Gerhard Malessa
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Wenn man
 »die erste Liebe« verlässt
...

Vom  Ur-Christentum zum philosophischen  Christentum
  
Irrwege der Kirche
 
 
Von Rudolf J. Michalke und Kurt Spörri

 

 

 

 

Inhalt                                                                                                 

    Einführung                                                                                    

  1. Die Kirche auf Irrwegen                                                             
  2. Die Urchristliche Wahrheit ist festzuhalten       
  3. Christen werden zunehmend verfolgt                
  4. Verhängnisvolle Umarmung der Kirche                              
  5. Der Sonntag wird „christlich“                                   
  6. Das erste ökumenische Konzil  in Níkaia (Nicäa) im Jahr 325                                     
  7. Das Zeitalter Konstantins                                          
  8. Ausgrenzung von Andersdenkenden                  
  9. Die Marschrichtung bleibt unbiblisch                  
  10. Das Traditions-Kirchentum nennt sie Ketzer     
  11. Die Ökumene geht weiter                                      
  12. Zurück zum urchristlichen Glauben!                     

 

  

»Ich (= Jesus) habe gegen dich,
dass du deine erste Liebe verlassen hast.
Denke nun daran, wovon du gefallen bist, und
denke um und tue die ersten Werke!
Wenn aber nicht, so komme Ich zu dir
und werde deinen Leuchter von seiner
Stelle wegrücken, wenn du nicht umdenkst«.

 Apokalypse (Offenbarung) 2,4-5



 

 

Einführung
 
 

Die ersten Nachfolger des Messias Jesus (=  Jeschu/Jeschua/Jahschua) zeichneten sich durch eine feste Glaubensüberzeugung aus, die in einem heiligen Lebenswandelzum Ausdruck kam. Sie kannten nur e i n e n Gott (1Kor 8:6), nur einen Messias und nur eine Botschaft des Heils, nämlich die Versöhnung mit Gott (JAHWEH) durch Jesus.Das Versöhnungs- und
Errettungswerk des Messias Jesus und seine tiefe Bedeutung für den begnadigten Sünder war ihr zentrales Thema (1Kor 1,17-25), das sie mit Kraft verkündeten (2Kor 5,20). Wandelte jemand auf dem "Weg" (Apg 19,9; u.a.), wurde sein Leben neu (2Kor 5,17).



Die ersten Christen kannten die philo­sophischen Dogmen späterer Jahrhunderte
noch nicht. Vielmehr ließen sie sich vom Geist Gottes leiten (Rö 8,14). Sie wussten, was sie zu tun und zu lassen hatten. 
 
Sie pflegten Gemeinschaft miteinander und vor allem mit Gott  und dem Messias (1Joh 1,3). Sie lebten im Geist der Wahrheit und der Liebe. "DIE ERSTE LIEBE" zu Gott und Jesuswar
ihre Kraftquelle, der Motor, der sie als Söhne und Töchter Gottes (nicht: als Skla­ven) zu guten Taten motivierte. Ihr Leben war reich an guten Werken (vgl. Eph 2,10). Als Überwinder der Welt und der Sünde lebten sie im Sieg Jesu (1Joh 5,3-5). Sie hatten den Mut, nicht auf ungeistliche Kompromisse mit der Welt  einzugehen. Denn sie waren, was reine Lehre, Zucht (Moral) und Gottesfurcht betrifft, kompromisslos! Außerdem wussten sie: Wahre Demut kennt keinen Gruppengeist, nur heiligen Geist.Sie wandelten in Demutund in Würde!Eph 4,1; Phil 1,27; Kol 1,10; u.a.  
  

  1. Die Kirche auf Irrwegen

 

Gab es schon im 1. Jhd. da und dort Missstände in der urchristlichen Nachfolge Jesu, wovon Off.2:4-5 Zeugnis ablegt, so entstand mit der staatlichen Anerkennung der Kirche im 4. Jhd. eine neue Art von  „Religion“.
 
 
Heute, in den Wirren der Endzeit (Mt 24,14), sucht eine in zahlreiche Fraktionen
gespaltene, vorwiegend aber reformatorische Kirche eine geistliche  Neuorientierung. Da­bei glaubt man sehr häufig, sie im Geist des "NEUEN WELTETHOS"zu erblicken. Promotor dieser Geistesrichtung ist der  katholische Theologieprofessor Hans Küng.Als solcher fördert er die ÖKUMENISCHE WELTBEWEGUNG,auf die der Vatikan Führungsanspruch erhebt.
  
Die Leiter des Großteils der reformatorischen Kirchen und Freikirchen schwenken  auf die­sen Kurs ein oder sind bereits darauf einge­schwenkt. So haben der lutherische Weltbund und die Anglikaner, die zwei größten Kirchen der Reformation, DIE RÖMISCHE  VORHERRSCHAFT theoretisch schon anerkannt (wiewohl sich an der Basis Widerstand regt). Und wenn ein be­kannter Evangelist wie Billy Graham (aller­dings ein Freimaurer!) den Papst als herausragend- sten Führer der Christenheit unserer Zeit lobt, ist bereits klar, wohin die vie­len frei-kirchlichen Gemeinschaften gehen.
  
„An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen"
(Mt 7,16,20; lies Verse 15 bis 20). Wer die
Entwicklungen der letzten Jahrzehnte betrachtet, stellt sich die bange Frage nach dem inneren Gehalt, dem „Gesundheitszustand“ der Früchte, die diese "christliche" Gesell­schaft
hervorgebracht hat und weiterhin hervorbringen wird. Gleichen sie nicht eigen­artigerweise
jenen Entartungen oder Sünden, die im 3. Kapitel des zweiten Briefes des Apostels  Paulus an Timotheus (Verse 1-9) im Zusammenhang mit "DEN LETZTEN  TAGEN"erwähnt  sind? Wenn aber die Früchte eines Baumes faul sind, kann dann der Baum, an dem sie wachsen, gesund sein (Mt 12,33; Lk 6,43-44)?  
- Nun, wie ist dieser Baum herangewachsen?
  
  

  1. Die urchristliche Wahrheit ist festzuhalten

 

Paulus, unser großer Lehrer (1Tim 2,7), erkannte klar, dass seiner noch urchristlichen Lehre verweltlichende Verführung droht. Er schreibt: "Seht zu, dass niemand euch ein­fange durch die Philosophie(hier: ungeist­liche, spekulative Weltweisheit im weitesten Sinn) und leeren Betrug(Täuschung,  . . .), nach der Überlieferung der Menschen(Tradition), nach den Elementen der Welt (vorchristliche religiöse Satzungen und Bräuche) und nicht nach Christus!"(Kol 2,8).
  
Paulus warnt Ti­motheus: "Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde  (urchristliche) Lehre nicht ertragen, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhäufenwerden, weil es ihnen in den Ohren kitzelt. Und sie werden die Ohren von der Wahrheit abkehren und zu den Mythen sich hinwenden.Du aber sei nüchtern in allem, ...!" (2Tim 4,3-5a).
Vergleiche "JÜDISCHE MYTHEN" in Tit 1,14. Und in seiner Abschiedsrede an die Ältesten
zu Ephesus warnt er: "Ich weiß, dass nach meinem Abschied Reissende Wölfe (Verführer,. . .) zu euch hereinkommen werden, die die Herde nicht verschonen" (Apg 20,29).
 
Paulus hatte das Evangelium aus der gesetzlichen Enge des Judentums herausgelöst, hob aber nicht die Verbindung mit den Judenchristen (d.h. den Christen aus dem Volk der Juden) auf. Durch seine Missionsreisen und Briefe hielt er sowohl mit diesen als auch mit den Heiden­christen (d.h. den Christen aus den Völkern der Nicht-Juden) Kontakt und kämpfte (mit geistlichen Waffen!) gegen die Überfremdung der christlichen Lehre durch PHILOSOPHISCHES, GNOSTISCHES, HELLENISCHES, ... Gedankengut, was deutlich aus seinen Briefen hervorgeht.
  
Bald nach dem Ableben der ersten Apostel - Johannes starb als letzter um das Jahr 100 n.Chr. - übernahmen die Verkündigung nicht nur Fackelträger echten Glaubens, sondern teilweise auch weltkluge, von HELLENISCHER PHILOSOPHIE geprägte Männer.Unter ihnen lehrten auch so genannte GNOSTIKER(heute würde man sie wohl ESOTERIKERnennen). Die­se durchsäuerten das urchristliche Evange­lium mit ihren philosophischen "Erkenntnis­sen" (vgl. "GNOSIS = ERKENNTNIS"in 1Tim 6, 20-21!), wodurch der Streit darüber, was denn die urchristliche Wahrheit der Apostel sei, ausbrach. Dieser dauert bis heute an. …
  
Das Christentum verbreitete sich im herrschenden römischen Reich anfangs ohne
größeren Widerstand der Staatsmacht,obwohl sie die Verehrung der Staatsgöttervon ih­ren Untertanen verlangte und grundsätzlich nur diesen Götter-Kult duldete. Doch die Kontrolle darüber war in diesem riesigen Reich, das sich von Nordafrika bis Schott­land und von Spanien bis Syrien erstreckte, relativ locker, solange der militärisch-­politischen Macht des Staates
keine Gefahr durch andere Religionspraktiken erwuchs.

 

 

  1. Christen werden zunehmend verfolgt


 

Die Verfolgungder urchristlichen Jesus-Nachfolger, die bekanntlich in Jerusalem nach der Steinigung des Stephanus(Apg 7,51-60) begann (Apg 8,1-3; 11,19), ging von der jüdischen Priesterkaste aus. Die Gläubigen des neuen "Weges" (Apg 9,2;  u.a.) wurden ver­trieben und gründeten im Exil neue Gemein­den. Nach und nach schlossen sich Nicht-Juden (Heiden) diesen Gemeinden an. In die­ser Zeit wurde der Apostel Jakobus,Bruder des Johannes, ermordet, was den Juden gefiel (Apg 12,1-3a). Wichtig: Die ersten Christen(Christen sind Bekenner von Jesusals den Messias) waren JÜDISCHER Abstammung.
  
Obwohl es zu örtlichen Übergriffen auf Christen kam - so etwa unter Kaiser Nero (54-68) im Jahr 64 aufgrund des Brandes von Rom, der den Christen angelastet wurde, - zeigte der Staat an einer allgemeinen Ver­folgung noch kein Interesse. Zwar hatte sich Nero schon im Jahr seines Regierungsantritts im Tempel des Mars Ultor in Rom göttlich verehren lassen (Aufstellung seines Bildes,das dieselbe Größe wie das Kultbild hatte), aber für Christen bestand kein Zwang zur Verehrung. Doch noch im ersten Jahrhundert sollte die Weigerung, diesen Kaiserkultmitzumachen (Verweigerung, altrömischen Göttern und/oder dem gerade regierenden römischen Kaiser Opfer darzubringen) zu einem Haupt­grund für die Verfolgung einzelner Christen werden. Noch war es nicht so weit, denn die heidnischen Römer machten
wegen mangelnder geistlicher Urteilskraft anfangs keinen Un­terschied zwischen Juden und Judenchristen (Apg 18,12-17). Daher galten für die Juden­christen dieselben römischen Gesetze wie für die Juden.
  
Beispiel: Als in Rom die Juden die Judenchristen wegen Christus und Seiner neu­en Lehre bekämpften, verfügte der damalige Kaiser Claudius(41-54) um das Jahr 49, "dass alle Juden sich aus Rom entfernen sollten" (Apg 18,2), und das schloss Judenchristen wie Aquila und seine Frau Priscilla ein! Juden­christen hatten Anteil auch an gewissen Pri­vilegien, die römische Kaiser den Juden ge­währten (z.B.: Befreiung vom Kaiserkult).
 
 
Gemäß Apg 24,5.9 wurden die Anhänger Jesu (damals hauptsächlich Judenchristen)  zur Zeit des Paulus herablassend als eine jüdi­sche "Sekte" ("Sekte der Nazoräer") bezeich­net. …
  
Im Laufe des jü­dischen Krieges (66-73) stellte sich heraus, dass die Judenchristen in Israel ihre jüdi­schen Landsleute in ihrem Kampf gegen die Römer nicht unterstützten. Der Messias war ja Friedefürst! Noch vor Kriegsausbruch wa­ren sie aus Jerusalemund dem jüdischen Raum in Gegenden außerhalb des Kriegsgebietes auf die Berge jenseits des Jordan geflohen. Wäh­rend Jerusalem im Krieg unterging, fand die Christengemeinde Jerusalems in der Gegend von Pella,in der Dekapolis jenseits des Jor­dan, Zuflucht. Sowohl die Flucht als auch die Nichtbeteiligung an Kriegshandlungen ent­sprachen ganz den Anweisungen ihres Messias Jeschua (Mt 24,16; 5,5). Die geistlichen Un­terschiede zwischen Juden und Judenchristen waren plötzlich offenbar. An der Anerkennung von Jeschua als Messiasund dem Ja zu seiner Lehre schieden sich die Geister. Für die Ju­den waren die Judenchristen Volksfeinde.
  
Kaiser
Domitian (81-96) nahm die Bezeich­nung "HERR UND GOTT" ("Dominus et Deus") an (Gottkaisertum). Er hatte in seinem goldenen Diadem das Bild der kapitolinischen Trias ( = Dreieinigkeit der Gottheiten Jupiter, Juno und Minerva) und ließ im Reich viele goldene und silberne Kaiserstatuenaufstel­len. Christen konnten nicht mehr so ohne weiteres unter dem Schirm des Judentums an dessen Privilegien Anteil haben, zumal es bereits eine große Zahl von Heidenchristen gab. Obwohl die Römer das Christentum noch immer als jüdische Sekte verstanden, wurden da und dort (vor allem in der Provinz Asia) Christen hingerichtet oder ihrer Güter be­raubt. Sie waren der "GOTTLOSIGKEIT” über­führt worden, weil sie dem Kaiser (und seinen Göttern) keine Ehre erweisen wollten.
 
 
Vorerst blieb es bei der Verfolgung ein­zelner Christen sowie ganzer Gemeinden (z.B. wurde um das Jahr 160 Polykarp von Smyrna, Schüler des Apostels Johannes und Bischof der Christengemeinde in Smyrna, öffentlich hingerichtet). Die Übergriffe mehrten sich erst in der zweiten Hälfte des zweiten Jahr­hunderts unter Kaiser Marc Aurel(161-180), unter dessen Sohn Kaiser Kaiser Commodus(180-192) und unter Kaiser Septimius Severus(193-211).
Viele Gläubige starben auf dem Scheiterhau­fen (wie Polykarp von Smyrna), fielen dem Schwert zum Opfer oder wurden Märtyrer bei Zirkusspielen (Gladiatoren, wilde Tiere).
 
Die erste große Prüfung für die junge Christenheit kam im Jahr 249, als der rö­mische Kaiser Decius (249-251) imperiale Edikte erließ, die eine systematische und reichsumspannende Verfolgungder Christen und deren Ausrottungverordneten. Denn der Kaiser wollte die Reichseinheit durch Er­neuerung des Glaubens an die altrömischen Götter festigen, da er
bemerkt hatte, wie sehr das erst vor 25 Jahren gegründete Neu­-Perserreich  (Reich der Sassaniden) durch seine Staatsreligion (Erneuerung der Feuer­religion des Zarathustra und des Mithraskultes) an Ansehen und politisch-kultureller Stoßkraft gewonnen hatte. Das Verfahren sah einen allgemeinen Opferzwangvor. Wer sich unter den Bürgern des Reiches weigerte, den Göttern zu opfern, wurde hingerichtet. Den Opfernden wurden Bescheinigungen (latein: libelli) ausgestellt, die bestätigten, dass sie den Anordnungen Folge geleistet hatten. Die innerlich starken Christen verweigerten den Gehorsam. Sie wurden Opfer grauenvoller Folterung und der Hinrichtung.
 
 
Die Flucht vor dieser Verfolgung wurde praktisch un­möglich, weil sie zum ersten Mal flächen­deckend über das ganze Reich stattfand. Wer sich in den Christengemeinden dem Willen des römischen Kaisers beugte - was leider häufig vorkam - war kein standhafter Beken­ner, denn die wahren Gläubigen gingen eher in den Tod alsder Lehre und Nachfolge Jesu abzuschwören. Durch diese Verfolgung wurden die Christengemeinden zwar von vielen bloßen Mitläufern gereinigt, aber die Flamme des Evangeliums leuchtete im Sturm der Anfein­dungen umso heller.
  
Der Glaube einer verfolgten Minderheit wurde allmählich zur bestimmenden Kraft  im Reich, und die Kirche wuchs trotz Verfol­gungszeiten weiter. Zwei Jahre später (251) fand der Verfolger Diciusals erster römi­scher Kaiser mit seinem Sohn Herennius den Tod auf dem Schlachtfeld im Kampf gegen die über die Donau vorstoßenden Goten, einem ger­manischen Stamm, in dem es vereinzelt Gläu­bige urchristlicher Glaubensrichtung gab.
 
Wie wunderbar urchristlich noch um das Jahr 250 das christliche Zeugnis sein konn­te, zeigt das Beispiel, das von Saturninus, dem ersten Bischof von Tolosa (heute Tou­louse, Süd-Frankreich), überliefert ist. Als Deciusdie Christen verfolgte, wurde auch er getötet. Man band ihn mit den Füßen an ei­nen starken Opferstier und machte diesen so wild, dass er ihn zu Tode schliff und der Strick riss. Saturninus hatte sich geweigert, heidnischen Göttern zu opfern, und so wurde er selbst geopfert. Sein mutiges Bekenntnis vor den Feinden Gottes, die auch seine Fein­de waren: "Ich kenne nur EINEN WAHREN GOTT, den Vater unseres Herrn Jesus Christus.Dem diene ich. Ihm bringe ich das Lobopfer mei­ner Lippen dar, und wenn Er es will, auch das Opfer meines Lebens. Ihr könnt nicht von mir verlangen, dass ich euren Göttern opfere, die sich, wie ihr sagt, vor meinem Herrn Christus fürchten." So ein Glaubenszeugnis aus der Mitte des
dritten Jahrhunderts ist noch ganz im urchristlichen und unphiloso­phischen Geist und daher in seiner Urwüchsig­keit weit entfernt von der späteren philo­sophischen Trinitätslehre und Christus-Lehre (Christologie). Nur der Vater ist Gott, und der Messias Jesus ist Herr (König)(siehe Joh 4,24-26; 17,3; 1Kor 8,5-6; 1Joh 5,20; u.a.).
  
Die frühchristliche Gemeinde wurde ih­rer großen und prophetischen Führer beraubt. Auch zahlreiche Lehrer starben frühzeitig. Hier sei insbesondere Origines, der große Lehrer aus Cäsarea, erwähnt, den die Nach­welt gerne als "den bedeutendsten Theologen des christlichen Altertums" bezeichnet. Er starb vorzeitig im Jahr 254 an den Folgen von Folterung und
Gefängnishaft während der Zeit der Verfolgung durch Decius (der Vater des Origenes,  Leonides, war bereits im Jahr 202 als Märtyrer in Ägypten gefallen).

Die Gemeinde überlebte in geistlicher Verödung. In die zugefügte Wunde drangen Bazillen man­nigfacher heidnisch-hellenistischer Einflüs­se und Spekulationen, die die noch vorhan­dene urchristliche Lehre weiter infizierten.
  
Die Verfolgungen dauerten auch noch un­ter den Nachfolgern des Decius, nämlich unter Kaiser Gallus (251-253) und Kaiser Valerian(253-260), bis etwa 258 an. Danach kehrte für etwa vier Jahrzehnte Ruhe ein. Die ver­folgte Christengemeinde erholte sich trotz des erlittenen Aderlasses relativ schnell, und so gab es während der Regierungszeit von Kaiser Diokletian(284-305) sogar in der Kaiserfamilie Christen und Sympathisanten, denn die Versammlungsstätte der Christen war nahe beim Kaiserpalast von Nikomedia (heute Izmit, am Ostufer des Marmarameeres, Türkei). Diokletians Frau Priskaund deren Tochter Valeriawaren Gläubige, ebenso vie­le seiner Sklaven und Diener und andere in hohen Positionen. Damals war etwa ein Zehn­tel der Reichsbevölkerung christlich. Das Blut der Märtyrer war der Same der Ekklesia.
 
 
Ab
293 regierte Diokletian das Reich, das er politisch und verwaltungsmäßig durch Einführung der Tetrarchieneu geordnet hat­te, als Oberkaiser und - gegen  Ende seiner Regierungszeit (besonders ab 303) - mit al­ler Härte gegen Christen. Er erließ vier unterschiedlich scharf
formulierte Edikte gegen das Christentum.
Zu Recht erkannte er im Christentum die Zelle des Monotheismus, des Glaubens an einen einzigen Gott. Der ur­christliche Glaube (1. Jhd.) war
von Anfang an ein noch von späteren philosophischen Dogmen freier ethischer Monotheismus! Und dieser monotheistische Glaube schloss alle anderen Götter aus und mit ihnen auch Diokletianselbst, der sich - Unterpfand seiner Herr­schaft -  als "HERR UND GOTT" huldigen ließ. Die prunkvolle Kaisertracht (das seidene, goldbestickte Gewand und das Diadem, die weiße perlengeschmückte Stirnbinde) war dem Perserreich entlehnt und von Kaiser Aurelian(270-275) eingeführt worden. Auch das hul­digende Niederknien vor dem Kaiserthron, die Proskynese, gehörte zum Hofzeremoniell. Ge­rade deshalb waren die für ihn so "starrköp­figen" Monotheisten und Jünger Jesu seinen innenpolitisch angeordneten Reformen (Ver­einheitlichung des Reiches auf der Grundla­ge des altrömischen Kultes) ein Hindernis.
  
Mit
unglaublicher Brutalitätverordnete er im Jahr 303 eine allgemeine Christenverfolgung. Sie forderte sehr viel Märtyrer­blut, da dieser Ein-Gott-Glaube in den vor­angegangenen Jahren sehr großen Zulauf an Heiden hatte. Die Keule der Verfolgungtraf die Gläubigen wie ein Blitz aus heiterem Himmel, weil Diokletian bei den Christen bis dahin (aus Nachsicht) vieles übersehen hat­te, was wohl zeitbedingt war. Jetzt kam es zur Zerstörung von Versammlungsgebäuden, zur Konfiszierungund Verbrennung der christli­chen Bücher, zu Ausschlüssen der Christen aus den Ämtern, ... und schließlich nach dem Blutedikt vom Jahr 304, wonach alle Christen den heidnischen Göttern opfernmussten, zu vermehrten Folterungen und Hinrichtungen.
 
 
Trotz
dieser für Gläubige so schreckli­chen Zeit kam aber bald der Augenblick, da Diokletian erkennen musste, dass er nicht ein­mal durch Gewalttätigkeit dem Gott der Chris­ten widerstehen konnte, und so dankte er im Jahr 305 ab und überließ die Herrschaft u.a. seinem Schwiegersohn Galerius, der bis dahin oströmischer Cäsar war. Galerius: um 250-311, ab 293 Cäsar im Ostreich, ab 305 als Augustus im Ostreich nachgerückt. Galerius starb im Jahr 311 in seiner Residenzstadt Nikomedia an Krebs und setzte erst kurz vor seinem Tod seinen Christenverfolgungenaus politischen Erwägungen ein Ende, und zwar im Jahr 311durch sein Toleranzedikt von Serdica (heute Sofia, Bulgarien). Auch er hatte sich im Kampf gegen die Christen überschätzt.

 



 

  1. Verhängnisvolle Umarmung der Kirche

     Schon zur Zeit Diokletians finden wir im kaiserlichen Gefolge den jungen KONSTANTIN (ca. 280-337), Sohn des weströmischen Cäsars CONSTANTIUS CHLORUS (im Westreich ab 293 Cäsar, ab 305 ‚Augustus‘).
Konstantin sollte später der Christenheit sein besonderes Ge­präge geben. Nach  dem Tod seines Vaters in Britannien (306) wurde er daselbst 306 von den römischen Legionären zum Augustus aus­gerufen. Doch erst nach mehreren Thronfolge­kämpfen errang er 312 die Herrschaft über das weströmische Reich, und zwar nach dem Sieg über seinen vorläufig letzten Rivalen, seinen Schwager Maxentius, an der Milvischen Brücke vor Rom (heute Ponte Molle im nörd­lichen Stadtgebiet von Rom). Gemäß der Le­gende verdankte er diesen Sieg einer gött­lichen Inspiration, wonach er alle Brust­schilde seiner Legionäre mit einem Symbol bemalen sollte, vielleicht mit einem Kreuz oder mit den zwei griechischen Anfangsbuch­staben des Namens Christus, X (Chi) und P (Rho), P auf X gekreuzigt. Dieses Symbol finden wir bis heute in der "christlichen" Symbolik, die aber heidnischist. - Nun trat auch seine Mutter Helena zum christlichen Glauben über, neigte aber bald der weniger philosophischen, arianischen Richtung zu.

Konstantin war ein Anbeter des heidnischen"UNBESIEGBAREN SONNENGOTTES"
(= "SOL INVICTUS")
. Von diesem Geist empfing er wohl diese Inspiration. Als solcher verordnete er im weströmischen Reich im Jahr 321 den Sonnentag (Sonntag) als Ruhe- und Feiertag.
 

Aus machtpolitischen Gründen hatte Kon­stantin im Jahr 310 seinen Schwiegervater Maximian(um 240-310, zur Zeit Diokletians bis 305 Mit-Augustus im Westreich) zum Selbstmord gezwungen, oder, was wahrschein­licher ist, ihn umbringen lassen oder sogar selbst ermordet und sich dann dem Sonnen­gott als Schutzgott unterstellt. Jahrzehnte­lang ließ er auf seinen Münzen heidnische Götter abbilden, besonders seine Lieblingsgottheit, die Sonne. Konnte er denn nicht zwischen "dem Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus" und der Sonne unterscheiden?
 

Die völlig neue Stellung der Kirche im Reich ist schon auf der ersten Reichssynode im Jahr 314 in Arelate (= Arles) erkennbar, woman u.a. die erste kirchenrechtliche Anerkennung der Standespflichten der Soldatenbeschloss: Soldaten sind zu exkommunizieren, wenn sie im Frieden desertieren! D.h.: Ex­kommunikation von Christen, die keine Sol­daten sein wollen. …
  
Wohl bekannte er sich ab seinem Sieg an der Milvischen Brücke vordergründig zum  Christentum, doch waren die Beweggründe sei­nes Handelns vorwiegend machtpolitischer Art. Schon im Jahr 313 ließ er in Mailand
das religiöse Toleranzedikt seines oströmi­schen Vorgängers Galeriusvom Jahr 311 be­stätigen (Übereinkommen von Mailand),er bewilligte den Bau christlicher Kirchen (z.B. der Laterankirche) und gewährte den Bi­schöfen Gerichtshoheit, Steuerbegünstigun­gen und viele andere Vorteile. Er erkannte klar, wie vorzüglich diese christliche Be­wegung in sein politisches Konzept passt.

 
Welch eine Veränderung auch für die Ge­meinde, der noch die Schrecknisse der Ver­folgung durch die Obrigkeit kurze Zeit vor­her in den Knochen saßen! Aufgrund der den Klerikern gewährten weitreichenden staatli­chen Privilegien und weltlichen Machtbefug­nisse wurden diese Ämter nun sehr begehrt. Folglich drängten Menschen ohne Bekehrung und ohne gefestigten biblischen Glauben,getrieben von rein materiellen Überlegun­gen, massenweise in diese Ämter. Konsequen­terweise fühlten sie sich damit dem Kaiser weit mehr verpflichtet als der Verkündigung urchristlicher Glaubenswahrheiten. Es bes­tätigte sich wieder einmal: "Wes Brot ich ess', des Lied ich sing!"
 

  1. Der Sonntag wird "christlich”

 

Die Sonntagsheiligung wird der sich in Entwicklung begriffenen "Staatskir­che" vom Kaiser (ab 321) aufgezwungen, wäh­rend das Halten des Sabbats den (Heiden-) Christen verboten wird, obwohl es gerade der Sabbat ist, der laut Bibel zu den zehn Geboten zählt(2Mo 20,8-11). Das Halten des Sonn(en)tags geht auf  die Kultbräuche im Zusammenhang mit der Verehrung des Gottes SOL INVICTUS bzw. des Gottes MITHRAS zurück.
  
»Schließlich schlug Konstantin 324 in den Schlachten bei Adrianopel (heute Edirne, etwa 220 km nordwestlich von Istanbul, Tür­kei) und Chrysopolis (heute Üsküdar, ein Ortsteil von Istanbul an der Ostseite des Bosporus) auch noch seinen Schwager Licinius(um 250-325), den Nachfolger des Galerius. Licinius war in seinen letzten Jahren auch ein Christenverfolger.

Ab diesem Zeitpunkt war Konstantin Alleinherrscher im gesamten römischen Imperium(Reichseinheit).
 
 
 

  1. Das erste ökumenische Konzil in Nikaia (Nicäa), im Jahr 325


 

Den für das Christentum schicksal­schwersten Schachzug während seiner drei­ßigjährigen
Regentschaft (306-337) insze­nierte Konstantin im Jahr 325 n.Chr. durch die Einberufung des Konzils von Nikaia = Nicäa = Nizäa (heute  Iznik, im südöstlichen Hinterland des Marmarameeres, Türkei). Zur Schlichtung eines unter den Bischöfen aus­gebrochenen Streites über die Frage, ob Gott und Jesus desselben Wesens seien ( = Arianischer Streit), ließ er in Nikaia eine Gene­ralversammlung von Bischöfen um sich versam­meln (später als "ERSTES ÖKUMENISCHES KONZIL" bezeichnet, dazu waren vom Westen allerdings nur ganz wenige gekommen, z.B. der Reichs­theologe Hosius von Cordoba). Bei  diesem in­nerkirchlichen Machtkampf stand gleichzeitig die Besetzung des Bischofsamtes von Alexand­ria, im Nildelta Ägyptens, auf dem Spiel, das damals eine Vormachtstellung einnahm. Arius (=Areios) war Presbyter in Alexandria, sein Gegner war dessen Bischof Alexander.
 
Konstantin, der die "Delegierten" mit allem kaiserlichen Pomp in seinem kaiserli­chen Palast in Nikaia empfing (und entspre­chend beeindruckte), begnügte sich nicht mit der Rolle eines Vermittlers, sondern machte im Laufe der Tagungszeit immer kla­rer, wer die Macht vertritt und wer diese auch in der Kirche auszuüben gedenkt. Das Reich Konstantins verstand sich ja als Re­präsentanz der "OIKOUMENE" (= ÖKUMENE), d.h. der bewohnten Erde, soweit sie Kulturwelt war. Die Ökumene war das römische Reich selbst, also der weltliche Staat! Da nach Ansicht des Kaisers die Ökumenizität des Reiches und die Universalität der Kirche zusammengehören, sollte in diesem Konzil eben diese Einheit von Reich und Kirche zum Ausdruck kommen. Der Begriff "Ökumene", der das römische Reich (WELTREICH) meint, wird nun von diesem immer mehr auf die Kirche übertragen (WELTKIRCHE).
 
 
Hier wollen wir nur drei in Nikaia gebo­rene Lehrsätze erwähnen:

Laut Bekenntnis ist Jesus Christus
"GOTT AUS GOTT",
"WAHRER GOTT AUS WAHREM GOTT",
"WESENSGLEICH (HOMOOUSIOS, ein nicht-biblischer, philosophischer Be­griff, den die Gnostiker zuvor in die Theo­logie eingeführt hatten) mit dem Vater.“ 
 
Daraus wurde in den darauf folgenden Jahr­zehnten die "TRINITÄTSLEHRE" konstruiert. … Diesem "Glauben von Nikaia" wurde eine Reihe von Anathematismen (d.h. Androhungen des Bannes gegen Andersdenkende)angefügt, in denen Kernsätze des Arianismus verurteilt und Christen, die sie verfochten, mit dem Ausschluss bedroht wurden. Konstan­tin verschärfte die Exkommunikation noch durch die politische Strafe der Verbannung.

Der erwähnte arianische Streit wurde unter dem Diktat des Heiden Konstantin (er ließ
sich erst auf dem Sterbelager im Jahr 337 auf Christus taufen!) gegen Arius entschieden, was für den Kaiser eine schon zu­vor beschlossene Sache war, denn bereits anlässlich der Synode von Antiochiaim Früh­jahr 325, deren Entscheidungen von Konstan­tins Ratgeber und Reichstheologen Hosius ( = Ossios) von Cordobain seinem Sinne gelenkt wurden, kam es zu einer (vorübergehenden) Exkommunikation von drei prominenten Für­sprechern des Arius.

Nikaia entschied sich also zugunsten des Bischofs Alexander von Alexandria und seines Diakons, der ihn als Privatsekretär nach Nikaia begleitet hatte, des jungen, machtgierigen späteren Bischofs Athanasius von Alexandria (ab 328 Bischof).


Wie
der Kirchenhistoriker Eusebios von Cäsarea (selbst ein Teilnehmer) berichtet, versammelten sich in Nikaia 250 bis 300 Bischöfe (die spätere, aus 1Mo 14,14 übernom­mene Zahl 318 hat nur symbolischen Wert). Es ist überliefert (Theodoret von Kyrrhos), dass sich von diesen Bischöfen nur zwei Per­sonen bis zum Schluss geweigert hatten, die kaiserliche Glaubensformel zu unterschrei­ben: Theonas von der Marmarikain Libyen und Sekdudos von Ptolemaisin der Pentapolis in Libyen. Den anderen lagen wohl die kirchli­chen Würden, die
staatliche Rechtsimmunität und Besoldung mehr am Herzen als die Bekun­dung echten christlichen Glaubens.
  
Ein­schüchterung, Bestechung und Korruption sind keine Erscheinungen von heute. Wo waren die Stimmen der in Nikaia versammelten Bischöfe geblieben, die mit der Lehre des Arius sym­pathisierten? Hier erwähnen wir nur Eusebios von Cäsarea, Eusebios von Nikomedia, Theodotos von Laodikeia, Paulinos von Tyros, Athanasios von Anazarbos, Gregorios von Berytos, Aetios von Lydda, Menophantos von Ephesos, Patrophilos von Skythopolis, Theogonios von Nikaia, Narkissos von Neronias in Kilikien. Diese hatten zwar das neue Glaubensbekenntnis von Nikaia unterschrie­ben, doch nicht aus Überzeugung. Das bewei­sen ihre späteren Aktivitäten und Schriften gegen die Anhänger dieses Bekenntnisses.
 
 
Das
Konzil von Nikaia hatte auch über zwanzig „Kanones“ zur Regelung verschiedener Bereiche kirchlichen Lebens entschieden. Sie wurden das Herzstück des später gesammelten kanonischen Rechts. Von der Vollmacht der Kirche, bei den Kanones selbst zu entschei­den (d.h. ohne das apostolische Wort zu be­rücksichtigen!), hat das Konzil in Nikaia ausgiebig Gebrauch gemacht.

Es traf Ent­scheidungen, deren Auswirkungen teilweise bis in die heutige Zeit reichen (z.B. wurde der Ostertermin so fixiert, dass er nicht mit dem entsprechenden jüdischen Passah-Termin zusam­menfiel; der erste Ostertag, Ostersonntag,sollte der erste Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond sein).

Ferner formulierten die Kanones Häretikergesetze, die Aufgaben der Kleriker, die Aufteilung der Kirche in Provinzen, die Rangstufung der Bischöfe und Synoden, die Angleichung der Kirchenverfas­sung an den Staatsaufbau, ...!

Kan.6 rech­net ausdrücklich damit, dass auf Synoden ei­ne Minderheit (vgl. die Arianer) überstimmt werden muss, wodurch die Provinzialsynode zum Verwaltungsinstrument wurde und die Mehrheit immer Recht behält! Wie ungeistlich!

Übrigens: Das Konzil lehnte den Antrag, die Kleriker zur Ehelosigkeit zu verpflichten, ab. Erst 1079 (= mehr als 750 Jahre später, also nach dem Bruch vom Jahr 1054 zwischen griechischer und lateinischer Kirche) verordnete die römisch-katholische Kirche durch Papst Gregor VII. ihren Klerikern das Zöli­bat! Wie unbiblisch! Vgl. damit die heidni­sche kultische Ehelosigkeit im alten Rom.
  
In
Nikaia wurde die Ekklesia mit weltli­cher Macht ausgestattet (vgl. Lk 22,26), und ihre Machtprinzipien wurden ihr eingeimpft. Hier wurde DIE NEUE KIRCHE - unter der Schirmherrschaft eines heidnischen Fürsten mit einem neuen Christusverständnis ge­boren,
wodurch sie sich von den hebräischen Wurzeln des Evangeliums abtrennte.
  
Der Wi­dersacher hatte eine entscheidende Schlacht gewonnen. Die jetzigen Vertreter der frohen Botschaft des Reiches Christi (von dem Jesus selber sagte, dass es nicht von dieser Welt ist!) besetzten nur allzu gerne die Positi­onen auf dem breiten Weg dieser Welt und machten es sich unter den Fittichen der po­litischen Macht des römischen Kaiserreiches bequem. Sie opferten dem Kaiser die grund­legende christliche Glaubenswahrheit. Kon­stantin hatte erreicht, was er wollte: Die Oberhoheit über die Glaubensfragen der jun­gen Christenheit in der ganzen Ökumene.
  
So­fort nach der Zustimmung der Bischöfe wurden die Konzilsbeschlüsse zu Reichsgesetzen er­klärt. Nach dieser Wende kam es in der neu­en Kirche von Kaisers Gnaden zu chaotischen innerkirchlichen Machtkämpfen.
 
 
Der Kaiser, wiewohl ein Heide, setzte Bischöfe ein und ab, berief Kirchenversamm­lungen
ein und führte bei denselben den Vorsitz (persönlich oder durch Stellvertre­ter). Er, der durch Verrat, Gewalt, Mord und Krieg an die Macht gelangt war, machte die Christen glauben, seine Einsetzung sei durch den Ratschluss Gottes erfolgt. Er ließ sich als ein Vertreter der Gottheit mit Heiligenschein verehren.

Als STELLVERTRETER CHRISTI war er HERR DES STAATES (ÖKUMENE) UND DER KIRCHE.Er
nennt sich „Bischof der äußeren Angelegenheiten“. Obwohl nicht Be­geisterung für den neuen Glauben, nicht Er­kenntnis der höheren Wahrheit von Gott her, sondern gemeinster Eigennutz und Erwartung einer stärkeren Machtentfaltung diesen Mann das Christentum zur begünstigten Religion und Staatskirche erheben ließen, bestätigte ihm die Kirche den Beinamen "der Große".
  
Mit der "Konstantinischen Wende" von Nikaia - die Kirche war gerade dabei, sich immer mehr zur Staatskirche zu entwickeln (Verstaatlichung der Kirche!) - wurde aus der bis dahin geistlich gesinnten Ekklesia, an der jeder durch persönliche Bekehrung und einen neuen Lebenswandel im Kampf gegen die Sünde Anteil hatte (vgl. Gal 6,15; u.a.), eine Prunkkirche mit Prachtbauten (z.B. Rom: Bischofskirche und alte Peterskirche). In diesen Gebäuden nahmen heidnische Kultbräu­che immer mehr zu, und die massenhaft hin­zuströmenden Heiden fühlten sich wohl. Ger­ne wollten sie an den "Erlösergott" Chris­tus glauben,  der sie trotz all ihrer Sünden "verherrlichen" würde. Auf ihre herkömmli­chen religiösen Praktiken brauchten sie ja deswegen nicht zu verzichten. So ergab sich für alle römischen Untertanen, die sich die­ser kaiserlichen Kirche anschließen wollten, ein neuer Mysterienkult (samt
staatskirch­lichem Klerus). Dieser wurde später auf dem Konzil von Konstantinopel (381) von Kaiser Theodosius gesetzlich verankert, während al­le übrigen heidnischen Kulte und sogar der Arianismus forthin unter Strafandrohung ver­boten waren. Diese Vermischung des
christlichen Glaubens mit viel heidnischem Brauchtum
hat bis heute überlebt!
 
 
Es
war wohl am 20. Mai 325, als im kai­serlichen Palast in Nikaia die Eröffnungs­sitzung des Konzils stattfand. Nach dem Ab­schluss der Beratungen hielt der Kaiser die Synodenteilnehmer noch in Nikaia zurück, um mit ihnen am 25. Juli die Vicennalien, sein 20-jähriges Regierungsjubiläum, zu begehen. Somit endete das Konzil im kaiserlichen Pa­last festlich, so wie es begonnen hatte.
 
 

  1. Das Zeitalter Konstantins
 


Im Jahr 326 beschloss Kaiser Konstantin Byzantion (Byzanz) zur neuen Hauptstadt seines Weltreicheszu machen. Die Stadt wurde 330 eingeweiht und Konstantinopel (= Stadt des
Konstantin) genannt. Er stattete sie mit rücksichtslosem Kunstraub aus (u.a. mit vier Bronzepferden aus dem griechischen Delphi) und ließ zahlreiche Kirchen erbauen (z.B. Apostelkirche). Konstantin erklärte, er ha­be Konstantinopel auf Befehl des Gottes der Christen gegründet, doch weihte er die Stadt der griechischen Schicksalsgöttin Tyche (rö­misch: Fortuna). Er vollendete das steife Hofzeremoniell Diokletians mit prunkvoller Kleidung und einem Heer von Hofschranzen. Betonung der Gottähnlichkeit des Kaisers: Goldgewand, Diadem, Proskynese (Adoration). 
  
Mit den Reformen, die sich aus seiner Hin­wendung zum Christentum für Kaisertitel und Kaiserstellung ergaben, schuf er den kaiserlichen Dominat oder Cäsaropapismus (= Ver­einigung von weltlicher und religiöser Macht in einer einzigen Hand), der zur Grundform der absoluten Monarchie wurde. Seine Anrede war "Eure Ewigkeit und Göttlichkeit“.

 
Klar, dass in solch heidnischer Atmosphäre eine Christuslehre wie die des Arius viel zu be­scheiden wirkte! Nur ein durch Philosophie künstlich überhöhter Christus konnte den Ansprüchen dieses Kaisers genügen!
  
Durch genaue Beaufsichtigung und harte Strafen entstand eine eingeschüchterte, 
starre und sich ganz von der Gnade des Kaisers abhän­gig wissende unfreie Gesellschaft.

 
Trotz Konstantins enger Verbundenheit mit dem Gott der Christen (er war nur Hörer des Evangeliums, wollte von der reichskirch­lichen Priesterschaft unabhängig sein, hat­te aber dennoch Interesse an der Sündenver­gebung) , baute er bis zu seinem Lebensende sogar heidnische Tempel wieder auf, denn mit den alten Götternwollte er es sich doch nicht ganz verderben. Er blieb eben bis zu­letzt der Pontifex Maximus - sowohl für die Heiden als auch für die Christen.
 
Seit dem Jahr 12 v. Chr. - also seit Kaiser Augustus - hatten die heidnischen römischen Kaiser ne­ben der höchsten weltlichen Autorität zu­gleich die höchste religiöse Autorität inne. Mit der höchsten sakralen Würde, nämlich der Priesterwürde des Pontifex Maximus, war auf­grund der Oberaufsicht und Entscheidungsgewalt über das Sakralwesen aller Staatskulte eine innenpolitische Machtposition verbun­den. Diese behielt Konstantin bei, dehnte sie aber noch
auf die Staatskirche aus. Erst Kaiser Gratian legte 382 den Titel "Ponti­fex Maximus" durch
Entfernung der Victoria-Statue aus dem Senat nieder. Im 5. Jhd. ging er formell auf die BISCHÖFE VON ROM über!

Im konstantinischen Zeitalter und danach wurde Verschiedenes (z.B. Auszeichnung des Sonntag vor dem Samstag bzw. Sabbat), was in Ansätzen in gewissen Gegenden bei gewis­sen Bevölkerungsschichten vorher schon da war oder praktiziert wurde, gesetzlich ver­ankert.
 
Das Geburtsfest des Sonnengottes Sol Invictus bzw. Mithras (von einer jung­fräulichen Mutter geboren) am 25. Dezember wurde zum Geburtstagsfest von Jesus Christus (Weihnachtsfest). Die Freude, das Geschenke­machen und die Kerzen, die später das Weih­nachtsfest kennzeichneten, entstammen den Saturnalien, dem römischen Winterfest vom 17.-21. Dezember. Bestimmte Formen der Son­nenverehrung hielten sich in Rom noch lange nach Konstantin, während andere noch heute aktuell sind (z.B. das Anzünden von Sonnwendfeuern). Später wurden einige Bräuche christianisiert, z.B. Bräuche in Verbindung mit Weihrauch, Kerzen und Girlanden, die zuvor von der Kirche wegen ihrer heidnischen Herkunft vermieden wurden. Schon unter Kon­stantin wurden christianisierte Bräuche eingeführt, und den Christen wurde verbo­ten, jüdische Feste und den Sabbat zu hal­ten. Doch wurden für den Festkalender auch gewisse Elemente aus jüdischen Festen über­nommen.  Das Ergebnis war ein synkretistischer, "christianisierter" Festkalender.

  
Die in alttestamentlicher Zeit den Ju­den in 3Mo 23,4-44 vorgeschriebenen Feste (diese gehören nicht zum universal gültigen Moralgesetz wie die zehn Gebote, sondern nur zum jüdischen Zeremonialgesetz) verloren für (Heiden-)Christen an Bedeutung. Doch anstatt sich in dieser Freiheit offen zu halten für Gottes Geistesleitung (vgl. Rö 8,14; Joh 16,12-13; u.a.), schuf man sich ein rein mensch­liches, religiöses Gesetz, das genauso wie­der eine Art sklavisches Joch wurde (vgl. das fleischliche, hartnäckige Festhaltenwollen von Christen am Mosaischen Gesetz: Gal 2,18-21; 5,1.5f.13f.18.25; u.a.).
  
Nach dem 1.Jhd. kamen zu unterschiedlichen Zeitpunk­ten viele unbiblische Kulte auf (Märtyrer-, Heiligen-, Marien-, Reliquien-, Bilderkult, ...), sowie das Sakramentswesen, das Zölibat der Priester, die Fegefeuer-Lehre, der Ablass­handel, die Ohrenbeichte und vieles mehr.
  
Durch des Kaisers Hinwendung zum neuen "Weg", welche in Wirklichkeit in einem nicht mehr urchristlichen, falschen Verständnis von Gott und Jesus sowie im Festhalten am heid­nischen Götter-Glauben bestand, verschwand die klare Trennliniezwischen Heidentum und Christentum. Bis dahin galten als wahre Christen jene, die trotz Bedrohung für Leib und Leben treu zu ihrem Glauben standen. Nunmehr genügte ein bloßes Lippenbekenntnis vor  den Menschen, um "Christ" zu werden. Diese Art von Christentum breitete sich aus.
  
Den Massen der neuen "Christen" fehlte die nötige Betreuung und Leitung (heute ha­ben wir eine ähnliche Situation im Anschluss an Groß-Evangelisationen). Daher musste dem Volk ein seinem Vorstellungsvermögen ent­sprechender Rahmen geschaffen werden. Es kam ein Priesterstand auf, dessen Pflicht es war, das kirchliche „Sakrament“ zu spenden (wie bei heidnischen Mysterienkulten). Vorher war jeder Glaubende für seine Seele selbst verantwortlich und eigener Priester für sein Heil (Allgemeines Priestertum:vgl. 1Petr 2,9-10; Off 1,6; 5,10). Geeignete An­wärter zu finden war in dem verödeten Um­feld, das durch die erst kurze Zeit vorher stattgefundenen Christenverfolgungen ent­standen war, kein Leichtes, obgleich sich viele zu diesen staatlichen Vorzugsposten drängten. Die leitenden Bischöfe fühlten sich, den staatlichen Schutz genießend, bald als die Herren des  neuen Christentums.
  
Diese
verweltlichte Kirche, deren bald einsetzende grausame Verfolgungen Andersden­kender im Laufe der Jahrhunderte Millionen Märtyrer hervorbringen sollten, wird sich in ihrer Überheblichkeit eines Tages ( = 1870  n.Chr.) sogar das Dogma der „Unfehlbarkeit“ zulegen. Verbrechen, die auf ihr Konto gehen, werden großzügig einigen "irregeführten" Priestern bzw. gewissen Klerikern ... angelastet. …

  
 Mit Konstantin zogen also vielfältige heidnisch-religiöse Gedanken und Praktiken in eine von schwachen und teils zweifelhaf­ten Führern geleitete "christliche" Macht­kirche ein. Das Christentum, das sich nun immer mehr zur neuen Staatsreligion entwi­ckelte, gewann jetzt Millionen von Zuläufern aus dem Heidentum, da es sichtlich vorteil­hafter war, einer staatlich sanktionierten und geschützten Religion anzugehören. Damit entstand erstmals eine gewaltige Masse von Namenchristen, die schwerlich wusste, worum es sich dabei eigentlich handelte. Man ver­sprach sich daraus schlicht und einfach ma­teriellen Vorteil, Wohlergehen und körper­liche Unversehrtheit wie menschlich!
 
 
Den meisten fiel diese "Konvertierung" auch nicht schwer, denn der neue Glaube erlaubte ihnen ja, eine Vielzahl heidnischer Bräuchebeizubehalten. Ein solches Heer von welt­sinnigen und ahnungslosen "Neugläubigen" war verständlicherweise leicht manipulier­bar, so dass die Macht der Staatskirche ge­festigt und ihre vom Kaiser geforderte neue Christuslehre durchgesetzt werden konnte.

  
Konstantin, der machtbesessene weltliche Fürst, bestimmte, was die Christen zu glauben hatten. Zum Beispiel hatte er um das Jahr 333 den Besitz arianischer Schriften unter Todesstrafe gestellt (Er ließ sie verbrennen). So wurde die Kirche zu einem immer mehr Furcht erregenden Instrument der Macht über die Gläubigen. Der Prozess der Angleichung an heidnisches Brauchtum ging weiter. Konstan­tins monotheistisches Heidentum untermi­nierte die bislang noch klare christliche Lehre und sollte sie zunehmend beeinflussen.
  
Wer die von Kaiser und Bischöfen erlas­senen Beschlüsse nicht befolgte, musste mit harter Verfolgung rechnen. Genau dies wider­fuhr dem Arius und zwei seiner Mitkämpfer,die  im Glaubensstreit von Nikaia ihren Geg­nern (und damit dem Kaiser) unterlegen waren. Sie wurden nach Illyrien verbannt, fern ih­rer Heimat, weil sie sich aus Glaubensüber­zeugung weigerten, das unbiblische kaiserli­che Schlussdokument zu unterschreiben. Später (336) sollte Arius in Konstantinopel feierlich rehabilitiert werden, was ihm auf­grund einer Reichssynode in Tyros (335) vom Kaiser in Aussicht gestellt worden war. Doch am Vorabend starb er plötzlich, allem An­schein nach wurde er meuchlings ermordet.
 
 
Die
Regierungszeit Kaiser Konstantins ist auch ein Meilenstein in der Geschichte des Judenhasses von Staat und Staatskirche (z.B. Antijüdische Gesetzevom Jahr 315), der durch die Jahrhunderte Verfolgungen, Hass und Verachtung und schließlich den Holocaust zur Folge

hatte. Hier liegt die Wur­zel jener überheblichen Substitutions- oder  Ersatztheologie, nach der sich eine weltliche Staatskirche zum "neuen Israel" erklärt (hat), wo doch das neue Israel das geistliche Israel, das Israel der Verheißung, die neue Schöpfung ist (Rö 9,6-9; u.a.)! Hier entstanden in den Hirnen hellenistisch philosophischer Konvertiten Dogmen (Lehren), die das neue Christentum nachhaltig prägen und beeinflussen sollten.
  
Zur
Teilnahme am Konzil von Nikaia wa­ren keine Judenchristen eingeladen worden. Mag das vielleicht damit zusammenhängen, dass - wie bereits angedeutet - schon für die geistlosen heidnischen Römer die Judenchristen den Juden näher standen als den Heidenchristen? Für sie hatte ja die fleischliche Abstammung einen höheren Stel­lenwert als die geistliche Verwandtschaft. Offenbar wollte man den arianischen Streit gar nicht mit semitisch-biblischer, sondern mit hellinistisch-philosophischer Denkweise bewältigen! Die Folgen sind bekannt.

  
Die Trinitästslehre stellt eine Intellektuali­sierung des Christentums dar, die sowohl vom Zeugnis über die durch Jesus Christus geschichtlich und persönlich vollbrachte Erlösung (vgl. 1Kor 1,18-20) als auch vom ethischen Grundgehalt der Lehre Jesu (vgl. Mt 9,13) ablenkt und wegführt. Die prakti­sche Umsetzung des urchristlichen Liebesgedankens ist ja wichtiger als die Theorie!
  
Schon
im 2. Jhd. gab es unter den Juden­christen viele, die eine überdurchschnitt­lich große ethische Vollkommenheiterreicht hatten, weil sie nachweislich keine Tiere mehr töteten (oder für sich töten ließen), um von deren Fleisch zu leben, sondern sich auf paradiesische Weise fleischlosernährten (vgl. 1Mo 1,27-29; gemäß Eusebios war auch Jakobus, der (Halb-) Bruder Jesu, Vegetarier). Das waren Nachkommen der Ur-Gemeinde, die Enkel der Judenchristen von Je­rusalem!

  
Sie waren es, die damals, als um die Mitte des 2. Jhds die junge Ekklesia einer Sturzflut gnostischer Ideen ausgesetzt war und Gnostiker Gegenkirchen gründeten, für die Bewahrung der bedrohten Wahrheit in die Bresche sprangen. Niemand konnte wissen, welchen Ausgang dieser Kampf auf Leben und Tod nehmen würde! Sie waren es, die die geis­tige Auseinandersetzung nicht mit ungeist­licher Philosophie, sondern mit biblischem Gedankengut führten und den Ansturm des Fein­des abwehrten.
  
Die "klugen" "Kirchenväter" aber schrieben ihre gelehrten Werke "gegen die Häresien" (auch gegen diese Judenchris­ten) erst viel später, nämlich zu einem Zeit­punkt, als das Ganze längst vorüber war.
  
Wie anders wäre die "Kirchengeschichte" ver­laufen, hätte man bei Glaubensfragen auch Judenchristen gefragt! Heute allerdings kann (oder sollte) man sich die Judenchristen nicht mehr zum Vorbild nehmen,denn meist sind auch sie nicht mehr urchristlich!
  
Kaiser Konstantin, dieser religiös in­differente Helios-Jünger, der das Symbol des Kreuzes als Siegesfetisch benutzte, war eine abergläubische, kalte, höhnische, jähzorni­ge, schwer zu durchschauende Persönlichkeit, die keinen Wortbruch und  keine Schandtat scheute.
  
Nur am Rand sei hier erwähnt (weil es Konstantins Privatleben betrifft), dass er im Jahr 326, also nur etwa ein Jahr nach dem Konzil von Nikaia, zuerst seinen ältes­ten Sohn Krispos (von seiner früheren Konku­bine Minervina), dann aber auch seine Frau Fausta töten ließ.
  
Wegen seiner Verdienste für die heidnischen Staatskulte wurde Kon­stantin nach seinem Tod, wie schon die heidnischen Kaiser vor ihm, konsekriert, d.h. zum Gott erhoben (Erhebung zum "Divus" durch Apotheose = Vergöttlichung). Auch die römisch-katholische Kirche hat den Kaiser, der aus dem Christentum einen Staatskult machte, auf ihre unbiblische Art und Weise "konsekriert", d.h. heilig gesprochen.
 
  



  1. Ausgrenzung von Andersdenkenden
     
          

Mit äußerster Brutalität setzte die römische Reichskirche ihre in Nikaia aufge­stellten Lehren - im Namen Jesu Christi - durch. Nackte Angst bemächtigte sich der Christenheit. Viele Verkündiger bemühten sich, die geschmiedete neue Lehre besonders hervorzuheben, um nur ja  nicht in den Ruf von Widerspruch (Ketzerei) zu kommen. Denn schon 325 hatte das
Konzil Bischöfe ihrer Ämter enthoben und drohte einigen anderen mit Strafe, wahrscheinlich zwecks Diszipli­nierung.
  
Selbst Eusebios von Cäsareahatte nur unter Ausflüchten unterzeichnet, und Eusebios von Nikomedia (heute Izmit, an der Ostseite des Marmarameeres, Türkei, damals Kaiserresidenz im Osten), unterschrieb zwar, wurde aber Ende 325  nach Gallien verbannt,weil er mit Arianern, die aus Alexandrien vertrieben worden waren, Gemeinschaft hatte.
  
Aus der kurze Zeit zuvor noch verfolg­ten Kirche wurde bald eine Verfolgerkirche. Andersdenkende (Häretiker) sollten es bald am eigenen Leib zu spüren bekommen. Ein vor­dringliches Ziel schien ihr zu sein, sich von den jüdischen Wurzeln des Evangeliums zu trennen. Man wollte mit den "Gottesmördern", wie die Juden bald genannt wurden, nichts mehr
gemeinsam haben.
  
Jüdische Feste wurden, wie erwähnt, "christianisiert" und mit heid­nischen Kultfesten vermischt. Wer sich unter den "Kirchenvätern" als Judenhasser hervor­tat, wurde später von der Kirche als "Heili­ger"  verehrt (aber gewiss nicht nur deshalb). Man denke an Namen wie "Heiliger"Athanasius (um 298-373) , „Heiliger“ Gregor von Nyssa (331-394), „Heiliger“ Ambrosius (um 339- 397), „Heiliger“ Hieronymus (um 347-420), „Heiliger“ Chrysostomus (um 350-407), „Heiliger“Augustin (354-430), ..., deren wider­liche, unbiblische Verfluchungen des Juden­volks (vgl. Mt 5,44; Rö 12,14; Jak 3,8-10; u.a.) die Kirchen bis Martin Luther (1483 1546) und darüber hinaus prägten.
  
Auch
in den Reihen der Christen musste "aufgeräumt" und die Non-Konformisten unbe­dingt ausgeschaltet werden. Sechzig Jahre nach Nikaia, im Jahr 385, wurde der spani­sche Christenführer Priscillian(um 340- 385), Bischof von Avila, mit einigen Glau­bensgenossen
nach Trier an der Mosel ver­schleppt, unter höchst zweifelhaften Vor­wänden vor  ein weltliches römisches Inqui­sitionsgericht gestellt und hingerichtet. Ihr Vergehen: Sie hatten sich  geweigert, die verbreiteten neuen Lehren, insbesondere das Trinitätsdogma anzunehmen.
Aufgrund der Heiligen Schrift betrachteten sie es als ei­ne von Menschen gemachte Irrlehre. Mit die­sem Urteil verhängten "Christen" die Todes­strafe über Christen. Einer davon war der damalige "christliche" Westkaiser in Trier, der Usurpator Magnus Maximus (383-388). Er war gegen Priscillian voreingenommen.
  
Leider sollte diese Vorgehensweise kein Einzelfall bleiben, denn durch das seit Kon­stantin übliche Gerichtsverfahren gegen Hä­retiker (Häretikergesetze) wurde ja nur die spätere Praxis des Mittelalters vorweggenom­men, wonach "Häretiker", die zuvor von der Kirche verurteilt worden waren (im Fall von Priscillian und seiner Anhänger war dies im Jahr 384/5 durch die
Synode von Bordeaux ge­schehen) , durch den Staat hingerichtet wur­den (Der Staat als Henker der Kirche).
 
 
Indirekt veranlasst und gefördert wurde Priscillians Ermordung durch den Einfall der Goten ins Römerreich. Die germanischen Goten waren dank der Bemühungen ihres Missions­bischofs Wulfila (griechisiert: Ulfilas, um 311-383) und seiner Missionare den Trini­tätsvorstellungen
abhold.
  
Wulfila übersetz­te die Bibel mehr als 1000 Jahre vor Luther ins Gotische: WULFILA-BIBEL. Noch auf dem Totenlager verkündete er zum letzten Mal sein Glaubensbekenntnis, das, staatskirchlich betrachtet, nicht "rechtgläubig" war.
  
Es musste wohl auch den Führern des Im­periums sehr daran gelegen sein, ihre alte Götterdreiheit - Jupiter (Vater), Juno (sei­ne Gemahlin) und Minerva (ihre Tochter) - als Schutzgottheiten Roms zu verteidigen, auch wenn sie nunmehr das Mäntelchen einer
"christlichen" Dreifaltigkeit trug. Man er­kennt hier unschwer den nikaianischen Macht­anspruch des heidnisch-römischen Kaisers Konstantin.
  
Die altrömische Götterdreiheit (Trias, Triade, Trinität, Dreifaltigkeit, Dreieinigkeit) knüpft an jene aus dem baby­lonischen Mysterienkult an, der sich um drei Menschen rankt: Nimrod(Vater), Ischtar (Mutter) und Tammuz (Sohn). Sie bildeten die "heilige" Familie von Babylon. Nachdem Ischtar zur Inkarnation des Geistes Gottes er­hoben worden war, wurde Nimrod folgerichtig zur Inkarnation des Schöpfers gemacht. Tam­muz, der Sohn des Nimrod, wurde damit zum Sohn Gottes. Nach babylonischer Glaubens­vorstellung war Tammuz jedoch der re-inkarnierte Nimrod. Folglich war Tammuz nicht nur Sohn Gottes, sondern auch der inkarnierte Schöpfer. Diese unbiblische Lehre wurde von der römisch-konstantinischen Kirche in ein "christliches" Gewand gekleidet und weiter getragen. …
  
In der ägyptischen Götterwelt kannte man diese Dreiheit in den Personen Osiris (Va­ter), Isis(Mutter) und Horus (Sohn). Der Kult der ägyptischen Göttin Isis war ein sehr weit verbreiteter Mutterkult. Ihre Ver­ehrer nannten sie „Die große Jungfrau“ und  „Gottesmutter“. Wenn Isis zusammen mit der Mondsichel dargestellt wurde, sah man in ihr vor allem „Die Himmelskönigin“. Doch gab es damals auch viele andere populäre Götter-Dreiheiten. ... Wen wundert es da noch, wenn Kirchen aufgrund der heidnisch-mythischen Herkunft des Trinitätsdogmas bis heute er­klären, es handle sich hier um ein göttli­ches Mysterium - doch welchen Gottes?
  
Die
Bibel bezeugt, dass es neben dem allein wahren Gott, den Jesus (aramäisch: Jeschu(a); hebräisch: Je(ho)schua, eigentlich: Jahschua, abgeleitet von "Jahweh ist Heil") Seinen Vater nennt, eine Vielzahl von anderen Gottheitengibt. Deshalb lautet Jahwehs erstes Gebot der Zehn Gebote, die Er dem Bundesvolk am Sinai gab:

"... ICH BIN JHWH (JAHWEH), DEIN GOTT, ...
DO SOLLST KEINE AN­DEREN GÖTTER HABEN NEBEN MIR“.
2Mo 20,1-3

Paulus bezeichnete diese Geistwesen, denen die Völker der Antike Opfergaben darbrach­ten,
als Götzen und Dämonen, mit denen man keine Gemeinschaft haben soll (1Kor 8,5-6;
10,19-22).

Das Konzil von Nikaia schuf die grundlegende Voraussetzung für die Ver­mischung der
christlichen Lehre mit Myste­rienkulten, so dass daraus EINE NEUE RELIGION entstand. Es sieht so aus, als hätte man die Götter oder Dämonen Babylons und Ägyptens nur mit neuen Namen versehen, um sie am Leben zu erhalten. Doch der in Nikaia philosophisch verfälschte
biblische Gottesbegriff
(Synkre­tismus) sollte den von solchem Heidentum ge­prägten "christlichen Neugläubigen" entgegenkommen. Aus der Himmelskönigin Isis oder Ischtar
entstand DIE GOTTESMUTTER MARIA, und aus ihrem Sohn Horus oder Tammuz (= Mithras =
Sonnengott der persischen Königsfamilie; die Römer verbreiteten seinen Kult auch in Europa!) wurde EIN TRINITARISCHER CHRISTUS . Nimrod würde so zu Gott-Vater geworden sein. Ein Mosaik aus dem frühen 4. Jhd. in einem Grab unter der Peterskirche in Rom zeigt Chris­tus als Sonnengottin einem Himmelswagen.
 
 
Der
trinitarische Ikonen-Christus der nach-konstantinischen Kirche, den jene als ihren GOTT betrachtet, ist weit entfernt von der schlichten Wahrheit über Jesus, den Messias Gottes, der
Israel schon in alter Zeit verheißen wurde. Evangelikale und freikirch­liche Christen weisen zwar oft mit aller Schärfe auf bestimmte unbiblische Dogmen und Traditionen der römischen Kirche hin, ver­teidigen aber die Trinitätslehre.
  
Liegt der Grund für ihre Verteidigung dieser Doktrin nicht ganz einfach darin, dass auch sie, was die trinitarische Lehre über den Vater, den Sohn und den heiligen Geist betrifft, unwis­send sind, und zwar deshalb, weil sie durch falsche Lehren ihrer römischen Mutterkirche über eine scheinbar biblisch begründbare "Trinität", auf die ja auch sie getauft wur­den, noch immer gebunden sind, was ihnen aber leider nicht bewusst ist? Wenn ja, dann sind auch sie in diesem Lehrpunkt auf der staatskirchlichen Galere angekettet,die sie nicht verlassen können. Das Heil in Christus soll ihnen deshalb jedoch nicht abgesprochen sein, aber – jeder Irrtum bindet und hält gefangen!

 

  1. Die Marschrichtung bleibt unbiblisch

 

Kaiser Theodosius I. (379-395) bekämpfte unter dem Einfluss des Bischof Ambrosius von
Mailand (dessen Vorgänger Auxentius war noch Arianer!) die Arianer (380: Edikt von Thessalonike, Verbot der Arianer im Osten, der Athanasianismus wird dort Staatsdoktrin) und
rief 381 zur Teilnahme am Konzil in Konstan­tinopel auf (im Osten bald „Zweites Ökumenisches
Konzil“
genannt).
Der Kaiser verlieh den Beschlüssen Gesetzeskraft. Hier wurde das Bekenntnis von Nikaia ergänzt, indem das „Homoousios“ nun auch für den Geist Gottes in Anspruch genommen wurde. Damit wurde der Geist Gottes bzw. die Kraft aus der Höhe zur dritten Person einer dreieinigen Gottheit erklärt und das Dogma über die Dreieinigkeit Gottes in seinen Grundzügen abgeschlossen. Das zentrale Bekenntnis Israels, das der Messias Jesus bestätigte (Mk 12,29; vgl. 5Mo 6,4), wurde im Sinne griechischer Phi­losophie umgedeutet! …
  
Unter Kaiser Theodosios I. wurde im Jahr 391 in Ephesosdie Römisch-Katholische Lehre (Athanasianismus = Katholizismus) zur Staatsreligion im römischen Imperium ausgerufen. Teodosius verbot 391 unter Gewaltanwendung alle heidnischen Kulte. Nun gab es Märtyrer sogar unter den Heiden! Sein Verbot kam je­doch zu spät, denn die christliche Lehre war längst schon mit heidnischen Elementen durchsetzt! Trotzdem verlieh die Kirche Theodosios I. den Beinamen "der Große".
 
 
 Kaiser Theodosius II. (408-450) berief für das Jahr 431 eine Synode nach Ephesos ein (Drittes Ökumenisches Konzil). Hier wur­de Nestorios, der Bischof von Konstantino­pel, als Häretiker verurteilt. Er lehnte für Maria, die Mutter Jesu, das unbiblische Wort „Gottesgebärerin (Theotokos)“ ab.
Für ihn ist Maria nur Christusgebärerin. Denn, so wandte er ein, wenn man behauptet, Maria sei die "Mutter Gottes", komme das der Aussage gleich, die göttliche Natur könne von einer Frau geboren werden, oder Gott könne ein Säugling von drei Tagen sein. Nestorios starb um 451 in der Verbannungin Oberägyp­ten!
  
431 wurde die Nestorianische Kirche (wie die Anhänger des Nestorios von ihren Gegnern
genannt wurden) von der "Ökumene" ausgeschlossen (viele gingen nach Persien ins Exil!), obwohl gerade sie, die Heilige Apostolische Kirche des Ostens(=  die eigene Bezeichnung!), sich auf uralte christliche Wahrheiten und Gewohnheiten wie die Verwen­dung der aramäischen Sprache (die viele Dia­lekte hat), der Sprache Jesu, berufen kann.

 
Erst im Jahr 451, und zwar auf dem Konzil von Chalkedon (heute Kadiköy, Ortsteil von Istanbul an der Ostseite des Bosporus, Tür­kei), später "Viertes Ökumenisches Konzil“genannt, kam man auf das faule Ei zurück, das der "Kirche" von Konstantin, dem Großen, in Nikaia ins Nest gelegt worden war. Das auf diesem Konzil beschlossene Bekenntnis wurde endgültig schriftlich festgelegt, und der Glaube daran wurde für alle Christen zur Pflicht gemacht. Hier einige Lehrsätze der Zweinaturenlehre über Jesus Christus: "wah­rer Gott und wahrer  Mensch", "dem Vater we­sensgleich (homoousios) nach der Gottheit”,  "uns wesensgleich nach der Menschheit", "vor aller Zeit wurde er aus dem Vater der Gottheit nach gezeugt", "aus der Jungfrau und Gottesgebärerin (theotokos) Maria der Menschheit nach geboren", "in
zwei Naturen, unvermischt, ungewandelt, ungetrennt, unge­sondert geoffenbart", "beide (Naturen) ver­einigen sich zu einer Person (prosopon) und einer Hypostase ...". Wie schon in Nikaia, Konstantinopel und Ephesos ist der Wortlaut philosophisch! Wieder war es ein römischer Kaiser, und zwar Kaiser Markian (450-457), der das philosophische Dogma kraft seiner Position durchsetzte. Bei Nicht­befolgung verfügte er, dass einfache Privat­personen
aus der Kaiserstadt ausgewiesen und Kleriker und Militärs abgesetzt werden sol­len. Dazu konnten weitere Strafen kommen.

 

  1. Das Traditionskirchentum nennt sie Ketzer
 


Trotz der brutalen Griechisierung und Romanisierung des Christentums standen immer wieder mutige Verkündiger auf, um Glaubens­wahrheiten zu verteidigen, welche trotz al­ler Widerwärtigkeiten aus der urchristlich-apostolischen Zeit erhalten geblieben waren. Doch die römische Inquisition (lateinisch: Un­tersuchung, in Wirklichkeit Aufspürung von  "Häretikern”) schlug unbarmherzig zu. Wer sich ihren Lehrsätzen (Dogmen) nicht bedin­gungslos unterwarf, wurde von den kirchli­chen Behörden angeklagt, verhört, oft grau­sam gefoltert, verurteilt und schließlich der Staatsmacht zur Hinrichtungübergeben.
  
Dies widerfuhr z.B. den WALDENSERN. Die waldensische Glaubensbewegung wurde nach Petrus Waldusoder Valdes(um 1175) benannt, er war als "der Arme von Lyon" bekannt, weil er als reicher Kaufmann seinen Besitz um des Reiches Gottes willen verschenkt hat­te (vgl. Mt 19,21). Er wurde Prediger (vgl. Kor 5,20), und eine Laienprediger-Bewegung folgte. Diese strebte durch persönliche Ent­scheidung für Christus und apostolische Ar­mut nach Gesundung des kirchlichen Lebens und der Lehre. Dabei war die Bibel alleinige Richtschnur für sie. Dementsprechend einfach war ihre Gemeindeordnung (ohne Ritual, Sakra­mentalismus, ... der
römischen Staatskirche).
  
Nachdem die Waldenser von Rom ohne Erfolg in die Schranken gewiesen worden waren, schlug sie Papst Lucius III. auf der Synode von Verona als Ketzerin den Kirchenbann (1184). Einige Gruppierungen konnten sich mit Rom versöhnen, die anderen breiteten sich über Deutschland, Böhmen, Polen, Ungarn, Unteritalien und die Schweiz aus und wurden von der Inquisition blutig verfolgt. Der Rest zog sich in wilde, südliche Alpentäler des Piemont und von Savoyen zurück, wo einige bis heute überlebt haben. In der Reformation schlossen sie sich den
Calvinisten an.
  
Die Katharer
(griechisch: Katharoi, die „Reinen“) oder - wie man sie anderswo nannte - Albigenser, eine wahrscheinlich aus dem Balkan stammende religiöse Bewegung, hatten ihre Anhänger besonders im Rheinland, in Nord- und Südfrankreich, England und Ober­italien. Auch für sie hatte die Bibel einen hohen Stellenwert. Ihre Lehre ist infolge verschiedener Spaltungen nicht klar defi­nierbar. Sie lehnten die katholische Hie­rarchie und die Sakramente der Kirche ab und gerieten daher in blutige Verfolgung (13. Jhd.) durch die römische Inquisition. Der Gebrauch der Bibel wurde ihnen verboten. Trotzdem konnten sie sich in Südfrankreich bis ins 14. Jhd. und in Italien bis zum Be­ginn des 15. Jhds halten. Sie hinterließen imposante Trutzburgen in Südwestfrankreich.
  
John
Wyclif (ca. 1320-1384) war ein füh­render englischer Vor-Reformator und Über­setzer (WYCLIF-BIBEL) der lateinischen Vul­gata. Durch zahlreiche Schriften verbreite­te er seine
Lehren. Er griff einige zentrale Dogmen der Kirche an (Transsubstantiationslehre, Zölibat, Mönchstum, kirchliche Hie­rarchie, Ohrenbeichte, ...) und lehrte neben dem Armutsideal, dass das auserwählte Volk keine Priester als Mittler brauche. Einige seiner Thesen wurden 1377 von Papst Gregor XI. verdammt. 1427/8 wurde Wyclifs Leiche wieder ausgegraben und
verbrannt. Seine Anhänger, die Lollarden ("Unkrautsäer",  ein Spottname), verbreiteten als Laienprediger seine Lehre, wurden grausam als Ketzer verfolgt und ausgerottet. Wyclifs Lehre wurde auch von Jan Hus in Böhmen aufgenommen und verbreitet.
  
Die
HUSSITEN waren Anhänger des JAN HUS (um 1369-1415). Er war tschechischer Kir­chenreformer und Vorreiter der Reformation. Hus lehrte u.a., dass weder Päpste noch Kar­dinale Dogmen, die der Bibel widersprechen, aufstellen können, und dass kein Christ sol­chen falschen Dogmen folgen dürfe. Er ta­delte Bilderverehrung, Wallfahrten, ... Er wurde 1410 vom Papst wegen seiner Reform­ideen exkommuniziert. 1414 wurde er unter Zusage kaiserlichen Geleits zum Kirchenkon­zil nach Konstanz gelockt, wo er seine The­sen rechtfertigen sollte. Trotz Geleits wur­de er verhaftet, als Ketzer verurteiltund 1415 lebendig verbrannt. Viele seiner tsche­chischen Anhänger waren leider vorwiegend politisch (nationalistisch) motiviert. Nach wechselndem Kriegsglück im Kampf gegen die katholischen Heere löste sich die Bewegung in mehrere Teile auf. Einige wurden unter dem Namen "BÖHMISCHE BRÜDER" bekannt. Diese strebten ein einfaches, urchristliches Leben an und wurden oft hart verfolgt. Viele wand­ten sich später der Reformation zu, einige fanden eine Heimat in den Besitztümern des Grafen Nikolaus Ludwig von Zinzendorf (1700 - 1760)  in der Lausitz (HERRNHÜTER BRÜDER).
  
Der
Name HUGENOTTEN (zuerst ein Spott­name, deutsch: "Hausgenossen") wurde um 1560 die allgemeine Bezeichnung der französischen Protestanten (frz. Huguenots), besonders je­ner der calvinistischen Prägung. Obwohl die Hugenotten nicht direkt der römischen In­quisition ausgesetzt waren, ist der Einfluss Roms in der Niederschlagung des französi­schen Protestantismus doch sehr groß. Unge­fähr ein Sechstel der Bevölkerung schloss sich der Reformation an und wurde ein be­deutender Machtfaktor. Die mehrfach gegen sie geführten Religionskriege (über 10), die bis ins 18. Jhd. anhielten, endeten mit der Niederlage und Vertreibung eines Großteils der Reformierten (ab 1685). Sie ließen sich, sehr zum Vorteil ihrer Aufnahmeländer, vor allem in Deutschland, in der Schweiz, den Niederlanden und in England nieder.
  
An dieser Stelle seien auch die Verfol­gungen so genannter Ketzer im Zuge der Re­formation erwähnt, zum Beispiel die Verfol­gungen der (Wieder-) Täuferin Zürich unter ULRICH ZWINGLI(1484-1531):  u.a. die Ertränkung von Felix Mantzin der Limmat (1527). JOHANNES CALVIN(1509-1564) ließ seinerseits in Genf 1553 den gelehrten spanischen Arzt MIGUEL SERVETO (um 1510-1553) bei lebendi­gem Leib verbrennen, weil er den Glauben an die Dreieinigkeit bekämpfte. Andere Häreti­ker ließ er in der Rhone ertränken. Bekannt ist auch die missgünstige Haltung Luthers zu den (Wieder-) Täufern und sein Judenhass.
 
 
Die
Liste der Namen der einzelnen Per­sönlichkeiten oder der Bewegungen, die eben genannt wurden, ist selbstverständlich bei weitem nicht vollständig. Gott aber kennt alle ihre Namen, selbst von jenen, von de­nen die Geschichte uns nichts überliefert.

 

 

  1. Die Ökumene geht weiter

 

Keinesfalls dürfen wir vergessen, dass die Führer der Reformation letztlich auch die Kinder ihrer römischen Mütterwaren. Nicht die Spaltung der Kirche war ihre Ab­sicht, sondern die Gesundung der Kirche, der sie angehörten, deren unbiblische Kulte und Dogmen sie oft erkannt und deren selbst an­gemaßtes Machtgehabe ihnen zuwider war. Leider fand letzten
Endes doch einiges von den römischen Irrlehren in der "Ketzerkirche” Eingang (Rom nennt sie diplomatisch "die verirrten Brüder"). Dies wirkt sich heute katastrophal aus, weil Rom im Begriff ist
, auf der Grundlage dieser unbiblischen Gemeinsamkeitendie ökumenischen  "Brüder" in den Schoß der Mutterkirche zurückzu­holen. … Die giftige Wurzel, die damals den unverfälschten christlichen Glauben bis zur Unkenntlichkeit entstellte, holt die gutgläubige Christenheit in ihren Bann zurück!
  
Der "Gutgläubige” darf an al­lem zweifeln, außer an den "heiligen" römi­schen Dogmen, darunter vor allem nicht an dem erwähnten Dreieinigkeitsdogma, von dem (auch unter Protestanten) behauptet wird, mit ihm stehe oder falle die Christuslehre. Doch ist und bleibt es eine Menschenlehre aus der hellenistisch-römischen Frühzeit, eine von Philosophie und mystischen Kulten durchdrungene Menschenlehre jener kirchli­chen Organisation, die sich damals bildete, ob sie heute nun katholisch, orthodox oder reformiert genannt werde, wobei die refor­mierte Kirche einen ganzen Schweif von frei­kirchlichen Schwestern hat.
 
 
Es stellt sich die Frage, auf welchem Fundament wir unseren Glauben bauen wollen, auf dem Felsen des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs, den Jesus uns als Seinen Gott und Vater offenbarte, oder auf dem Sand ei­ner römischen Mysterienreligion, die bei genauer Betrachtung mit dem Gott der Bibel, mit Jahweh, nicht mehr viel zu tun hat.
 
 
Im Verlauf ihrer Geschichte hat sich letztere als eine Religion des Hasses, der Verfolgung und eines unerhörten Machtstrebens erwie­sen. Sie hat sich im Laufe der Jahrhunderte stets auf die Seite der Mächtigen gestellt (von einigen löblichen Ausnahmen abgesehen). Ihren
antichristlichen Höhepunkt wird sie zuerst im
Zusammenschluss der „christlichen“ Welt und anschließend in der WELTÖKUMENE er­reichen. Dafür wurden schon zur Zeit Kon­stantins die Weichen gestellt.
  
Beiläufig sei auch erwähnt, dass jene Dogmenstreitereien, die kurz nach Nikaia be­gannen, die Spaltung der damaligen Staats­kirche zur Folge hatten. Und nach fortge­setzten Disputen zwischen lateinischen und griechischen Kirchenfürsten kam es
im Jahr 1054 zum endgültigen Bruch zwischen West und Ost,und zwar hauptsächlich wegen der Machtgier des Papstes(alleiniger Führungs­anspruch auch im Osten anstatt die Kirchen­leitung durch ein Konzil der fünf wichtigs­ten Bischöfe der Christenheit, wozu auch der Papst gehört hätte, anzuerkennen!),
aber auch wegen der philosophisch-theologischen Frage:
„Geht der heilige Geist ‚vom Vater‘ oder ‚vom Vater und vom Sohn‘ aus?“ Rom vertrat die zweite Version, Konstantinopel die erste. So kehrten sie einander erbittert den Rücken zu und haben einander bis heute nicht wieder gefunden - trotz etlicher Versöhnungsversu­che des Reisepapstes JOHANNES PAUL II. (1978- 2005), der sich der ÖKUMENEverpflichtete.

  

  1. Zurück zum urchristlichen Glauben!
 

 

Von Menschen gemachte Lehren werden letztlich keinen Bestand haben. Dies scheint der weitere Verlauf der Kirchengeschichte zu beweisen, denn es zeigt sich zusehends - um auf den Anfang dieser Betrachtung zurückzukommen -, dass der christliche Ober­flächenputz, mit dem die heidnischen Völker vor vielen Jahrhunderten "christlich" über­tüncht wurden, arg zerbröckelt.
  
Es kommt mehr und mehr eine lieblose Härte und sozi­ale Ungerechtigkeit (Egoismus, ...) zum Vor­schein, die die Schwachen durchs Netz fal­len lässt und dem Gläubigen in einem Wirr­warr von Verkündigungen moderner Lehrmeinungen zunehmend den Blick auf den göttli­chen Heilsplan vernebelt. Wer sich in dieser Endzeit echten christlichen Glaubenswerten verpflichtet fühlt, müsste sich ernsthaft überlegen, ob er weiterhin bereit ist, die­sen hellinistischen-heidnischen Unrat der nach-urchristlichen Kirche, gepaart mit der Esoterik unserer Tage, weiter mitzutragen. Wer sich entscheidet, sich davon zu distan­zieren, muss sich der Konsequenzen, die ein solcher Glaubensschritt mit sich bringt, bewusst sein. Sie könnten nämlich erneut Ver­folgung bedeuten. Vielleicht nicht mehr durch Blut und Feuer, wohl aber durch Verachtung, Ausgrenzung und Totschweigen. Das sind die modernen psychologischen
Spielarten der Verfolgung.
Satan versucht alles, um die Men­schen von der Wahrheit und vom Glauben an neutestamentliche Verheißungen abzuhalten. Achten wir genügend auf die Zeichen der Zeit, über welche die biblischen Propheten und Jesus in Seinen Endzeitreden
prophezeiten?
  
Gefragt ist jener Glaube, der noch wei­ter im Urchristentum vordringt als der des Arius. Denn der urchristliche Glaube ist der schlichte Glaube, den die ersten Christen im ersten Jahrhundert praktizierten. Weder Je­sus noch die Apostel hatten mit Philosophie, Mythos, Gnosis, Mysterienkulten, ... zu tun. Die Geistesleitung schenkt Wahrheit anstatt ungöttlicher Philosophie, Liebe anstatt Hass, Streit, Neid, Selbstsucht, Unbarmherzigkeit, Gleichgültigkeit, ..., gute Werke anstatt bö­ser! Zur Geistleitung gehört natürlich die Gemeinschaft mit Gott (Jahweh) und Jesus.
 
 
Diese
Leitung durch Gottes Geist (vgl. Rö 8,14; Joh 16,13; u.a.) führt nicht zum
Mosaischen (Zeremonial-)Gesetz der Juden zu­rück (vgl. Rö 7,6; Gal 2,19-21; 5,1-6.18.25;
u.a.).
  
Der Geist lässt sich in seinem Wirken weder durch die Enge alttestamentlicher, die universell gültige Moral nicht betref­fender Gesetze noch durch die Enge eines toten religiösen (sei es nun jüdischen oder kirchlichen) Formalismus einschränken oder aufhalten (vgl. Apg.15,5; 2Kor 3,6; Joh 3,8). …
  
Nicht erst Paulus, sondern schon Jesus wollte die Glau­benden von jeglicher Verengung im Denken und Handeln befreien (vgl. Joh 8,31-32). Denn Enge kann auch Sklaverei, Bindung unserer Gedanken an Altes, Untaugliches, längst Überholtes bedeuten. Enge macht uns blind für die Zukunftsorientierung, für ein Fort­schreiten vom Guten zum Besseren und schließlich zum Besten (vgl. Rö 16,19c). Enge hält uns gefangen in Unmündigkeit. Sie bewirkt Verstopfung unserer geistigen Kanä­le, die nach oben, zu Gott hin, stets offen gehalten werden sollen (vgl. Mt 13,52).
  
Kurz: Geistige Enge behindert das Freiwerden von neuen schöpferischen Kräften der Liebe, Barmherzigkeit, Weisheit, … in uns, die Gottes Geist in unserem Geist durch Seinen Einfluss (Sein Einfließen) wirken will (vgl. Joh 3,8; 16,12-13; Phil 2,13; 4,8; u.a.).
 

Urchristlicher Glaube, recht verstanden, hat viel mit Geistesleitung zu tun, ja ist Geistesleitung (vgl. Rö 8,14; 1Tim 1,5; …). Echtes Christentum ist ja keine Religion, sondern weit mehr als das, nämlich Leben aus Gott in einer lebendigen Verbindung mit Ihm durch Seinen Geist. Dieses Leben aus Gott ist durch Je­sus, den Messias, möglich (vgl. Eph 2,18; siehe auch Verse 19-22).

 

JAHWEH, der über al­lem ist, sei gepriesen in Ewigkeit! Amen.