juden werden durch die Inquisition in Mexiko ermordet
1648 12.000 Juden im Kosakenaufstand in Chmilnickis ermordet
1650 200.000 Juden bei Progromen in Russland ermordet  
1658 400.000 Juden durch einen erneuten Kosakensturm in Polen ermordet
1680 86 Juden werden in Madrid vor dem Königspaar lebendig verbrannt
1819 ? Bürgerliche Exzesse gegen Juden in Deutschland   
    (insbes. Baden u Bayern), Anzahl der Toten nicht feststellbar
09.11.1938 ? Hunderte Synagogen werden niedergebrannt.   
    Tausende jüdische Wohnungen demoliert.   
    7.500 jüdische Geschäfte geplündert. 34 Juden ermordet.
     Tausende Juden schwer mißhandelt und verhaftet.
    Dies geschah in der Reichsprogromnacht,  
    ausgerechnet am Tischa be-Aw, dem Nationalfeiertag zum 
    Gedenken an die zweimalige Zerstörung des Tempels 
    (in den Jahren 587 vor Chr. und 70 nach Chr.)  
1938-1945 6.000.000 Juden wurden durch das Hitler-Regime auf verschiedene Weise 
    umgebracht. Ehe man sie aber in die Konzentrationslager 
    (KZ) brachte, mußte die Gesamtheit der Juden in Deutschland
     eine Geldbuße von 1 Milliarde Reichsmark zahlen.  
             
    Fazit: Mehr als 9.300.000 Juden sind     
    bis 1945 gewaltsam getötet worden.    
             
    Diese Zahlen hat K.M. Pülz vor vielen Jahren zusammengestellt. 
    Sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.   
    Quelle: "Antisemitismus - gestern und heute"   
    (Autor: Klaus Mosche Pülz)    
             
In: ZeLeM, Verein zur Förderung des messianischen Glaubens in Israel e.V.;
  Titel: Bote neues Israel; Nr. 187, 2013      
Anmerkung: In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts und im 20. Jahrhundert 
sind unzählige Juden in Rußland bzw. in der UdSSR umgekommen.   
http://www.geschichteinchronologie.ch/SU/Pinkus_judenverfolgung-in-Russland-u-SU-index.html