Gerhard Malessa
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Ersatztheologie und der Ölbaum

 

SUPERSESSIONISMUS (Ersatztheologie) UND EIN SICHERES FUNDAMENT

Von DWIGHT A. PRYOR

    Die Ersatztheologie IST TIEF VERWURZELT im christlichen Denken und seiner Tradition. Es ist die Behauptung, dass Gott das jüdische Volk als sein auserwähltes Volk abgelehnt hat, weil sie „Christus abgelehnt haben“, und dass die Gemeinde der Christen (nicht-jüdischer Abstammung) Israel in Bezug auf
Gottes erlösende Absichten ersetzt. Als das „neue Israel” haben die Christen die Juden als Gottes auserwähltes Bündnisvolk abgelöst.

Diese weit verbreitete Sichtweise findet man im Neuen Testament selbst nicht. Es handelt sich um ein
Auslegungsparadigma, das die Kirchenväter mindestens seit der Zeit von Justinus dem Märtyrer und Augustinus (2. -4. Jhdt.) der Heiligen Schrift auferlegt haben. Das neue Testament äußert sich gar nicht zur Ersatztheologie, abgesehen von der hervorstechenden Ausnahme von Römer 9-11. Hier ermahnt Paulus hochmütige Heiden, die gedacht hatten, Gott hätte Israel abgelehnt.

Trotz Israels Stolpern über den Messias versichert der jüdische Apostel der römischen Welt seinen Lesern, das Gottes Bund mit dem jüdischen Volk unwiderruflich bleibt; das heißt, er ist unabhängig von Buße. Trotz der Wankelmütigkeit des jüdischen Volkes bleibt Gott seiner souveränen Erwählung und seinen Bündnisverpflichtungen gegenüber dem jüdischen Volk als Nation treu. Anderes zu behaupten würde bedeuten, seine Integrität zu untergraben und den Charakter des Gottes Israels in Frage zu stellen, der reich ist an “Chesed“ (unerschütterliche Liebe und Bündnistreue, Gnade).

Erfreulicherweise vertraten im Laufe der Jahrhunderte nicht alle Christen eine „ersatztheologische“ Weltanschauung. Für sie bezieht sich “Israel“ im Neuen Testament auf das jüdische Volk als Nation, und nicht auf die Gemeinde als das „neue Israel“. Im Gegensatz zur Tradition der Kirchenväter ist Israel mehr als nur eine Vorbereitung für das Evangelium oder eine Vorschau auf die Gemeinde.

Eine nicht-ersatztheologische Sicht nimmt die Schriftstellen ernst, die von Gottes Liebe zu den Nachkommen Abrahams handeln, von seiner souveränen und bedingungslosen Erwählung ganz Israels, von seinem unwiderruflichen Bündnis mit den Juden als ein Volk, und von den dazugehörigen Verheißungen für sie als Nation, welche er bis in die Endzeit hinein erfüllen wird.

In dieser Hinsicht steht noch ein Segen aus für alle Nationen, durch ein geistlich erneuertes nationales
Israel, den Augapfel des Herrn. Solch ein “pro-zionistischer” Standpunkt erfordert übrigens kein dispensationelles Lesen der Schrift, worüber einige Antizionisten mit Vergnügen spotten. (Tatsächlich geht die Geschichte des “christlichen Zionismus” der Entwicklung des Dispensationalismus im 19.Jhd. deutlich voraus. Übersetzter: Erklärung Dispensationalismus: Bibelauslegung, die verschiedene Zeitalter in der bibl. Heilsgeschichte unterscheidet und bei der Auslegung berücksichtigt.)

Auch setzt eine prophetisch orientierte Bibelauslegung (sehr beliebt in den letzten Generationen) nicht ohne weiteres voraus, an der Seite Israels zu stehen. Vielmehr gibt es eine solidere Basis, ein festeres Fundament auf dem man stehen kann. Die Schrift bezeugt Gottes unabänderliche und unwiderstehliche
Liebe für das jüdische Volk. Trotz seines (auf geheimnisvolle Weise vorherbestimmten) Widerstandes gegen das Evangelium, bleibt Israel geliebt um der Väter willen (Römer 11,28). Genauer gesagt ist die Bündnistreue der Väter –  Abraham, Isaak and Jakob – die Wurzel, in welche die Gläubigen aus den Heiden, als „Spross der Gerechtigkeit“ (Jeremiah 33,15) eingepfropft sind, und das geistliche Erbe Israels ist die „Fettigkeit des Ölbaumes“, welcher uns nähren soll (Römer 11,17).

Das jüdische Volk ist daher weder aufgrund seiner voraussichtlichen Stellung in irgendeinem zukünftigen biblischen Szenario wichtig für Christen, noch als eine prophetische Uhr für die Endzeit. Die unumstößliche Wahrheit bleibt diese: sie sind wichtig aufgrund ihres Platzes im Herzen des Vaters.

Was sollen wir nun sagen? Wenn Gott für Israel ist, sollen wir gegen es sein? Angesichts der große Liebe und grenzenlosen Barmherzigkeit des Allmächtigen, die jeden Morgen neu ist, sollte es für Christen das Mindeste sein, an der Seite des jüdischen Volkes zu stehen und für es zu beten.

Dieses Gebet mag manchmal schmerzlich sein, wie es auch für den Apostel Paulus war. Aber unser Herzensanliegen sollte, wie seines, aus einer tiefen Zuneigung und einer kompromisslosen Bejahung des unwiderruflichen Bündnisses mit Israel entspringen, und sowohl die Verheißungen, als auch das Land und Israels Identität als Volk mit einbeziehen.

Es geht nicht darum, Juden zu idealisieren oder den modernen Staat Israel von biblischen Normen des Rechts und der Gerechtigkeit auszunehmen. Es geht auch nicht darum, den Platz eines bestimmten Individuums in der kommenden Welt zu prüfen, ob Jude oder Nicht-Jude. Es geht vielmehr darum, uns als Nachfolger Jesu von Nazareth daran zu erinnern, dass wir fortwährende Schuldner Israels sind – für unseren Messias, unsere Schrift, und sogar für unseren Gott!

In dieser Hinsicht stellt sich EINE WICHTIGE FRAGE, die es zu klären gilt. Wie können wir als “pro-zionistische” Christen die Ausschließlichkeit des ewigen Bundes Gottes mit dem jüdischen Volk mit der Universalität des Neuen Bundes in Christus Jesus zusammenführen?

Kritiker des christlichen Zionismus halten dies für unmöglich. Sie behaupten, das universale Evangelium des Königreiches, das Jesus verkündete, erfüllt in sich alle spezifischen Verheißungen des ersten Bundes mit Israel, und löst sie damit ab – genau wie der “Neue” Bund den “Alten” (mosaischen) Bund ablöst.
Darüber hinaus argumentieren sie, dass Gott nicht länger ein gesteigertes Interesse habe am “Blut und Boden” des jüdischen Volkes oder am Land der Erzväter Israels. Diese veralteten spezifischen Belange sind jetzt geschluckt worden von der allumfassenden Gültigkeit des „Blutes Christi” und der
Wiederherstellung des Kosmos.

Andererseits denken diejenigen von uns, die diese Argumentation ablehnen, und den ewigen und beständigen Bund des Allmächtigen mit dem vereinigten Israel bejahen, selten über die Spannung zwischen dieser Sicht und der universalen Bedeutung des erlösenden Werkes Gottes durch Jesus, den Messias, nach. Wir bekräftigen einfach beide Wahrheiten, wenn auch als unabhängige theologische
Maxime. Eine genauere Betrachtung kann jedoch zur Auflösung dieser scheinbaren Spannung führen.

Tatsächlich ist eine theologische Übereinstimmung möglich, welche diese zwei großartigen Wahrheiten als untrennbar, voneinander abhängig und sich gegenseitig erleuchtend verbindet. Dies wurde schon aufgezeigt z.B. in der bahnbrechenden Arbeit von R. Kendall Soulen, The God of Israel and Christian
Theology (Fortress, 1996).

Auf der einen Seite können wir nicht verstehen, wer Jesus wirklich ist, ohne Gottes bleibende Bündnisbeziehung zum jüdischen Volk und die fortdauernde Gültigkeit der hebräischen Schriften zu berücksichtigen. Schließlich war es der Gott Abrahams, der „in Christus war und die Welt mit sich selbst versöhnte“ (2 Kor 5,19). Und die Identität und Mission Jesu sind beide durch die Tora, die Propheten und die Psalmen definiert und vorhergesagt worden (Lk 24,44). Er war die fleischgewordene Tora, das lebendige Wort im Fleisch.

Auf der anderen Seite ist die unerschütterliche Liebe und ewige Treue, der sich der Allmächtige Abraham und seinen jüdischen Nachkommen gegenüber verpflichtet hat, das eigentliche Fundament unserer christlichen Zuversicht auf Gottes Charakter und die Vertrauenswürdigkeit seiner Verheißungen. Die unermessliche Liebe Gottes, die wir in Christus Jesus erfahren haben, ist so gnädig, unverdient und überwältigend, dass es unvorstellbar ist, dass der Gott Israels diejenigen verlassen könnte, die in seine Hände eingezeichnet und ihm in Ewigkeit in „Chesed“ verlobt sind. Daher geht es hier nicht um zwei einander ausschließende Zusagen, denn die scheinbar konkurrierenden Wahrheiten über Gottes universale Erlösung durch Christus Jesus und seine fortwährende Bündnistreue speziell mit dem jüdischen Volk bekräftigen sich in Wirklichkeit gegenseitig. Beide, die universale und spezifische Wahrheit, müssen bejaht werden. Zusammen bilden sie eine dynamische und unteilbare Einheit für jede Person, die Jesus Herr nennt.

Wir können die Sache folgendermaßen zusammenfassen: Alles, was der Gott Israels durch den Messias vollbringt, gründet sich auf seinen ewigen Bund mit Abraham und dem jüdischen Volk und bekräftigt diesen Bund, anstatt ihn aufzulösen. Die Enthüllung (Apokalypse) des ewigen fleischgewordenen Wortes Gottes in Jesus von Nazareth in der Endzeit sichert und verstärkt die spezifischen Verheißungen Gottes
und sein ewiges Wort an sein Bündnisvolk Israel.

Wie den Apostel Paulus kann uns diese tiefgründige Offenbarung nur in das ehrfürchtige Lob Gottes führen: O Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unerforschlich sind seine Gerichte und unausforschlich seine Wege! (Römer 11,33)

Leider zeigt uns die Kirchengeschichte, dass wenn der universale Christus von der jüdischen Matrix seiner fleischgewordenen Existenz und von der geschichtlichen Sonderstellung des unwiderruflichen Bündnisses Gottes mit der jüdischen Nation getrennt wird, als Ergebnisse die Ersatztheologie, eine feindliche Einstellung zum Judentum, ja sogar Antisemitismus gegen Juden folgen. Sicherlich ist jetzt die Zeit gekommen, diese Geschichte des Verachtens hinter uns zu lassen und demütig und dankbar das unauflösbare Band anzuerkennen, das uns Christen mit dem jüdischen Volk verbindet. So zu handeln
bedeutet, auf dem sicheren Fundament der Liebe Gottes zu stehen.

COPYRIGHT 2007. ALL RECHTE VORBEHALTEN.
DWIGHT A. PRYOR
Dr. Pryor ist der Gründer des „Center for Judaic-Christian Studies“ (jcstudies.com) und lebt mit
seiner Frau, Keren Hannah, in Dayton, Ohio and Jerusalem, Israel.

http://isreality.de/warum-israel/supersessionismus.html

 


Ersatztheologie

 

 

Von Jonathan Bernis “Jewish Voice Today” (Jüdische Stimme Heute)

 

Der messianisch-jüdische Gründer und Präsident des weltweiten Missionsdienstes
„Jewish Voice Today”, Jonathan Bernis, sprach vor Pastoren in den USA zum Thema
„Ersatztheologie“ und zeigte eine Aufnahme dieser Kurzpredigt in einem seiner
wöchentlichen, weltweit empfangbaren TV-Programme “Jewish Voice Today” am
11.01.2006. Zur Einführung der  Predigtwiedergabe sagte er Folgendes:
 

 

In Prediger (1:9) lesen wir:“…. und es gibt gar nichts Neues unter der Sonne.“
Oh Mann, ist das nicht die Wahrheit?! Wir werden heute über eine falsche Doktrin sprechen, die es seit Beginn der Kirchengeschichte gibt. Eine Lehre, die nicht nur dem jüdischen Volk Schaden zugefügt hat. Sie hat das Wachstum der weltweiten Gemeinde seit Jahrhunderten behindert. Diese Lehre heißt Ersatztheologie. Traurigerweise bekommt diese Lehre heutzutage wieder Schwung. Diese unbiblische Lehre besagt im Grunde, dass Gott das jüdische Volk verlassen hat wegen der Ablehnung Christi als Messias, und er hat es durch die Gemeinde ersetzt. In diesem Sinne gibt sie den Juden die Schuld für Jesu Tod. Es ist die eigentliche Wurzel für 2.000 Jahre Geschichte von Antisemitismus, Hass und Verfolgung gegen das jüdische Volk.

Es ist deshalb kein Wunder, dass, wenn eine jüdische Person den Namen Jesus hört, sie in eine andere Richtung rennt und nichts damit zu tun haben möchte.

 

Bei einer „Promise-Keeper“ („Versprechen-Halter“ Organisation) Veranstaltung hatte ich die Gelegenheit, zu 16.000 Pastoren zu sprechen zu diesem zeitgemäßen
Thema..

 

Im Römerbrief, in den Kapiteln 9, 10 und 11 spricht der Apostel Paulus ganz spezifisch zum Thema „Wiederherstellung“ des jüdischen Volkes. Es ist interessant, dass er dies einer heidnischen Zuhörerschaft mitteilt und ihnen erklärt, dass Gott noch nicht mit dem jüdischen Volk abgeschlossen hat. Er beginnt in Vers 1 von
Kapitel 11 mit der betonten Frage:
„hat Gott etwa sein Volk verstoßen“ ? (11:1-5) und er antwortet mit „Das ist ausgeschlossen“! Er benutzt sich dann selbst als ein Beispiel: „Ich selbst bin ein Israelit aus der Nachkommenschaft Abrahams aus dem Stamm Benjamin“, und ein zweites Mal sagt er: „Gott hat sein Volk Israel nicht verstoßen.“  Mit anderen Worten, Gott konnte sein Volk nicht verstoßen haben, denn ich bin ein Jude, und ich stehe hier, der ich den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs und meinen Messias kenne; Gott konnte das jüdische Volk nicht abgelehnt haben.

Und dann fährt er fort und spricht über die Zeit des Elias.
Oder wisst ihr nicht, was die Schrift bei Elia sagt? Wie er vor Gott auftritt gegen Israel: »Herr, sie haben deine Propheten getötet, deine Altäre niedergerissen, und ich allein bin übriggeblieben, und sie trachten nach meinem Leben.« Aber was sagt ihm die göttliche Antwort? »Ich habe mir siebentausend Mann übrigbleiben lassen, die vor Baal das Knie nicht gebeugt haben.“ 

 

Anders ausgedrückt: Elia dachte und sagte zu Gott, ich bin der einzige, der übriggeblieben ist. Aber Gott sprach: Nein, du kannst sie nicht sehen, du bist nicht der Letzte; da sind noch 7.000 weitere. Und dann in Vers 5 heißt es: „So ist nun auch in der jetzigen Zeit ein Überrest nach Auswahl der Gnade entstanden“. 

 

Er spricht hier von Juden, deren Augen geöffnet sind, die den Messias erkannt
haben; dann sagt er: „ich bin der Beweis, dass Gott sein Volk nicht verstoßen hat, nicht nur ich bin ein Zeugnis dafür, sondern es gibt noch Tausende mehr, ein Überrest, dem Gott seinen Sohn offenbart hat. Gott hat das jüdische Volk nicht verstoßen, aber er stellt es wieder in einer sehr tiefen Weise her. 
 

 

Nun, als messianische Juden sind wir mit vielen Herausforderungen und Mühen
konfrontiert. Wir werden oft von unseren eigenen Leuten und Familien missverstanden und abgelehnt und ebenfalls von unseren christlichen Geschwistern.

 

Es gibt viele Christen, die die Rolle des jüdischen Volkes als das „Volk von damals“ verstehen, das altertümliche Volk, das im Rahmen des alten Testamentes für den Messias vorbereitete.

 

Wiederum andere Christen sehen das jüdische Volk als das Volk der Zukunft, das Volk mit dem sich Gott zum Schluss befassen wird, wenn Die Gemeinde verschwunden ist.
Aber unsere Herausforderung für Sie heute Abend ist, dass Gott mit dem jüdischen
Volk sich
heute befasst. Messianisches Judentum geschieht heute! Juden kommen zum Glauben - heute! Und Gott ruft uns (gemeint sind die Heidenchristen) auf, daran teilzunehmen.  

 

Es ist interessant zu bemerken, dass im Apostelkonzil, im Jerusalem-Konzil, in
Apostelgeschichte 15, es ein Dringlichkeits-Treffen all dieser Leiter gab – alles Juden, die an Jeschua glaubten – um zu diskutieren, wie mit Heiden umzugehen sei, die zum Glauben an den jüdischen Messias gekommen waren. Die Frage war „was sollen wir mit denen tun ?

 

Zwingen wir sie, "wie Juden zu leben ?“ Und natürlich die Entscheidung: „Sie brauchen nicht Juden zu werden, um den jüdischen Messias zu umarmen“.  

 

Nun, heute ist genau das Gegenteil der Fall! Menschen, christliche Leiter treffen
sich und fragen: „Was machen wir mit all den Juden? Sie werden gläubig;
erlauben wir ihnen als Juden zu leben ?“ Wie die Zeiten sich geändert haben!
Freunde, der Herr möchte, dass wir zu Partnern werden und Seinen Plan und Ziel
für Israel und das jüdische Volk mittragen.
 

 

Wie auch ich, so möchten Sie - dessen bin ich sicher - dass Jesus zu dieser Erde
zurückkehrt, und ich möchte Ihnen heute Abend nahe bringen, dass Israel und das
jüdische Volk eine zentrale Rolle spielen, was die Wiederkunft Jesu, des Messias, betrifft. 
 

 

Wofür bitten wir heute Abend ? Während wir Ihnen diese Bürde mitteilen, worum fragen wir heute Abend ? (Er hält eine rote Rose hoch, buchstabiert: R – O – S – E) 

 

R für (engl. Replacement theology) Ersatztheologie ersetzt uns nicht, umarmt uns! (engl. don’t replace us, embrace us!)

 

Prüfen Sie Ihre eigenen Herzen heute Abend! Überprüfen Sie Ihre Theologie heute Abend! Was lehren Sie Ihre Schäfchen bezüglich Israel und des jüdischen Volkes?
Wenn Sie irgendeine Form von Ersatztheologie gelehrt haben, bitte denken Sie
darüber nach und stehen Sie einer Änderung offen gegenüber!
Rose: ersetzt uns nicht, umarmt uns! 

 

O für (engl. Outreach)  Evangelisation

bringen Sie das Evangelium zu dem jüdische Volk.

Es ist eine Verpflichtung, das Evangelium den Juden zuerst zu bringen. Ich glaube, dies ist ein fehlendes Glied in „Welt-Missiologie“. Es ist üblicherweise bei Mission heute so, das Evangelium der Welt zu bringen, aber es ist auch „das Evangelium den Juden zuerst !“ Wir wollen Sie darum anflehen, die jüdische Bevölkerung zuerst zu erreichen, aber in Liebe - und Ihre Gemeindeglieder zu belehren, das Gleiche zu
tun!

 

Aber Sie sollen auch verstehen, dass ein Jude nicht zuerst zu einer anderen Religion konvertieren muss, ein Jude braucht nicht zum Christentum zu konvertieren! Sie müssen ihren versprochenen Messias finden, den Messias Israels und ihn umarmen ! Evangelisation ! 

 

S für Solidarität

 

Wir bitten Sie heute Abend um Ihre Solidarität! Erlauben Sie uns, unter Ihnen zu
wohnen! …mit Ihnen Gottesdienste und Anbetung zu feiern … unter Ihnen zu
arbeiten als Juden … und bei Ihnen empfangen und akzeptiert zu werden. Verstehen Sie, Freunde, dies ist unsere Berufung. Dies ist unsere Identität, es geht
nicht um das Gesetz! Es geht um Berufung. Und die Schrift gibt uns die Freiheit dies zu tun, und wir bitten Sie um Akzeptanz. Umarmen Sie messianisch-jüdische Leiter, die in Ihrer Stadt dienen.    -   Solidarität. -  Und schließlich:
 

 

E für (engl. Education) Bildung

 

Entdecken Sie und lehren Sie Ihre Gemeindeglieder die jüdischen Wurzeln des Glaubens! Ziehen Sie in Betracht, einen messianisch-jüdischen Leiter in Ihre Gemeinde einzuladen, um dort darüber zu sprechen, was Gott unter dem jüdische Volk tut.  

 

Eine ROSE ! (hält sie hoch) Darum bitten wir heute Abend.  

 

Ich möchte mit folgenden Worten schließen:
In Römer, Kapitel 9, erzählt Paulus uns etwas absolut Erstaunliches, etwas, das schwer zu glauben ist. Er sagt seiner Audienz aus den Völkern, dass er willens wäre, seine eigene Errettung hinzugeben, nicht sein irdisches Leben, sondern sein ewiges Leben - für die Errettung seiner jüdischen Brüder. Es ist erstaunlich, und er sagt, er möchte, dass der Heilige Geist sein Zeuge ist. Er sagt, dass er bereit sei, seine Erlösung aufzugeben für die Errettung seiner Volksgenossen – dem Fleische nach.
Für mich ist dies erstaunlich, da Paulus der Apostel für die Heidenvölker ist, und dennoch trägt er diese Last für sein eigenes Volk. Es ist weiterhin erstaunlich für mich, weil dieser Mann die Qualen der Hölle und die Reichtümer des Himmels verstand, und dennoch war er willig zu erklären, „ich werde meine Errettung opfern für die Errettung meines eigenen Volkes“. Und schließlich, was so erstaunlich über diese Aussage ist, dieser Mann wurde von seinem eigenen Volk abgelehnt, wurde geschlagen von seinem eigenen Volk, gesteinigt und als tot zurückgelassen von seinem eigenen Volk, ausgeschlossen, und dennoch war er willig, sein eigenes Leben hinzugeben für die Errettung seiner jüdischen Brüder. Wie ist dies möglich?

Meine Freunde, nur aufgrund einer göttlichen Bürde. Ich glaube, dies ist nicht nur das Herz des Paulus, sondern das Herz Gottes für die verlorenen Schafe aus dem Hause Israel. Warum teilt Paulus dies einer Zuhörerschaft aus den Völkern mit? Ich glaube, da gibt es nur eine Schlussfolgerung: 
 

Weil er möchte, dass seine Glaubensbrüder aus den Heiden dieselbe Last tragen,
dieselbe Liebe, dasselbe Engagement, das jüdische Volk nach Hause zu rufen, die
jüdischen Menschen zurückzurufen, sie zu lieben und für sie zu opfern; und um
am Herzenswunsch Gottes mitzutragen, dass die Juden zurückkommen, damit wir die Erfüllung von Epheser 2 sehen können:

Juden und Heiden, die Gott gemeinsam anbeten, eins in Messias. 

 

Ich dränge Sie, Ihre Herzen zu öffnen und das jüdische Volk zurückzurufen. Gott
segne Sie !
  

 

Copyright © 2012 Kol Hesed e.V.

 

 

 

Wie kann man den Code von Römer 11 knacken? oder

Die Ersatztheologie und wir

 

In den allermeisten Bibelschulen und theologischen Seminaren in Deutschland befindet sich Römer 9-11 nicht auf dem Lehrplan. Wie ist das in Ihrem Land? Diese Tatsache erinnert an Praktiken der Juden, die bei der jährlichen Torah-Lesung seit Jahrhunderten den Psalm 53 weglassen. Sie kennen den Psalm 53 nicht.

Es ist doch mehr als auffällig, dass Juden diese Schlüsselstelle niemals lesen und in vielen Kirchen Römer 9 – 11 ebenfalls nicht gelehrt wird. Der Grund dafür liegt darin, dass der Jesaja 53, ein messianischer Psalm, nicht in das Konzept der Juden passt – genauso wenig wie Römer 9 – 11 in das Konzept der
meisten Gemeinden passt, die Ersatztheologie lehren. Dennoch steht sowohl der Jesaja 53 als auch Römer 9- 11 in der Bibel.

Hat Gott sein Volk verstoßen?

Obwohl viele Juden (nicht alle) den Messias abgelehnt haben, versichert Paulus den Römern, dass Gottes Auserwählung unwiderruflich ist “Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er vorher erkannt hat" (Römer 11,2). Sonst wäre auch Paulus verstoßen gewesen: “Denn auch ich (Paulus) bin ein Israelit aus der Nachkommenschaft Abrahams, vom Stamm Benjamin” (Römer 11,1). Paulus bestätigt dies in Römer 11,29 nochmals: ” Denn die Gnadengaben und die Berufung Gottes sind unbereubar”. Doch die Kirche hat die Warnung Paulus, sich nicht über die Wurzeln zu erheben “sei nicht stolz, sondern fürchte
dich! ” (Römer 11,20) nicht beachtet.

Paulus führt ganz klar aus “Wenn aber nun einige (Juden, nicht alle!), von den Zweigen ausgebrochen wurden und du (wir Heidenchristen), der du ein Wilder Ölzweig warst, in den Ölbaum (ein Bild für Israel)
eingepfropft worden bist und teil bekommen hast an der Wurzel und dem Saft des Ölbaums, so rühme dich nicht gegenüber den Zweigen.” (Römer 11,17 u. 18).

 

Im Gegenteil: Nicht Gott, sondern die Christen haben die Juden verstoßen.

Ersatztheologie ist tief verwurzelt im christlichen Denken und in der christlichen Tradition. Dahinter steht die Idee: Weil die Juden Christus abgelehnt haben, hat auch Gott sie als sein auserwähltes Volk verworfen und seitdem gebraucht er die Kirche statt Israel um sein Erlösungswerk auf der Erde zu vollenden. An die Stelle der Juden als auserwähltes Volk des Bundes tritt die Kirche als das “Neue Israel”. (Genau davor hat Paulus gewarnt!!!)

Diese weit verbreitete Meinung ist jedoch nicht im Neuen Testament zu finden. Es ist eine Lehre, die auf das Konzil von Nicäa zurückgeht. Im Jahr 325 n. Chr. fand das erste ökumenische Konzil der
christlichen Kirche in Kleinasien statt. Dieses Konzil von Nicäa wurde von dem römischen Kaiser Konstantin I einberufen – zwölf Jahre nachdem er im Römischen Reich den Staat mit der Kirche vereinigte. Er identifizierte den christlichen Gott mit seinem Sonnengott. Das Konzil legte weiterhin fest, dass das Osterfest am Sonntag nach dem jüdischen Passahfest gefeiert werden sollte. Es wurde
festgelegt, "nicht mehr den Gewohnheiten der Juden zu folgen, die verdorbenen Schufte! – ihre Hände befleckt haben mit einem ruchlosen Verbrechen…. Es ist daher passend, wenn wir die Praktiken dieses Volkes zurückweisen und in aller Zukunft das Begehen dieses Festes auf eine legitimere Art feiern. Lasst uns also nichts gemeinsam haben mit diesem äußerst feindlichen Pöbel der Juden.”
(Eusebius, De vita Constantini, III 18f., zit. in Jörg Ulrich, Euseb von Caesarea und die Juden, Berlin/New York 1999, S. 239).

Dies war die Zeit, in der das zentrale Ereignis der Geschichte, die Entstehung des christlichen
Glaubens, aus seinem jüdischen Kontext herausgerissen wurde.

Es gibt Christen, die sagen: "Die Juden haben Mose und die Propheten, lass sie auf diese hören!” Doch wie können die Juden erfahren, dass sich die messianische Prophetie erfüllt hat, wenn sie nicht im Neuen Testament lesen. Andere sagen, "lasst sie in Ruhe! Sie sind Gottes Volk und nun wieder in ihrem Land!” Das genügt nicht, dass die Juden wieder in ihrem Land sind. Das ist der erste Schritt. Der zweite Schritt ist, dass sie ihn eine persönliche Beziehung zu Gott kommen müssen.

Es hat immer einen Überrest von Juden gegeben, die im vollen Vertrauen und willigem Gehorsam mit Gott wandelten.

Gott hat durch die Generationen weiter mit diesem Überrest Geschichte geschrieben. Bis auf den heutigen Tag. Beispiele: Noah – in der Zeit der Sintflut (1. Mose 7,23) Die Söhne Levis – als Israel um das goldene Kalb tanzte (2. Mose 32,26) Josua und Kaleb – als alle anderen nicht glaubten (4. Mose 14,30) Siebentausend Menschen – als die Menge ihre Knie vor Baal beugte (1.Könige 19,14-18) Daniel und seine Freunde – als die anderen dem gottlosen König gehorchten (Daniel 3,12; 6,12.13) und vor zweitausend Jahren bestand dieser Überrest aus Yeshua (Jesus) und seinen Nachfolgern.

Paulus und die anderen Apostel versuchten einfach, ihre Sicht von Yeshua als Messias zur normativen Sicht für die gesamte jüdische Gemeinschaft zu machen. Es ging ihnen nicht darum, sich von der
jüdischen Gemeinschaft zu lösen und eine völlig neue Religion zu gründen. Die Vorstellung, Paulus habe eine neue Religion gegründet, ist etwa so absurd wie die Vorstellung, Yeshua sei gekommen, um eine neue Religion zu gründen. Erst in der dritten Generation nach dem Apostel Paulus begann das “Christentum” Gestalt anzunehmen, das letztlich zur “Christenheit” wurde.

In der Gemeinde von Antiochia – und vielen, wenn auch nicht allen heidenchristlichen Gemeinden der ersten Zeit – war es eine Selbstverständlichkeit, die jüdischen Feste und den Sabbat zu feiern. Es gab in der Urkirche keine Bestrebungen, sich von diesen historischen und biblischen Praktiken zu lösen, denn
die ersten Gläubigen blieben einfach Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft.
Es ist sehr interessant, dass Paulus den Heidenchristen in 1. Kor. 5, 7-8 die Feier des Passafestes empfiehlt, wenn nicht sogar anmahnt: “Auch wir haben ein Passalamm, das ist Christus, der geopfert ist. Darum lasst uns das Fest feiern … im ungesäuerten Teig der Lauterkeit und Wahrheit.” Er spricht spezifisch vom Fest der Ungesäuerten Brote, zu dem das Passafest gehört.

Die Kirche behielt dieses Fest also bei. Ich glaube, es gibt keinen Zweifel daran, dass das Passafest zur Zeit des Paulus und bis ins frühe 2. Jahrhundert hinein gefeiert wurde. Erst als die Kirche im Westen, im
lateinischen Sprachraum Einfluss gewann, begann sie, darauf Wert zu legen, weniger mit den Juden zu tun zu haben. Der Konflikt wurde immer größer, bis die westliche Kirche jegliche Verbindung mit dem jüdischen Volk loswerden wollte. Deshalb gab es Bestrebungen, die Daten für die Feier von Jesu Tod, Begräbnis und Auferstehung so zu ändern, dass sie nicht mit dem jüdischen Festkalender
übereinstimmten.

Wir müssen zurückgehen und eine neue Wertschätzung der Bibel Jesu und der Apostel finden, denn sie ist das Fundament unseres Glaubens. Wir müssen ein für allemal begreifen, dass der Glaube Yeshua und der Apostel ein hebräischer Glaube war, fest verwurzelt in der hebräischen Schrift. Dann müssen
wir beginnen zu klären, was von unserem christlichen Tun und Glauben im Buch begründet ist. Was es nicht ist, müssen wir dann neu bedenken, neu bewerten und reformieren. Und wir müssen durch Wiederherstellen reformieren. Wir müssen zurückgehen zum Buch – eine echte Zurück-zur-Bibel-Bewegung, wenn man so will -, darin lesen, was dort steht, und es so deuten, wie es dort steht. Nur dann
können wir entdecken, was von unserem Tun nicht in ihr begründet ist, und es entsprechend ändern. Wir werden mit Sicherheit feststellen, dass jeder authentische Ausdruck christlichen Glaubens eine jüdische Wurzel hat.

Die Geschichte der Christenheit bringt den traurigen Beweis, wenn man Yeshua (Jesus) von seinen jüdischen Wurzeln trennt, wenn man ihn loslöst vom historischen Eingebettetsein in Gottes unwiderruflichem Bund mit dem Volk der Juden, wird das Ergebnis eine Ersatztheologie, eine feindselige
Einstellung zum Judentum und sogar Antisemitismus gegen die Juden sein. So haben Luthers Schriften gegen die Juden die Grundlage für den Holocaust gelegt. Hätte Yeshua zu Hitlers Zeiten in Deutschland gelebt, wäre er mit seinen jüdischen Brüdern und Schwestern in den KZs gelandet! Wenn die Kirche sich
nicht von ihren jüdischen Wurzeln abgeschnitten hätte, hätte das niemals so passieren können.

“So höre nun, mein Knecht Jakob, und Israel, den ich erwählt habe!  So spricht der HERR, der dich gemacht und bereitet hat und der dir beisteht von Mutterleibe an: Fürchte dich nicht, mein Knecht Jakob,
und du, Jeschurun, den ich erwählt habe! Denn ich will Wasser gießen auf das Durstige und Ströme auf das Dürre: ich will meinen Geist auf deine Kinder gießen und meinen Segen auf deine Nachkommen, dass sie wachsen sollen wie Gras zwischen Wassern, wie die Weiden an den Wasserbächen.

Dieser wird sagen “Ich bin des Herrn”, und jener wird genannt werden mit dem Namen “Jakob”. Und wieder ein anderer wird in seine Hand schreiben “Dem Herrn eigen” und wird mit dem Namen
“Israel” genannt werden.
(Jesaja 43,44)

http://erezjisrael.wordpress.com/2010/03/31/wie-kann-man-den-code-von-romer-11-knacken-oder-die-ersatztheologie-und-wir/

 

Ersatztheologie der Kirche

 

Von Daniel Seidenberg

 

Die Juden waren schon immer ein Problem für die Kirche, welche sich ja als das „wahre Israel“ verstand. Denn deren „Ersatztheologie

behauptete, Israel sei verworfen worden, weil es „Gott ermordet“

habe und auch den Auferstandenen ablehnte. An den Verheißungen hätten die Juden darum keinen Anteil mehr und im Heilsplan spielten sie keine Rolle mehr.

Stattdessen habe Gott die Kirche als „Neues Israel“ erwählt. Doch das „alte Israel“ ging nicht unter, wodurch diese kirchliche Irrlehre für jeden sichtbar widerlegt wurde. Gott habe sie nur noch als abschreckendes Beispiel erhalten, lautete die Antwort der Theologen auf diesen Widerspruch.

Da die Schrift jedoch eine solche Ungeheuerlichkeit nicht stützt, lieferte die Kirche selber die fehlenden Beweise, wie Polizisten, welche bei einer Hausdurchsuchung Drogen finden – welche sie

selber mitgebracht haben.

So betrieb die Kirche eine religiöse Apartheitspolitik, um die Juden in eine elende Lage zu versetzen. Die meisten Berufe wurden ihnen

verboten, zu ganzen Bezirken war ihnen der Zutritt verwehrt, sie mussten sich durch eine spezielle Kleidung kenntlich machen usw.
So konnte man hernach sagen: “So ergeht es denen, welche Gott verworfen hat”.

 

Auch Luther, der anfänglich noch um die Juden warb, wandte sich beleidigt von ihnen ab, weil sie sich selbst von seinem “reformierten

Evangelium” nicht überzeugen ließen. Er übernahm in der Folge die Ersatztheologie und wurde ein glühender Antisemit, der viele flammende Hetzschriften gegen die Juden verfasste. Luther wurde so zum Wegbereiter des Holocausts. Die Nazis zitierten ihn genüsslich und – die Kirchen widersprachen ihnen nicht. Nur wenige einzelne (!) Christen erhoben in Deutschland ihre Stimme gegen diese satanischen Lügen.

 

Die Ermordung von 6 Millionen Juden hat zwar nun die klassische Ersatztheologie in Verruf gebracht, trotzdem ist sie 60 Jahre danach immer noch eine tragende Säule christlicher Theologie. Der Grundgedanke ist geblieben, nur dass er inzwischen subtiler und nicht mehr so einheitlich begründet wird.

 

Eine besonders feinsinnige Spielart ist der Dispensationalismus, der

vor allem in Freikirchen sehr stark Eingang gefunden hat.

 

Dispensationalismus

 

Seit dem 18. Jh entwickelten Theologen verschiedene Theorien, die unter dem Namen Dispensationalismus bekannt wurden. Der Begriff leitet sich her von dem in Epheser 3:2 verwendeten griechischen

Wort oikonomia = lateinisch dispensatio = deutsch Haus-Gesetz / Hausverwaltung.

… wenn ihr nämlich von der Verwaltung (oikonomia)

der Gnade Gottes gehört habt, die mir

für euch gegeben worden ist.

 

Damit habe der Apostel Schaul / Paulus die damals aktuelle „Heilszeit der Gnade“ gemeint. Das Wort oikonomia, dient somit als Begriff für verschiedene, klar erkennbar voneinander abgegrenzte Zeitabschnitte in Gottes Heilsplan (Dispensationen), in denen jeweils

eine ganz andere Ordnung gelte. Diese seien klar voneinander zu trennen.

 

So rät Schaul gemäß der wörtlichen Auffassung des Konkordanten NT in 2.Timotheus 2:15:

 

Befleißige dich, dich selbst Gott bewährt darzustellen, als unbeschämter

Arbeiter, der das Wort der Wahrheit richtig schneidet.

 

Damit, meinen sie, habe Schaul seinen Schüler angewiesen die Heilszeiten zu unterscheiden (schneiden).

 

Dagegen sieht Schlachter hier keinen solchen Zusammenhang und

übersetzt schlicht:

 

Gib dir Mühe, dich Gott als bewährt zu erweisen, als einen Arbeiter, der

sich nicht zu schämen braucht, der das Wort der Wahrheit richtig behandelt.

 

Am stärksten hat John Nelson Darby den Dispensationalismus geprägt. Er formulierte ca. 1830 als erster auf dieser Basis eine genau definierte Lehre, den Darbysmus, der in der Folge einen ungeahnten

Einfluss auf die unterschiedlichsten freikirchlichen Bewegungen hatte. Darby unterschied sieben Heilszeiten.

 

Darbys sieben Dispensationen …

 

1. der Unschuld – im Garten Eden

2. des Gewissens – bis zur Sintflut

3. der menschl. Regierung – bis Abraham

4. der Verheißung – bis Sinai

5. des Gesetzes – bis Golgata

6. der Gnade – bis zur Entrückung

7. des Königreiches – 1000-jähriges Reich

 

Daneben gibt es aber auch noch etliche andere Einteilungsversuche.

So sehen zwar manche auch 7 Heilszeiten, deuten diese jedoch

ausschließlich auf die Gemeinde, wobei sie z. B. von den 7 Gemeinden in den Sendschreiben ausgehen.

 

Andere wieder meinen, 10 oder gar 12 Dispensationen in der Schrift

erkennen zu können.

 

Der Dispensationalismus ist also keine einheitliche Lehre, dessen Anhänger alle dieselben Ansichten vertreten. Gemeinsam ist ihnen eigentlich nur die Vorstellung, aus der Schrift ließen sich klar abgegrenzte Zeiteinteilungen der Menschheits- und Heilsgeschichte erkennen. Dieser holzschnittartige Ansatz führte aber je nachdem, wer ihn anwandte, zu ganz unterschiedlichen Schlussfolgerungen, die

sich zum Teil auch widersprechen.

 

Für Ultra-Dispensationalisten hat die neutestamentliche Gemeinde rein gar nichts mehr mit Israel zu tun. Der neue Bund sei noch nicht in Kraft, er werde erst in der Zukunft geschlossen und zwar mit Israel, nicht mit der Gemeinde. Diese benötige keine Bündnisse, da sie himmlisch sei.

 

Die Brüdergemeinden wiederum „erkannten“, dass das Zeitalter (Dispensation) der Wunder und der Geistesgaben mit dem Tod der Ur-Apostel geendet habe, da inzwischen das Vollkommene erschienen sei (neue Dispensation). Mit diesem Vollkommenen habe Schaul in 1. Korinther 13:10 die inzwischen vollständige, ganze heilige Schrift gemeint, also AT und NT, die wir inzwischen ja besitzen.

 

Davon steht dort allerdings kein Wort. Auch die Kommentare der beliebten Scoffield-Studien-Bibel sind gesättigt von der Lehre des Dispensationalismus.

 

Endzeitspezialisten

 

Die Zeugen Jehovas und die Adventisten ihrerseits waren sich so sicher in ihrer Einschätzung der Zeitalter (Dispensationen), dass sie dutzendweise falsche Endzeitprophetien, z.B. über den exakten Zeitpunkt der Wiederkunft Jeschuas machten.

 

Etwas sparsamer mit Terminen geht da das Bibelpanorama um, das mit seinen bunten Ausklapp-Grafiken veranschaulicht, in welcher Reihenfolge die Endzeitereignisse ablaufen sollen. Doch so richtig lebendig werden diese biblisch anmutenden Theorien dann erst in den Romanen von Tim La-Haye und Jerry Jenkins, welche detailliert ausmalen, wie man sich die Endzeit im Detail vorzustellen hat und wie das genau bei der Entrückung ablaufen werde. Diese Bestseller haben mit ihrer Mischung aus Jesus-kommt-wieder-bist-du-bereit? und Science-Fiction-Endzeit-Horror-Show Millionen von Lesern prickelnd erschaudern lassen. Bei nicht wenigen von ihnen dürfte dabei das Bewusstsein abhandengekommen sein, dass es sich nur

um eine phantasievolle Ausschmückung dispensationalistischer Spekulationen handelt und nicht um eine Lehre der Schrift.

 

Doch in den USA beeinflusst diese holzschnittartige Sichtweise längst die große Politik, da selbst führende Politiker sich davon leiten lassen und die Welt schwarz-weiss in verschiedene Bereiche – gutes, christliches Amerika hier, Achse des Bösen dort – einteilen.

Brenn- und Angelpunkt der dispensationalistischen Endzeitlehren ist die sogenannte Entrückung, die unmittelbar zur Hochzeit des Lammes im Himmel führe, womit das „Zeitalter der Gemeinde“ ende

und ein neues beginne, das von Israel.

 

Nach der 7-jährigen Herrschaft des Antichrists folge dann das 1000-jährige Reich, in dem Israel wieder eine Rolle in Gottes Heilsplan spiele.

 

Doch ausgerechnet bei diesem zentralen Lehrpunkt ist man sich uneinig. Denn während die einen glauben, die Entrückung geschehe vor der großen Trübsal, sehen sie andere in der Mitte der 7 Jahre einer antichristlichen Herrschaft und wieder andere glauben sogar, das 1000-jährige Reich sei mit Golgata bereits angebrochen, also nur geistlich zu verstehen.

 

Dass es inzwischen schon fast 2000 Jahre geworden sind, hat diese Variante allerdings etwas diskreditiert.

 

Am krassesten ist eindeutig die erste Version: Da feiert der Sohn Gottes im Himmel mit seiner Brautgemeinde Hochzeit, während sein eigenes Volk, das sein Vater JAHWEH als “meine Frau” bezeichnet, auf der Erde durch eine Not geht, wie sie gemäß Jeschuas eigenen Worten noch nie vorher gewesen ist und auch niemals mehr sein wird. Es erinnert an die rauschenden Feste früherer Fürsten in ihren Palästen, während das Volk draußen verhungerte. Mazel tov, König der Juden! Herzlichen Glückwunsch zur Vermählung! Dieser makabere Zynismus ist kaum noch zu überbieten und entlarvt seinen antisemitischen Ursprung.

 

Wie die Reformation, hat aber der Dispensationalismus auch Gutes gebracht. Aufgrund seines wörtlicheren Verständnisses der Schrift wurden nun viele prophetische Vorhersagen wieder wörtlich ernst genommen, die in der klassischen Theologie nur noch sinnbildlich aufgefasst werden. So die Wiederkunft Jeschuas, das 1000-jährige Reich und die ewige und unveränderliche Berufung des Volkes Israels.

 

Zwischen Israel und der Gemeinde wird allerdings scharf unterschieden. Israels Dienst und Ziel seien irdisch, jene der Gemeinde dagegen himmlisch. Man erkennt jedoch, dass die Prophetien bezüglich Israel primär nicht der Gemeinde gegeben wurden und sich buchstäblich erfüllen müssen und deuten so die zeitgeschichtlichen Ereignissen rund um das irdische Gottesvolk als „Israel, der Zeiger an Gottes Weltenuhr“.

 

Unter den Israelfreunden standen denn auch Dispensationalisten von Anfang an in vorderster Reihe. Ohne ihr unerschütterliches Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Prophetien und ihren selbstlosen Beitrag zu deren Verwirklichung, wäre der moderne Judenstaat kaum vorstellbar. (siehe RB 0703 „machet Bahn“)

 

Sie wussten, dass Christen einen Auftrag an den Juden haben. Auch heute noch sammeln Christen Geld und helfen bei der Rückkehr der Juden in ihr Land. Vielen von ihnen ist das Geschick Israels ein echtes Anliegen, denn sie wissen sich mit dem Volk Gottes in Wohl und Wehe untrennbar verbunden so wie die Moabiterin Ruth, welche zu Naomi sagte: „Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott“. Sie, deren Name Freundin bedeutet, wurde mehr als nur eine Israel-Freundin. Durch ihre uneingeschränkte Hingabe wurde sie schließlich zu einem Teil Israels und seiner Heilsgeschichte.

 

Doch der Dispensationalismus brachte auch andere Charaktere hervor. Einen solchen veranschaulicht die Moabiterin Orpa, deren Name Widerspenstige bedeutet. Sie ist gewissermaßen das Gegenstück

zu ihrer Schwägerin Ruth. Auch sie hatte eine Zeitlang Gemeinschaft mit dem Volk Gottes, doch dann trennte sie sich von ihnen und kehrte wieder zu ihren heidnischen Wurzeln zurück. Diese beiden Typen findet man auch unter den Israelfreunden.

 

Zerschneidung

 

Wie das Beispiel der Vorentrückungslehre zeigt, entpuppt sich der konsequent angewandte Dispensationalismus mit seinem Konzept der strikten Trennung zwischen Israel und der Gemeinde bei genauerer Betrachtung als verfeinerte Neuauflage der Ersatztheologie. Es stimmt zwar: Das Endziel JAHWEHS ist nicht Israel, sondern der neue Mensch, der als Himmelsbürger weder Jude noch Heide ist. Doch daraus ziehen Ultra-Dispensationalisten ihre ganz eigenen Schlüsse. Denn für sie passt nun scheinbar alles perfekt: „Mag doch Israel seine Bündnisse behalten, die brauchen wir ja gar nicht, wir haben doch alles in Jesus Christus! Mag es das irdische Volk Gottes sein, wir sind das himmlische! Mag es all seine Verheißungen behalten, unsere sind ja viel besser!“ Kann man sich eine elegantere und „geistlich korrektere“ Methode ausdenken, sich von Israel zu trennen,

ohne den Juden auch nur im Geringsten etwas streitig zu machen, ja sie dabei sogar noch zu lieben und ihnen zu helfen? Der darin versteckte antisemitische Hochmut wird perfekt verhüllt und scheinbar unangreifbar.

 

Tendentiöse Übersetzungen

 

Der Dispensationalismus stützt sich in der Hauptsache auf einige wenige Bibelstellen. Dabei wird die konkordante Methode zugrunde gelegt, bei der nicht nur so wortwörtlich wie möglich übersetzt wird, sondern bei der die griechischen oder hebräischen Wörter auch jedes Mal mit demselben deutschen Wort wieder gegeben werden, ungeachtet des Zusammenhangs in denen sie stehen. Bei der Übersetzung der als besonders wortgetreu geltenden Elberfelder Studienbibel war denn auch Darby selber maßgeblich beteiligt, und das noch wörtlichere “Konkordante Neue Testament”, ein weithin anerkanntes und geschätztes Mittel für intensive Bibelstudien, ist das Werk von Übersetzern, deren extremer Dispensationalismus nur noch von der DhaBharÜbersetzung übertroffen wird, der die deutsche Sprache nicht mehr genau genug ist und die darum neue Sprachschöpfungen verwendet, um so „wortgetreu“ wie möglich zu sein.

 

Das daraus resultierende, schwülstig klingende Kauderwelsch ist allerdings kaum noch verständlich. Setzt man die konkordante Methode konsequent um, kann leicht der ursprüngliche Sinn der Sätze verändert werden. So z.B. bei Sprichwörtern wie “eine Schwalbe macht noch keinen Sommer”. Eine wörtliche Übersetzung würde einen Afrikaner ziemlich verwirren, denn bei ihm treffen Schwalben im Spätherbst ein. Nicht wörtlich übersetzbar sind auch Begriffe wie Amtsschimmel, weil der genauso wenig mit Pferden zu tun hat wie ein Backfisch mit Fischen, oder Wendungen wie “ein Auge auf jemanden werfen”. Eine weitere Schwierigkeit liegt darin, dass viele Wörter in ihrer Ursprungssprache einen Doppel- oder sogar Mehrfach-Sinn haben, der sich nicht wörtlich übersetzen lässt, weil es in der Zielsprache kein entsprechendes Wort mit einer solchen Bandbreite gibt.

 

Dabei muss der Übersetzer aufgrund des Zusammenhangs (Kontext) des Textes entscheiden, was richtig ist. Die Schrift hat besonders viele solcher Wörter und Redewendungen, welche Übersetzer gelegentlich zu falschen Deutungen verleitet haben. So z.B. das aramäische Wort “gamal” – dem Strick und nicht Kamel – das nur schwer durch ein Nadelöhr geht. Eine weitere Schwierigkeit bei der Übersetzung besteht darin, dass manche Wörter in der einen Sprache ganz fehlen und daher in der Zielsprache hinzugefügt werden müssen. So die hebräische Bezeichnung „malach JAHWEH“ (Engel JAHWEHS). Hier gibt es keinen Artikel und so bleibt es allein dem Übersetzer überlassen, ob das der Engel JAHWEHS oder ein Engel JAHWEHS heißen soll.

 

Christliche Übersetzer schreiben aufgrund ihrer trinitarischen Sichtweise immer dann „der Engel des HERRN“, wenn sie meinen, hier sei der Messias erschienen, der bereits vor seiner Geburt existiert habe. Denn so entsteht der Eindruck, es handle sich dabei immer um denselben Engel, was der Text jedoch nicht aussagt.

 

Während in den meisten Übersetzungen solche Wort-Einfügungen nicht erkennbar sind, bezeichnet die vom Dispensationalismus geprägte Elberfelder, diese zumindest teilweise durch [eckige Klammern] und das ultradispensationalistische Konkordante NT sogar konsequent durch eine unterschiedliche Formatierung.

 

Die konkordante Methode ist darum zwar oft hilfreich bei intensiven Wort-Studien, kann aber auch irreführen, denn sie wurde ursprünglich vor allem eingeführt, um eine neue Theologie zu begründen, die meint, den Bezug zu Israel und seinen Bündnissen nicht mehr zu brauchen. Denn das Heil der neutestamentlichen Gemeinde sei angeblich davon völlig unabhängig und damit all dem Vorherigen natürlich auch weit überlegen. Sie beruft sich praktisch ausschließlich auf Paulus, der dies angeblich gelehrt habe.

 

Evangelium des Paulus?

 

Epheser 3: 2. …wenn ihr nämlich von der Verwaltung der Gnade Gottes gehört habt, die mir für euch gegeben ist, 3. da mir durch eine Enthüllung das Geheimnis bekanntgemacht wurde, (so wie ich gerade vorher in Kürze schrieb, 4. woran ihr beim Lesen mein Verständnis für das Geheimnis des Christus begreifen könnt, 5. das in anderen Generationen den Söhnen der Menschen nicht bekanntgemacht wurde, wie es nun seinen heiligen Aposteln und Propheten enthüllt wurde). KNT

 

Hieraus schließen “die Konkordanten”, dass Schaul als einziger Einblick in ein höheres Geheimnis erhalten habe, das nur während der „Zeit der Gnade“ gelte, dem Evangelium der andern Aposteln weit überlegen sei und das Gott nur ihm allein anvertraut habe.

 

Schaul sagt jedoch vielmehr just in Vers 5 unmissverständlich, dass dieses Geheimnis gleichzeitig auch allen Aposteln und sogar den Propheten geoffenbart worden war, also keinesfalls nur ihm. Das besondere Geheimnis, das man hier zu entdecken glaubt, ist auch keineswegs ein ganz anders geartetes „Evangelium des Paulus“, sondern die schlichte Tatsache, dass die Heiden nun durch den Messias auch an dem Heil teilhatten, das bisher nur den Juden vorbehalten gewesen war:

 

6. Im Geist sind die aus den Nationen gemeinsame Losteilinhaber und eine gemeinsame Körperschaft und gemeinsame Teilhaber der Verheißung in Christus Jesus durch das Evangelium. Schlachter. KNT.

 

Eine besondere Offenbarung war es aber auch nur insofern, als  Schaul, nicht wie andere, durch Menschen davon erfuhr – es wurde ihm direkt von Jeschua geoffenbart. Schaul hatte allerdings einen sehr tiefen Einblick in die Zusammenhänge erhalten. Auch ein Geheimnis war es ja schon längst nicht mehr, denn etliche Jahre zuvor hatte Kephas/Petrus ja schon den Heiden Kornelius getauft. Stern verdeutscht hier besser verständlich:
dass in der Vereinigung mit dem Messias und durch die Gute Nachricht die Heiden zu Miterben werden sollten, ein gemeinsamer Leib und gemeinsame Teilhaber mit den Juden an dem, was Gott verheißen hat.

 

Zwei Evangelien?

 

Doch die Konkordanten haben noch mehr „Beweise“. Galater 2 übersetzt Schlachter so:

 

7. als sie sahen, dass ich mit dem Evangelium an die Unbeschnittenen  betraut bin, gleichwie Petrus mit dem an die Beschneidung - 8. denn der, welcher in Petrus kräftig wirkte zum Apostelamt unter der Beschneidung, der wirkte auch in mir kräftig für die Heiden -, 9. und als sie die

Gnade erkannten, die mir gegeben ist, reichten Jakobus und Kephas und Johannes, die für Säulen gelten, mir und Barnabas die Hand der Gemeinschaft, damit wir unter den Heiden, sie aber unter der Beschneidung wirkten.

 

Die Apostel hatten also abgemacht, dass Schaul in erster Linie den Heiden (den Unbeschnittenen) das Evangelium predigen sollte, die anderen Apostel aber den Juden (den Beschnittenen).

 

Das KNT übersetzt dagegen wortwörtlich, statt sinngemäß:

 

weil sie einsahen dass ich mit dem Evangelium der Unbeschnittenheit betraut bin, so wie Petrus mit dem der Beschneidung.

 

Daraus wird geschlossen, es gäbe zwei verschiedene Evangelien.

Das “Evangelium der Beschneidung”, das während der „Heilszeit der jüdischen Wirksamkeit“ durch Jeschua und die Apostel verkündet worden sei und das “Evangelium der Unbeschnittenheit”, das während der „Zeit der heidenchristlichen Gemeinde“ verkündet werde und nur Paulus geoffenbart worden sei. Das “jüdische Evangelium“ werde erst wieder im tausendjährigen Reich verkündet, wenn Israels Dienst erneut beginne.

 

Jeschuas veraltetes Evangelium?

 

Man scheut sich sogar nicht einmal zu behaupten, dass das Evangelium des Paulus exklusiv eine unverlierbare Errettung biete, da es himmlisch sei, wogegen man gemäß dem Evangelium der jüdischen Stamm-Apostel in Jerusalem, wieder verloren gehen könne, da deren Evangelium nur irdisch sei. Die Irrlehre vom unverlierbaren Heil – Heilsgewissheit, einmal gerettet, immer gerettet – stützt sich auf das Konzept dieser zwei Evangelien. Das “Evangelium des Paulus” und somit gemäß dieser Leseart das besondere Evangelium für die Heiden, sei folglich unvergleichlich herrlicher als das Evangelium, das Jeschua selber den Juden verkündigt hatte.

 

Durch diesen billigen Taschenspielertrick verwandelt sich die Jerusalemer Ur-Gemeinde in einen bedauernswerten Anachronismus und die von jüdischen Apostel, die Jeschua selber eingesetzt und ausgebildet hat, zu einer Versammlung von verstaubten Bärtigen, die nicht vom Alten (Testament) lassen können. Diese Ewiggestrigen wollen einfach nicht wahrhaben, dass das Evangelium, welches sie einst von Jeschua empfangen hatten, längst hoffnungslos veraltet und bereits durch eine neuere, weit herrlichere Fassung ersetzt worden war.

 

Der geistlich schön verbrämte Hochmut gegenüber den Juden könnte gar nicht mehr grösser sein. Auch die Behauptung, dies sei nicht diskriminierend, da Juden und Heiden gleichberechtigt im Leib des Messias seien, in dem es keinen Unterschied mehr zwischen Juden und Heiden gibt, nützt nichts. Denn in Tat und Wahrheit ist das Christentum längst eine von Heiden dominierte Religion geworden.

 

Für Juden ist hier nur insofern Platz, als sie sich den Heiden und ihrer Theologie, die angeblich von Schaul stammt, anschließen. Eine völlige Umkehrung der göttlichen Ordnung.

 

Verworfenes Israel?

 

Paulus – ein bezeichnender Name. Er ist von der griechischen Wurzel "pau" abgeleitet und bedeutet aufhören, unterbrechen, pausieren. Schließlich geschieht der Dienst des Paulus und seiner Nachahmer (1.Kor.11:1; Phil.3:17) während der Pause des Dienstes Israels. In der gegenwärtigen Verwaltung der Gnade Gottes (Eph.3:2), während der Israel verworfen ist (Röm.11:15), ist demgemäß nicht das Evangelium der Beschneidung, sondern das der Unbeschnittenheit zu verkündigen (Gal.2:7).“ Ausführungen zum Epheserbrief von Dieter Landersheim.

 

Damit folgt Landersheim, der zum Redaktionsteam des konkordanten NT gehört, konsequent der dispensationalistischen Linie, welche sagt: Israel wurde verworfen, damit die Gemeinde ihren Dienst entfalten kann. Hat diese ihre Aufgabe erfüllt, kann Israel wieder auf der Weltbühne erscheinen. Israel wird also von seinen Aufgaben dispensiert, wie ein Schüler, der erst wieder kommen darf, wenn er seine Hausarbeiten gemacht hat.

 

Ein atheistischer Witzbold, meinte einmal: “Ist der Tod, bin ich nicht, bin ich, ist der Tod nicht.” Denn, so seine Logik: wenn ich tot bin, bin ich nicht mehr da und wenn ich lebe, ist der Tod nicht da. Folglich geht mich der Tod nichts an, denn wir begegnen uns ja nie. In ähnlicher Logik geht Israel die Gemeinde scheinbar nichts an, denn solange sie ihre Aufgabe noch nicht erfüllt hat, ist Israel beiseite gestellt (nicht da), wird es wieder eingesetzt, ist die Gemeinde entrückt (nicht da).

 

Römer 11 – eine Warnung

 

Die griechisch-philosophischen Denkmethode, welche der christlichen Theologie zugrunde liegt, versucht schwer verständliche, komplexe Fragen fassbar zu machen, indem sie diese einem System unterwirft. So wird jeder Begriff und jeder Gegenstand der Betrachtung erst einmal so präzis und unverwechselbar wie möglich ausdefiniert.

 

Die so vereinheitlichten Denk-Bausteine ermöglichen ein System aus “unwiderlegbaren”, da streng logischen Schlussfolgerungen. Der menschliche Geist triumphiert so über die Unwägbarkeiten des Lebens, ja er bemächtigt sich sogar der Geheimnisse Gottes. Schaul verwarf diese von Menschen erdachte Weisheit, die er in Kolosser 2:8 einen leeren Betrug nennt.

 

Als Schaul auf dem Aräopag in Athen zu den Philosophen sprach, ließen sie ihn nur solange reden, wie er die strikten Regeln beachtete, also streng logisch argumentierte. Als er jedoch von der Auferstehung der Toten sprach, unterbrachen sie ihn, denn Schaul lehrte nicht griechisch-philosophisch (genaue Definition), sondern jüdisch (vernetztes Denken). Wenn er also z. B. vom Ölbaum oder der Wurzel redet, so möchte er etwas illustrieren, aber nicht präzise abgrenzen wie die vom griechischen Geist geprägten christlichen Theologen. Wer nun Schauls Lehre philosophisch deutet, wird ihn immer missverstehen. Im Römerbrief beschäftigt er sich intensiv mit der Frage nach dem Verhältnis der Gemeinde zu Israel. Um ihn hier richtig zu verstehen, brauchen wir zuerst etwas Einblick in seine Methodik und müssen wissen, an wen er welche Worte richtete.

 

Die unwandelbare Berufung Israels

 

In der römischen Gemeinde gab es sowohl Juden als auch Heiden. Schaul wechselt in seinem Brief an sie mehrmals die Adresse, wobei er sich jeweils einen Juden oder einen Heiden vorstellt, der ihm widerspricht und dem er entgegnet.

 

Wenn Du dich aber einen Juden nennst... Römer 2:17.

 

Dies war seinerzeit eine gebräuchliche rabbinische Lehrmethode. Im Kapitel 11 setzt er sich mit den Dispensationalisten auseinander und widerspricht ihnen heftig. Dies zeigt nicht nur, dass deren Ansichten nicht neu sind, sondern auch, dass sie sich vergeblich auf Paulus berufen.

 

Als erstes klärt er die Frage: Hat etwa Gott sein Volk verstoßen? Das sei ferne! Diese Redewendung ist wohl die stärkste Form der Verneinung im Sinne von “Niemals, Gott behüte!” Er doppelt gleich noch nach:

 

Denn auch ich bin ein Israelit, aus dem Samen Abrahams, aus dem Stamme Benjamin. Gott hat sein Volk nicht verstoßen, welches er zuvor ersehen hat! 1:1-2

 

Und um diese Aussage noch einmal zu vertiefen, fragt er kurz darauf erneut rhetorisch:

 

Sind sie denn darum gestrauchelt, damit sie fallen sollten? Das sei ferne! 11:11

 

„Aber Schaul“, widerspricht da der überhebliche Heidenchrist, „sagst Du denn hiermit nicht selber, dass Israel um der Heiden willen gefallen ist?“  „Wo denkst du hin, da hast du mich aber gründlich missverstanden. Hör noch mal genau zu: Damit bezieht sich auf die Juden, nicht auf die Heiden. Sie sollen durch die gläubig gewordenen Heiden zur Eifersucht gereizt werden, damit auch sie, also die Juden,  zum Heil kommen.

Sondern durch ihren Fall wurde das Heil den Heiden zuteil, damit sie diesen nacheifern möchten. 11:11. Um ihretwillen ist das so geschehen.“

 

JAHWEH hat Israel berufen, um sich durch sein Volk den Heiden-Völkern mitzuteilen. An Israel sollten sie erkennen, wie er mit den Menschen handelt und was er von ihnen erwartet.

 

Israel, du bist mein Knecht, durch den ich mich verherrliche. JeschaJAH 49:3.

 

Darum sagt auch Jeschua unmissverständlich:

 

“Das Heil kommt von den Juden!”

 

Das war nicht eine nur temporäre Aussage, so dass man heute sagen müsste: “Das Heil kam zwar von den Juden, nun aber braucht es diese nicht mehr”. Vielmehr werden in der vor uns liegenden Endzeit zehn Männer aus den Nationen die Zizit eines jüdischen Mannes ergreifen, weil sie erkannt haben, dass JAHWEH mit ihm ist. Zizit sind Quasten an den Kleidern. Sie sollen an die Gebote JAHWEHS erinnern (4.Mose 15:38-41).

 

Seinen Auftrag hat Israel zwar bis heute nicht erfüllt. Wie Jona ist es weggelaufen, weil es nicht das Heil der Heiden, sondern nur sein eigenes gesucht hat. Und wie Jona ist es deshalb so tief gesunken, bis es nicht mehr tiefer ging. Doch JAHWEH sucht sich deswegen nicht einfach ein anderes Volk, wie viele Christen meinen,  denn Gottes Gnadengaben und Berufung

sind unwiderruflich. Römer 11:29.

 

Das Buch Jona illustriert uns diese unumstößliche Tatsache anschaulich: Die Assyrer in Niniveh waren gefährliche, grausame Feinde Israels. Folglich wäre nicht ihre Errettung eine gute Botschaft (Evangelium) für Israel gewesen, sondern ihr Untergang. Darum weigerte sich ja Jona auch, sie zu warnen und floh. Trotzdem erwählte JAHWEH keinen anderen für diesen Auftrag, sondern hielt an der Berufung Jonas fest. In gleicher Weise wird auch Israel am Ende, wie vorgesehen, den Völkern das Evangelium vom Reich Gottes predigen. Der Segen, der dadurch auf die Heiden kommt, wird dann noch viel grösser sein.

 

Wenn aber (bereits) ihr Fall der Reichtum der Welt und ihr Verlust (schon) der Reichtum der Heiden geworden ist, wie viel mehr (erst) ihre volle Zahl! 11:12

 

Nicht zuletzt darum war es Schaul auch ein so großes Anliegen, möglichst viele Juden für den Glauben an Jeschua zu gewinnen, denn er hoffte, dass etliche Juden eifersüchtig werden könnten, wenn sie sähen, welches Heil den Heiden zuteilwerde.

 

13. Zu euch, den Heiden, rede ich – da ich nun eben Heidenapostel bin, rühme ich  mein Amt, 14. ob ich nicht etwa meine Volksgenossen zum Nacheifern reizen und etliche von ihnen erretten könnte.

 

Diese Hoffnung erfüllte sich leider nicht, denn die Heiden reizten die Juden nicht zur Nachahmung, sondern durch ihre Überheblichkeit vielmehr zum Zorn.

 

Aber sagt Schaul nicht gerade im nächsten Vers selber, dass Gott die Juden, (zumindest vorübergehend), verworfen hat?

 

15. Wenn ihre Verwerfung die Versöhnung der Welt geworden ist, was würde ihre Annahme anderes sein, als Leben aus den Toten?

 

Der messianische Jude David H. Stern weist in seinem Kommentar zum jüdischen NT darauf hin, dass der Genitiv hier zweierlei bedeuten kann: Entweder dass die Juden von Gott verworfen wurden, oder dass sie selber diejenigen sind, die Jeschua verwerfen.

 

Da nun Schaul ja schon zu Anfang unmissverständlich klar gestellt hat, dass Gott sein Volk nicht verworfen hat (Vers 1-

2). Daher übersetzt Stern Vers 15 sinngemäß so:

 

Denn wenn ihre Verwerfung Jeschuas die Versöhnung für die Welt bedeutet, was wird es dann bedeuten, wenn sie ihn annehmen?

 

Dann wird es natürlich auch für die Heiden noch viel herrlicher werden, als es jetzt schon ist. Die herkömmliche Übersetzung ist also massiv vom antijüdischen Geist der Kirche und ihrem Streben nach Dominanz verfälscht.

Schauls Worte wurden willkürlich in ihr Gegenteil verkehrt. Dieser Tendenz tritt Schaul noch einmal entschieden entgegen, indem er auf die Hausordnung (Dispensation!) hinweist, in der die Juden die tragende Grundlage sind. Es wird aber behauptet, mit den Symbolen Wurzel und Ölbaum, die er dazu verwendet, sei hier nicht Israel gemeint. Begründet wird dies damit, dass die ausgebrochenen Zweige (ungläubigen Juden) ja nicht gleichzeitig auch die Wurzel, bzw. der Ölbaum sein könnten.

 

Dabei geht man davon aus, dass Schaul hier klar ausdefinierte Begriffe verwendet, dass seine Gleichnisse also griechisch-logisch aufgebaut seien und deshalb immer aufgehen müssten, aus welchem Blickwinkel man sie auch betrachtet. Damit unterstellt man Schaul seine eigene, heidenchristliche Sichtweise.

 

Ein Gleichnis hat dagegen immer nur eine beschränkte Aussage, keine universale. Es zeigt nur gewisse Aspekte. So wird Jeschua mit einem Lamm verglichen, aber auch gleichzeitig mit einem Löwen – obwohl er in Wirklichkeit weder das eine noch das andere ist. In dieser Weise wird auch Israel in der Schrift nur verglichen mit einem Ölbaum, aber deswegen nicht gleichgesetzt.

 

Der Ölbaum

 

Ich will für Israel sein wie der Tau; es soll blühen wie eine Lilie und Wurzel schlagen wie der Libanon. Seine Schösslinge sollen sich ausbreiten; es soll so schön werden wie ein Ölbaum und so guten Geruch geben wie der Libanon.

Hoschea 14:6-7

 

Schaul stellt in Römer 11 den edlen, weil beschnittene Ölbaum (Beschneidung), aus dem die jüdischen Zweige stammen, eindeutig dem wilden, weil unbeschnittenen Ölbaum (Unbeschnittenheit) gegenüber, der die Heidenvölker darstellt.

 

Dies lässt also grundsätzlich gar keine andere Deutung zu als dass er mit dem Ölbaum hier das Volk Israel meint. Das Ausbrechen der Zweige symbolisiert denn auch nicht, dass sie nun nicht mehr zum Ölbaum gehören, sondern nur, dass dessen Leben sie nicht mehr durchströmt, weil sie wegen ihrem Unglauben zur Zeit keinen Zugang mehr zu den Verheißungen haben.

 

Doch auch dies kann sich jederzeit wieder ändern:

 

23. Jene dagegen, wenn sie nicht im Unglauben verharren, sollen wieder eingepfropft werden; denn Gott vermag sie wohl wieder einzupfropfen. 24. Denn wenn du aus dem von Natur wilden Ölbaum herausgeschnitten

und wider die Natur in den edlen Ölbaum eingepfropft worden bist,  wie viel eher können diese, die natürlichen Zweige, wieder in ihren eigenen Ölbaum eingepfropft werden!

 

Auch das “wahre Israel” oder das “Israel Gottes” ist eine Wortfigur und nicht eine absolute Größe. Es bezeichnet die Israeliten, welche nicht nur äußerlich Israel (Gotteskämpfer) sind, sondern auch in ihrer Gesinnung und Taten.

 

Jeschua sah den Nathanael auf sich zukommen und spricht von ihm: Siehe, wahrhaftig ein Israelit, in welchem keine Falschheit ist! Jochanan 1:47.

Schaul bringt nun sogar noch ein drittes Gleichnis, denn er sieht  offensichtlich voraus, dass die Heidenchristen seine Aussage verdrehen würden, wie es ja auch tatsächlich bis heute der Fall ist. Schaul spürt ihren Hochmut gegen sein Volk und warnt sie darum eindringlich, sie könnten so selber den Zugang zu den Verheißungen wieder verlieren.

Sei nicht stolz, sondern fürchte dich! ... sonst wirst auch du abgehauen werden! Römer 11:20-22.

 

Auch mit der Wurzel und dem Anbruch meint Schaul dasselbe.

 

16. Ist aber der Anbruch heilig, so ist es auch der Teig, und ist die Wurzel heilig, so sind es auch die Zweige.

 

Stern fasst dies so zusammen:

Oder, um Schauls Aussage so eindeutig wie möglich zu machen, ob nun Jeschua, Avraham, die Patriarchen, die messianischen Juden oder alle Juden die Wurzel sind – die Wurzel ist jüdisch, und das

solltest du nie vergessen.“

 

Doch hier kommt schon der nächste Einwand des Heidenchristen:

 

19. Nun sagst du aber: Die Zweige sind ausgebrochen worden, damit ich eingepfropft würde! Nun behauptet er also, Gott habe Israel verstoßen, um Platz für die Heiden zu schaffen.

 

„Die Juden sind unser Unglück“, sagten die Nazis – „Israel ist das Hindernis für den Weltfrieden“, tönt es heute – „die Juden sind ein Hindernis für das Heil der Völker“, so die Christen, darum musste sie Gott aus dem Weg räumen.

 

Welch ein Gegensatz zu den Worten Jeschuas:

Das Heil kommt von den Juden! Jochanan 4:22

 

Das Heil kommt von den Juden!

 

Es ist also falsch, hier herauszulesen, dass Gott sein Volk verworfen hätte, damit die Heiden das Heil erhielten. So was wäre Schaul nie in den Sinn gekommen.

„Das sei ferne!“ das sagt vielmehr sein imaginärer antisemitischer Diskussionspartner.

Schaul quittiert dies einfach mit “Gut”. Das bedeutet aber keineswegs, dass er damit einverstanden ist, sondern:

“ Also gut, nehmen wir einmal an, Du hättest Recht.”

 

20. Gut! Um ihres Unglaubens willen sind sie ausgebrochen worden; du aber stehst durch den Glauben. Sei nicht stolz, sondern fürchte dich! 21. Denn wenn Gott die natürlichen Zweige nicht verschont hat, so wird er wohl auch dich nicht verschonen.

 

Er stellt denn also zwar fest, dass ein Teil der Juden wegen ihres Unglaubens (aus einer lebendigen Beziehung zu JAHWEH) ausgebrochen wurden, doch warnt er auch schon gleichzeitig: Pass auf, dass dir nicht dasselbe passiert, wenn du dich über sie erhebst. Dazu hast du auch überhaupt keinen Grund, denn für JAHWEH sind sie immer noch sein auserwähltes Volk. Darum sind sie selbst in ihrem  Versagen noch ein solcher Segen, dass ein Heide wie du zum Glauben kommen konnte. Wenn also schon ihr Versagen soviel Heil bewirkt hat, wie viel grösser wird dann erst der Segen sein, der durch sie den Heiden zuteilwird, wenn sich erst einmal das ganze Volk Israel dem Messias zuwenden wird. Denselben Gedanken verfolgt er auch in den nächsten Versen.

Doch auch diese wurden im Sinne der Dispensationsations-Lehre übersetzt, so als ob Israel erst dann gerettet wird, nachdem alle auserwählten Heiden vorher gläubig geworden seien:

 

25. Denn ich will nicht, meine Brüder, dass euch dieses Geheimnis unbekannt bleibe, damit ihr euch nicht selbst klug dünket, - dass Israel zum Teil Verstockung widerfahren ist, bis dass die Vollzahl der Heiden eingegangen sein wird 26. und also ganz Israel gerettet werde.

 

Stern weist in seinem Kommentar zum NT darauf hin, dass die Vollzahl – gr. Pleroma, dt. Fülle – der Heiden hier nicht ihre Anzahl meint, sondern anzeigt, dass sie aus allen Völkern ins Reich JAHWEHS eingehen.

 

Ebenso bedeutet auch „outos“ nicht einen Zeitpunkt (bis), sondern die Art und Weise, wie Israel seiner Ansicht nach gerettet wird, nämlich indem es auf die Heiden eifersüchtig wird. Dies ist aber bis heute nicht der Fall. Damit sagt Schaul genau das Gegenteil von dem, was ihm unterstellt wird, denn er hat immer das Ganze im Auge. Die Zerteilung des Griechischen Geistes ist ihm nicht nur fremd, er hasst und bekämpft sie leidenschaftlich. Denn für ihn sind Israel und die Gemeinde keine Gegenspieler, auch wenn ein Großteil der Juden das Evangelium noch ablehnen. Sie gehören untrennbar zusammen.

 

Ein Gott – ein Volk – eine Hoffnung

 

Die Ablehnung der Botschaft der Apostel war ja auch keineswegs eine neue Erscheinung. Schon in früheren Zeiten wurden die Propheten JAHWEHS immer wieder abgelehnt und verfolgt, weil man nicht auf sie hören wollte. Nicht besser erging es aber auch den wenigen treuen Zeugen während der mehr als tausendjährigen Schreckensherrschaft einer längst vom lebendigen Gott abgefallenen Kirche. Die Einheit Israels wurde denn auch schon früh durch den Ungehorsam gegen JAHWEH zerbrochen, so wie auch die Einheit der Christen bereits zu Lebzeiten der Apostel zerbrach. Doch obwohl dies immer wieder schwere Gerichte über Israel brachte, hat JAHWEH nie aus dem gehorsamen Teil Israels ein separates Volk gemacht.

 

Das hätte auch wenig Sinn gehabt, denn die Gehorsamen sind oft genug bald selber zu Ungehorsamen geworden und wenn nicht sie, dann ihre Kinder. Dies zeigt auch das Beispiel der beiden Reiche Israel (Nord) und Juda (Süd). Hier wurde die Teilung vollzogen als Gericht über den Abfall Salomos. Der Götzendienst im Nordreichs Israel, der schließlich zur Verbannung der zehn Stämme führte, war also nicht die Ursache, sondern die Folge dieser Teilung. So erlitt auch Juda dasselbe Schicksal, wenn auch etwas später.

 

Der Messias ist gekommen, um diese Teilung wieder aufzuheben. Und nun spricht JAHWEH, der mich von Mutterleib an zu seinem Knechte gebildet hat, um Jakob zu ihm zurückzubringen, dass Israel zu ihm gesammelt werde. JeschaJAH 49:5.

 

Nachdem der Maschiach das Volk Israel gesammelt hat, wird er es wieder eins machen.

So spricht der Herr JAHWEH: Seht, ich will den Holzstab Josephs nehmen, welcher in der Hand Ephraims und der Stämme Israels, seiner Mitverbundenen, ist, und will ihn zu dem Holzstab Judas tun und sie zu einem einzigen Holzstab machen, und sie sollen ein [Ganzes] in meiner Hand werden! ... So spricht der Herr JAHWEH: Seht, ich will die Kinder Israel aus den Nationen, unter welche sie gekommen sind, zurückholen und sie von überallher sammeln und sie in ihr Land führen und sie im Lande auf den Bergen Israels zu einem einzigen Volke machen; sie sollen alle nur einen einzigen König haben, sie sollen auch hinfort nicht mehr zwei Völker bilden, noch in zwei Reiche zerteilt werden.

Jecheskel 37:19-22

 

Diese Wiederherstellung hat bereits begonnen, auch wenn bisher  erst eine kleine Vorhut aus den Nordstämmen Israels in ihr Land zurückgekehrt ist. Der Messias stellt aber nicht nur Israel wieder her, er bezieht auch die Heiden mit ein.

 

Es ist zu gering, dass du mein Knecht bist, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Geretteten Israels wiederzubringen; darum will ich dich zum Lichte der Heiden machen, dass du mein Heil (Jeschuati) seiest bis ans Ende der Erde. JeschaJAH 49:6

 

Schaul erhoffte sich, dass die gläubig gewordenen Heiden dazu beitragen, dass Israel bald seine volle Berufung wahrnehmen werde, denn er sah in der Gemeinde kein „neues Israel“, sondern die Versammlung der Erstlinge aus Israel und den Nationen.

 

Die Einheit, die er den Gläubigen ans Herz legt, hat denn auch denselben Grundgedanken:

 

Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung

eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, über allen. Epheser 4:4-6

 

Schaul betont, dass es nur einen Leib gibt, die Gemeinschaft der Jünger Jeschuas:

Einen Geist, den Ruach JAHWEHS – eine Hoffnung der Berufenen, die Verheißungen Israels – einen Herrn, den jüdischen Maschiach Jeschua – einen Glauben, an den Gott Israels und seinen Gesalbten – eine Taufe, in den Tod Jeschuas – einen Gott, den Gott Awrahams, Isaaks und Jaacovs – einen Vater aller, der Gläubigen aus Israel und den Nationen. Es kann somit folglich auch nur ein einziges Volk Gottes geben, auch wenn die heidnischen Gläubigen nicht aufgrund ihrer Abstammung dazu gehören. Sie wurden durch den Glaubensgehorsam gegen den Maschiach in den edlen Ölbaum eingepfropft und haben so Anteil an den Bündnissen und Segnungen Israels.

 

Schaul mahnte die heidnischen Gläubigen nicht ohne Grund, dies nie zu vergessen, denn er kannte die menschliche Überheblichkeit.

 

Darum gedenket daran, dass ihr, die ihr einst Heiden im Fleische waret und Unbeschnittene genannt wurdet von der sogenannten Beschneidung, die am Fleisch mit der Hand geschieht, - dass ihr zu jener Zeit außerhalb des Messias waret, entfremdet von der Bürgerschaft Israels und fremd

den Bündnissen der Verheißung und (darum) keine Hoffnung hattet und ohne Gott waret in der Welt. Nun aber, im Maschiach Jeschua, seid ihr, die ihr einst ferne waret, nahe gebracht (zur Haushaltung Gottes in Israel) worden durch das Blut des Maschiach. Epheser 2:11-13

Gleicherweise betonte auch Jeschua, dass alle diese Segnungen eigentlich Israel allein gehören.

 

Und siehe, eine kananäische Frau kam aus jener Gegend, schrie und sprach: Erbarme dich meiner, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter ist arg besessen! Er aber antwortete ihr nicht ein Wort. Da traten seine Jünger herzu, baten ihn und sprachen: Fertige sie ab; denn sie schreit uns nach! Er aber antwortete und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel...Es ist nicht fein, dass man das Brot der Kinder nehme und es den Hündlein vorwerfe! MattitJahu 15:22-24.

 

In jedem Staat ist es so, dass nur die natürlichen Bürger die vollen Vorrechte genießen. Deshalb sind die Heiden grundsätzlich von den Segnungen ausgeschlossen, die JAHWEH Abraham und seinen  Nachkommen versprochen hat. Dieses Problem hat JAWHEH gelöst, indem er die Heiden, geistlich gesehen, durch den Glaubensgehorsam in Jeschua in Israel eingebürgert hat. So erhalten sie nun Anteil an den natürlichen Bürgerrechten Israels, also an seinen Bündnissen und den damit verbundenen Segnungen.

 

So seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge und Gäste, sondern Mitbürger der (hebräischen) Heiligen und Gottes Hausgenossen, auferbaut auf die Grundlage der Apostel und Propheten (nicht nur des Schaul), während der Maschiach Jeschua selber der Eckstein ist. Epheser 2:19-20.

 

Genau dies war ja das besondere Geheimnis, welches Schaul beschreibt, welches früher verborgen gewesen und nun geoffenbart worden war.

 

Dass nämlich die Heiden Mit-Erben seien und Mit-Einverleibte und

Mit-Genossen seiner Verheißung im Maschiach Jeschua durch das Evangelium. Epheser 3:6.

 

Deshalb sagt Schaul ja auch, dass die Heiden den Juden etwas schulden:

 

Denn wenn die Heiden an ihren geistlichen Gütern Anteil erhalten

haben, so sind sie auch verpflichtet, jenen in den leiblichen zu dienen. Römer 15:26-27.

 

Darum zitiert Schaul hier auch aus der Torah: «Freuet euch, ihr Heiden, mit seinem Volk!» Römer 15:10.

 

Untrennbar verwachsen

 

Israel und die Gemeinde der Erstgeborenen waren denn auch schon immer untrennbar miteinander verwachsen. Deshalb verbreitete sich das Evangelium auch so unaufhaltsam, solange die Gemeinden an dieser Verbindung festhielten. Als die Kirche sich jedoch von der Wurzel abschnitt, gingen die Lichter aus. Die Kraftwirkungen des Ruach blieben aus, kein prophetisches Reden brach sich mehr Bahn, es geschahen keine Zeichen und Wunder mehr und sowohl Juden als auch Christen erlebten viele schreckliche Jahrhunderte religiösen Terrors. Das gewöhnliche Volk durfte bei Androhung der Todesstrafe nicht mehr in der Schrift lesen und wer den Irrlehren der Katholischen Kirche widersprach, wurde mit allen Mitteln verfolgt und zum Schweigen gebracht. Es gab darum bald kaum noch wahre Gläubige, geschweige denn lebendige Gemeinden.

 

Wiederherstellung

 

Vor etwa 200 Jahren aber begann JAHWEH die Rückkehr seines Volkes anzubahnen, wobei treue Christen von Anfang an eine entscheidende Rolle spielten. Es ist kein Zufall, dass die weltweite Evangelisation genau in der gleichen Zeitperiode begann und dass seither wieder viele lebendige Gemeinden entstanden sind und dass auch die Geistesgaben wieder entdeckt wurden. Denn – Israel und die Gemeinde sind untrennbar auf Gedeih und Verderb miteinander verwachsen. Die wechselvolle Geschichte der letzten zwei Jahrhunderte zeigt dies immer wieder.

 

Heute steht Israel an einem Abgrund. Während es immer mehr Millionäre gibt, nimmt die Armut zu. Gottlose Politiker verraten für persönliche Vorteile das Volk, unterdrücken das Recht und sind zu jedem faulen Kompromiss bereit. Sie verhandeln sie über verheißenes Land, ja sogar darum, Jerusalem wieder zu teilen. Homosexuellen wird ein Recht auf Adoption garantiert und Orthodoxe versuchen alles, das Zeugnis Jeschuas zu unterbinden, ob mit legalen oder illegalen Methoden. Dabei können sie sich sogar noch auf die Hilfe einer korrupten Verwaltung stützen.

 

JAHWEH, der Herr rief dem Feuer zum Gericht; das fraß ein großes Loch und hatte schon das Erbteil ergriffen. Amos 7:4

 

Wie spiegelbildlich stellt sich auch die Situation der Christen dar. Dieselben faulen Kompromisse mit der Ökumene. Homosexualität wird gutgeheißen, wie jüngst durch die Herrnhuter und Glaubensüberzeugungen werden preisgegeben, um „dabei“ zu sein. Nicht nur an kirchlichen, sogar auch an freikirchlichen Anlässen, werden weltliche, ja sogar erotische Attraktionen geboten. So z. B. am Straßenfest „Begägne07“ der EMK in Zofingen, wo es nicht nur eine Chilbi, sondern auch einen erotischen Photowettbewerb gab. So wie Israel sein Land, so sind auch die Christen in Gefahr, ihr Glaubenserbe um eine Linsengericht zu verkaufen. Die Gemeinde muss darum heute erkennen, dass sie nur zusammen mit Israel ans Ziel kommen kann. Denn – nur wenn es der Wurzel gut geht, so gedeihen auch die Zweige.

 

RUNDBRIEF DER JÜDISCH MESSIANISCHEN GEMEINSCHAFT

10 JMG NR. 01 / JANUAR

 

Ersatztheologie

 

Von David Silver

 

Der Teufel, der sehr wohl weiß, was in der Bibel steht, hatte stets einen Plan, die Pläne und Absichten Gottes fehlschlagen zu lassen. Er hat versucht, das erste Kommen Jesu zu verhindern, und hat nun einen Plan, Sein zweites Kommen abzuwenden, um seine eigene Herrschaft auf der Erde auszuweiten. Wie? Indem er das Volk Gottes mit einer Lehre täuscht, die geradewegs aus dem Höllenschlund kommt und als Ersatztheologie bekannt geworden ist.

Viele Kirchenväter ließen sich durch diese Irrlehre täuschen. Im weiteren Verlauf der Kirchengeschichte sehen wir, wie die Kraft Gottes, über die in der Apostelgeschichte zu lesen ist, die Kirche genau zu der Zeit verlässt, als die Ersatztheologie sich dort festsetzt. Sie hat sich selbst von der Quelle der Kraft Gottes abgeschnitten, von den biblischen Wurzeln des christlichen Glaubens.

Derek Prince bemerkt dazu in seinem Buch ‘Wem gehört das Land’: Es hat eine gewaltige Anzahl von Missverständnissen unter ernsthaften Christen bezüglich Gottes Handeln mit Israel gegeben. Ich glaube nicht, dass dieses Missverständnis vollkommen natürlich ist. Ich denke, dahinter steckt eine geistliche Kraft. Satan war sehr damit beschäftigt, Christen in Unwissenheit über Gottes Pläne und Absichten mit Israel zu halten, denn wir alle spielen eine Rolle in Gottes Plänen. Deshalb widersteht Satan unserem Bemühen um das richtige Verständnis, das uns befähigen würde, unsere Aufgabe in Gottes Plan zu übernehmen.

Derek fährt fort: Unser gesamtes geistliches Erbe verdanken wir Israel. Wenn es kein Israel gegeben hätte, hätte es keine Patriarchen, keine Propheten, keine Apostel, keine Bibel und vor allem keinen Erlöser gegeben. Wir sind alle Schuldner des jüdischen Volkes. (Zitat Ende)

Jesus sagte, dass Er gekommen sei, um den Zaun zwischen Juden und Nichtjuden niederzureißen. Als die Ersatztheologie ihre Wurzeln schlug, wurde die Mauer aufgebaut, nur wurde dieses Mal alles Jüdische hinausgeworfen. Der Sabbat, die Heiligen Feste Gottes und viele andere Dinge gingen dem Leib Christi verloren. Die Situation verschlechterte sich stetig und führte die Kirche ins Mittelalter, aus dem wir noch vollständig herauskommen müssen.

Wir befinden uns heute am Rande der “Großen Trübsal”, die der Rückkehr Jesu vorausgeht, und ich glaube, dass die Wahrheit über Israel die letzte und die vielleicht bedeutendste Offenbarung seit der Reformation ist, die Gott der Kirche gibt. Ich bete darum, dass Sie beim Weiterlesen die richtige Sichtweise über die Beziehung zwischen Israel und der Kirche Jesu Christi, des Königs der Juden, erhalten.

 

Lügen und Verfolgung

Das jüdische Volk und die Christen sind allesamt Söhne und Töchter desselben Vaters, des Gottes Israels, aber ihre Behandlung durch solche, die den Anspruch erhoben Christen zu sein, ist grausam gewesen. Wenn wir uns jetzt einige dieser Ereignisse der letzten 2000 Jahre ansehen, werden Sie über die folgenden Einzelheiten der von der Kirche vorgebrachten Lügen und die Verfolgung der Juden erstaunt und schockiert sein....

    Bereits in der Frühzeit der Kirche haben Prediger behauptet, dass die Juden von Gott verflucht, von Ihm verlassen und Söhne des Teufels seien.

    Eusebius erhob den Anspruch, dass das Christentum vor dem Judaismus existiert habe und dass die Propheten oder andere Heilige in Wirklichkeit Christen gewesen seien.

    Im 2. Jahrhundert behauptete Marcian, dass der Gott des Alten Testaments ein anderer sei als der Gott der Christen und deshalb das Alte Testament als Schrift aufzugeben sei.

    Der heilige Augustinus predigte: “O Kirche Gottes, dein Feind ist der Barbar, der heidnische Jude....."

    Johann Chrysostomos, Patriarch von Konstantinopel (344- 407 n. Chr.), einer der frühen Kirchenführer, konstatierte: “Juden sind die unwürdigsten Menschen - sie sind wollüstig, gefräßig, habgierig... sie beten den Teufel an. Es ist die Pflicht aller Christen, die Juden zu hassen." Ferner sagte er, dass die Juden in ihren Synagogen gar nicht Gott anbeten, sondern ihre Söhne und Töchter den Teufeln opferten; so beschrieb er Synagogen als Zufluchtsort des Teufels, als Synagoge Satans.

     Während der Kreuzzüge wurden Juden, die sich der Taufe widersetzten, getötet. Viele wurden verbrannt, geschlagen und gekreuzigt, während Zuschauer “Christusmörder!” schrieen. 1099 n. Chr. setzten Kreuzfahrer eine Synagoge in Jerusalem in Brand und marschierten, ‘Christus, wir verehren dich’ singend, um sie herum, während in ihr Juden aus der Stadt verbrannten.

    Zur Krönung Richard Löwenherz’ im Jahr 1190 wurden in der Liturgie die Juden als Söhne und Töchter des Teufels be­zeichnet, über welche die Kirche den Sieg davonträgt.

    1290 wurden alle Juden aus England vertrieben.

    St Bernard von Clareveaux, der größte Prediger des 12. Jahrhunderts, erklärte: “Die bestialischen Juden sind niedriger als Tiere und Nachkommen des Teufels.”

    In Germersheim wurden 1343 ortsansässige Juden eines Ritualmordes angeklagt, die gesamte jüdische Gemeinde wurde auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

    In Prag bewarfen 1390 einige jüdische Kinder einen katholischen Priester mit Sand. Zur Strafe wurden 3000 Juden getötet.

    Ein führender jüdischer Historiker, Cecil Rote, war überzeugt, dass nicht weniger als die Hälfte der europäischen Juden im Mittelalter gewaltsam durch Christen ums Leben gekommen sind. Christen zahlten einen kleinen jüdischen Fehler hundertfach heim. Wurde ein Jude hinterhältig beschuldigt, ein Kind von Christen umgebracht zu haben, wurde häufig eine ganze jüdische Gemeinde dafür auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

    Im 15. Jahrhundert war die katholische Kirche für die spanische Inquisition verantwortlich und schließlich 1492 für die Ausweisung aller Juden aus Spanien.

   Der bekannteste Prediger des 15. Jahrhunderts, St. Vincent Ferra, sorgte persönlich für die Errichtung der spanischen Ghettos und das Erlassen antijüdischer Gesetze. Er sagte: “Christen müssen Juden nicht mit Messern töten, wohl aber mit Worten.”

    Es wurde oft von Christen behauptet, dass Juden Kinder von Christen entführten, um sie bei ihren heiligen Festen in der Synagoge zu opfern.

    Christen machten die Juden auch für den Schwarzen Tod verantwortlich, der Millionen Menschen in Europa das Leben kostete, die Juden aber nicht erfasste. Sie hielten die Gebote Gottes zur persönlichen Sauberkeit und bezüglich des Essens ein, wodurch sie vor Pest und Krankheit bewahrt blieben.

    Martin Luther, der Vater und bekannte Held der Reformation, nannte die Juden zunächst “Dazugehörige, Blutsverwandte und Cousins”. Als sie sich ihm aber nicht bei seinem Angriff auf die römische Kirche anschlossen, sagte Luther: “All die Blutsver­wandten Christi sollen in der Hölle schmoren, da werden sie recht behandelt, sogar nach ihren eigenen Worten, die sie zu Pilatus gesprochen haben”.

    Luther gab bösartige und hasserfüllte Erklärungen heraus. In seiner Schrift “Über die Juden und ihre Lügen” behauptet er: “Wisset dies, ihr Christen, ihr habt keinen größeren Feind als die Juden.” Luther forderte auch Taten gegen die Juden ein, indem er verlangte, ihre Synagogen bis auf den Grund nieder zu brennen, ihre Bücher zu vernichten und ihre Häuser zu verwüsten.

    Gegen Ende des 19. Jahrhunderts brachten ‘Christen’ “Die Protokolle der Weisen Zions” in Umlauf, in denen von einer jüdischen Verschwörung zur Übernahme der Weltherrschaft die Rede war. Diese ‘Protokolle’ verursachten jede Menge Antisemitismus und Verfolgung im 20. Jahrhundert, und sie werden auch heute noch in den arabischen Nationen zur Stimmungsmache verwendet.

    Hitler liebte Luthers Lehren. Luther war eine bekannte Autorität, und einige seiner Grundsätze wurden 400 Jahre später zu Schlüsselrollen von Hitlers Ideologie. Luther und andere dienten Hitler als notwendige Bestätigung, um die Massenvernichtung von Millionen Juden in Gang zu setzen.

    1933 zwangen die Nazis alle Juden, einen gelben Stern zu tragen. Bereits einen Monat später starteten die ersten Transporte in die Todeslager. Kirchenführer und die Christenheit im Allgemeinen unternahmen sehr wenig, um Juden zu retten. Glücklicherweise gab es einige Ausnahmen, und geliebte Heilige wie CorrieTen Boom halfen, das Leben vieler Juden zu retten.

    Hitler genoss ein hohes Ansehen bei vielen deutschen Kirchenführern, da er vom Volk verehrt und beinahe angebetet wurde. Viele ‘Christen’ halfen beim Massaker an den Juden mit. Zwei Drittel der SS waren getaufte Kirchenmitglieder. Sechs Millionen Juden und Millionen andere (viele von ihnen waren Christen) kamen durch die Nazis um.

Die größte aller Lügen

Seit den Tagen der frühen Kirche haben Prediger behauptet, dass Juden von Gott verflucht, von Ihm verlassen und Söhne des Teufels seien. Das führte dazu, dass die sich entfaltende Kirche beinahe unwissend im Hinblick auf die jüdischen Gewohnheiten und Bräuche war. Neue Christen wurden falsch unterrichtet, wodurch der Antisemitismus an Boden gewann. Vielleicht ist die größte von der Kirche aufrechterhaltene Lüge die Leugnung alles Jüdischen an Jesus. Selbst heute verstehen die meisten Christen Jesus nicht als einen, der die Tora liebte und sie hielt. In praktisch der gesamten Kirchenkunst wird Jesus als Nichtjude dargestellt.

Anstatt Ihn als den Gott Israels und der Juden wahrzunehmen, hat die Kirche sich ihr eigenes Bild von Gott gemacht, ob römisch, angelsächsisch oder im Extremfall heute schwarz oder feministisch. Diese humanistisch geprägten Götter und Messiasse spiegeln den Stolz und Ehrgeiz des Menschen wider, die absolute Kontrolle über sein eigenes Ziel zu haben.

Seitdem ein Großteil der Kirche die Tatsache leugnet, dass die nichtjüdischen Christen dazu berufen sind, gemeinsam mit Israel in den Bund mit dem Gott der Bibel zu treten, hat die Kirche eine Art Naturreligion mit eigenen Heiligen und Idolen angenommen. Historiker haben eindeutige Parallelen zwischen der Anbetung der Jungfrau Maria, häufig Mutter Gottes genannt, und den ‘Große Mutter’- Gottheitsreligionen aufgezeigt. Die Kirche gab auch die biblischen Feste auf und ersetzte sie durch die Fruchtbarkeitsfeste im Mitwinter (Dezember) und zu Ostern, wenig glaubwürdig an die Ereignisse im Leben und die Zeit Jesu geknüpft. Jüdische Gläubige wurden gezwungen, allem Jüdischen abzuschwören und die Feste ihres Gottes nicht länger zu begehen, die prophetisch auf Gottes Erlösungsplan und den Endzeitkalender hinweisen.

In weiten Teilen hat sich die Kirche wie Kain gegenüber Abel und wie Jakob gegenüber Esau verhalten, indem sie das Erstgeburtsrecht des Älteren an sich gerissen und behauptet hat, mit Gottes Zustimmung den Platz des Bruders eingenommen zu haben. Wir müssen erkennen, dass Kirchenführer in jeder Generation geleugnet haben, dass Christen und Juden Brüder sind, die denselben Vater anbeten. Ein großer Anteil christlicher Lehre ist auf die Ersatztheologie aufgebaut worden.

Wundert es dann, wenn Juden ein solches Misstrauen gegenüber Christen und Hass auf den Jesus haben, in dessen Namen diese Taten begangen wurden? Die Kirche von heute muss Buße über ihre frühere Einstellung und ihr Verhalten gegen Juden tun und anfangen, dem jüdischen Volk in brüderlicher Liebe die Hand zu reichen, mit einem aufrichtigen Herzen voller Sorge um ihre Errettung.

Die beiden nachfolgenden Zitate veranschaulichen die Auswirkung davon, dass die Kirche in Satans Falle gegangen ist und seinem Geheiß folgte. Diese Zitate stammen von Juden, eben dem Volk, das die Christen zur Eifersucht reizen sollten. Sie entstammen Dr. Michael Browns Buch ‘Unsere Hände sind mit Blut befleckt':

1)   Professor Eugene Borowitz:
Wir wären eher geneigt, dem christlichen Anspruch mehr Glauben zu schenken, wenn wir durch die Jahrhunderte hindurch hätten sehen können, dass sich die Christen vorbildhaft wie eine erlöste Menschheit verhalten hätte. Blicken wir durch das Fenster der Geschichte, müssen wir feststellen, dass sie genauso erlösungsbedürftig sind wie der Rest der Menschheit auch. Besonders ihr soziales Versagen macht ihre Doktrinen, die sie für sich beanspruchen, unglaubwürdig. Sie behaupten, frei von menschlicher Sündhaftigkeit zu sein, ihr Glaube inspiriere sie dazu, der Welt ein Reich der Liebe und des Friedens zu bringen. Juden wissen, dass der Messias solange er noch nicht gekommen ist, noch Sündhaftigkeit vorhanden und allgemeines Wohlergehen noch nicht angebrochen ist. (S.109)

2)  Führender jüdischer Denker Eliazer Berkovits:
Nach 19 Jahrhunderten Christenheit war die Ausrottung von 6 Millionen Juden, darunter 1,5 Millionen Kinder, die kaltblütig im Herzen des christlichen Europas ausgeführt wurde, bestärkt durch das strafbare Schweigen praktisch der ganzen Christenheit, einschließlich des Schweigens eines unfehlbaren Heiligen Vaters in Rom, der naturgemäße Höhepunkt dieses [moralischen und geistlichen] Bankrotts der christlichen Religion. Ein roter Faden zieht sich vom ersten Akt der Unterdrückung von Juden und Judaismus im 4. Jahrhundert an bis zum Holocaust des 20. Jahrhundert.

Diese jüdischen Männer verstehen vielleicht den Unterschied zwischen echten und Namenschristen nicht, aber spüren Sie nicht den Kummer und den Schmerz, der das jüdische Herz durchdringt? Wundert es da, dass die Juden nichts von Jesus, dem ‘christlichen Messias’, wissen wollen?

Das Erwachen

Ich glaube, dass Satan es stets darauf angelegt hat, viele Menschen in der Kirche bezüglich Gottes Plan für Israel und das jüdische Volk zu blenden, um seinen uralten Plan umzusetzen, das Volk zu vernichten, das Gott erwählt hat, um der ganzen Welt die „Erlösung“ zu bringen. Satan wusste, wenn er den Ölbaum (Israel) zerstören würde, würden sämtliche Zweige absterben.

Aber es ist nicht das Los der Kirche, in der Dunkelheit zu bleiben. Die Samen von Gottes Herzen für Israel gingen bereits auf, als der Antisemitismus eine hartnäckige Wurzel in der Kirche war und blieb. Im 16. Jahrhundert hatte Martin Luther offensichtlich eine Offenbarung darüber, wie bedeutend die Rückkehr der Juden zum Glauben an ihren Gott und Messias ist. Er fing an, den Juden das Evangelium zu predigen. Als sie jedoch nicht so darauf reagierten, wie er es erwartete, änderte er seine Herzenshaltung zum jüdischen Volk, indem er sie In Wort und Tat verfolgte. Letzten Endes waren seine boshaften, antisemitischen Lehren verantwortlich für die Inspiration von Adolf Hitlers ‘Endlösung’, um so ein für alle Mal die Welt von den Juden zu befreien.

Im 18. Jahrhundert waren die Puritaner bekannt für ihre biblische Frömmigkeit und Vorläufer der heutigen christlichen Zionisten. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte diese Brüdergemeinde ein klares Verständnis der alttestamentlichen Prophetien. Die Brüder lehrten, dass Israel als Vorbote für das zweite Kommen des Messias bald wieder auf dem Schauplatz der Welt erscheinen müsste, um die Worte der Propheten zu erfüllen.

Während des Zeitalters der Kirche hat es immer eine kleine Anzahl jüdischer Christen gegeben, einige von ihnen waren sehr bekannte Leute. Benjamin Disraeli, der britische Premierminister, war solch ein Gläubiger, und auch viele bekannte Rabbiner erkannten die Wahrheit des Messias und wurden wiedergeboren.

Heute haben Hunderttausende Juden ebenfalls Jesus als ihren Messias angenommen. Es gibt viele Gruppen wie z.B. Jews for Jesus, die messianisch-jüdische Allianz von Amerika, die Vereinigung der messianisch-jüdischen Gemeinden, die Chosen People Ministries und viele kleinere Gruppen.

2002 gab es weltweit schätzungsweise 400 messianische Gemeinschaften, und allein in Israel leben mehr als 80 messianische Gemeinden. Wir können klar erkennen, dass Gott in Übereinstimmung mit Seinem Wort in zunehmendem Maße dabei ist, den Schleier von Seinem auserwählten Volk zu nehmen, was ein weiterer Beweis für das nahe Ende dieses Zeitalters und die Rückkehr des Messias ist.

 

Noch ein besonderer Hinweis zum Thema:
Veröffentlichung von Andreas Hornung mit dem Titel: Israel-Grundkurs für Christen, Link http://www.segne-israel.de/

 

 

 

Ersatztheologie

 

Von Meg Ferrell, Kalifornien, USA

Ersatztheologie hat es durch die ganze Kirchengeschichte hindurch gegeben.

In ihr ist die uralte antisemitische Theorie der Ausrottung des “Hebräischen Volkes der Verheißung" durch die “Kirche” verborgen.

Die Tiefe dieser Spaltung zwischen der messianischen und der nichtjüdischen Kirche basiert auf einer Unkenntnis der Fülle hebräischer Schriften. Durch die Christenheit hindurch hat falsche Auslegung dem jüdischen Volk viel Verderben zugefügt.

Was bedeutet Ersatztheologie? Gemäß Gary Hedrick, Präsident der Christian Jew Foundation, ist Ersatztheologie ein System biblischer Auslegung, welche die neutestamentliche Kirche als Fortsetzung (Anm.: Ersatz) des alttestamentlichen Israel sieht. In ihrer Rolle als “Neues Israel” oder “Geistliches Israel” ersetzt die Kirche Israel in Gottes Haushaltung und erbt die Verheißungen (nicht aber die Gerichte), die Gott in dem alten System Israel verkündet hat.

Wie sah die Geschichte dieses “Volkes der Verheißung” aus, und aus wem bestand die frühe Kirche? Wie konnte die Ersatztheologie entstehen? Bei der Beantwortung dieser Fragen werden wir das Thema der Ersatztheologie verstehen und wie es das Christentum heute durchdringt.

Um zu verstehen, wie Israel in Gottes Plan hineinpasst, muss man die ursprünglichen Bundesschlüsse zwischen Gott und dem jüdischen Volk verstehen. Im ersten Buch der Bibel erwählte Gott der HERR ein bestimmtes Volk zu Seinem Eigentum. Er sagte zu einem Mann mit Namen Abraham:
Geh aus deinem Land... in ein Land, das ich dir zeigen werde... Und ich will dich zu einer großen Nation machen, und ich will dich segnen, und ich will deinen Namen groß machen.... Und ich will segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den werde ich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde! (1 .Mo.12,1-3).

In diesem Bund gab Gott dem Volk Israel ein ganz bestimmtes Land und ein besonderes Pfand für Seinen Schutz. Später sagte Gott Abraham, dass Er einen ewigen Bund zwischen Abrahams Nachkommen und Sich selbst errichten würde. In 1. Mose 17 ordnet Gott Abraham an, alles Männliche zu beschneiden. Dieses Beschneiden der männlichen Vorhaut ist als bleibender Bund zwischen Gott und den Nachkommen Abrahams alle Generationen hindurch zu halten.

In dem Buch Take Hold’ (‘Haltet fest’) wird der abrahamitische Bund der Beschneidung als ein sehr eigenes Zeichen des Bundes erklärt, den Gott mit Abraham schloss. Die Tatsache, dass es am männlichen Fortpflanzungsorgan durchgeführt wurde, bedeutet die Weitergabe des Bundes an Abrahams Nachkommen durch Sara...(Berkowitz S.20).

Gott gab dem jüdischen Volk Verheißungen durch Abraham. Mit diesen Bundesschlüssen sollten Abrahams Nachkommen auf ewig als Gottes auserwähltes Volk abgesondert sein. Durch das hebräische Volk würde Er jede Nation mit dem Kommen ihres jüdischen Messias segnen. In 4. Mose 23,19 heißt es: Gott ist nicht ein Mensch, dass er lüge, noch ein Menschenkind, dass ihn etwas gereue. Sollte er etwas sagen und nicht tun? Sollte er etwas reden und nicht halten? (LÜ)
Ein Charakterzug Gottes ist, dass Er die Wahrheit ist. (Joh.14,17)

Die Bündnisse zwischen Gott und Abraham waren unwiderruflich und ohne Bedingung von Gott selbst eingesetzt. Durch die gesamte Geschichte der Kirche hat es Unwissenheit bezüglich der hebräischen Wurzeln des jüdischen Messias Jesus gegeben. Er wurde in eine jüdische Familie hinein geboren und wuchs in der hebräischen Kultur auf, welche die sehr frühen Lehren der Tora praktizierte und den Tenach hielt. In der hebräischen Kultur lautet sein Name nicht wie in der griechischen Version “Jesus”; er war bekannt als Yeshua, Sohn Josephs, Sohn Davids. Sein Stammbaum weist Ihn als direkten Nachkommen Abrahams aus, was die messianische Verheißung erfüllte, die Gott Abraham im 1.Buch Mose gab. Der Segen für jede Nation lag in Yeshuas vollbrachtem Werk am Kreuz, wo Er ein für alle Mal die Vergebung der Sünde erwirkte (Joh.3,16-17). Die schlichte Wahrheit ist, dass Yeshua in eine jüdische Familie geboren, er von jüdischen Eltern aufgezogen wurde und Seine Verwandten allesamt jüdisch waren. Er lebte und betete an als Jude, Er starb als Jude, und Er wird als Jude wiederkommen. Gläubige, die beten, beten zu Gott in dem Namen eines jüdischen Mannes, der als Yeshua, Sohn Davids, bekannt war. (Hagee 123).

Die ersten an Yeshua Gläubigen wurden als eine Sekte des Judaismus betrachtet und nicht als eigenständige Religion, heute besser bekannt als Christentum. Nach der Auferstehung Yeshuas verbreitete sich der Glaube an Ihn in ganz Judäa. Mit der Ausbreitung des Evangeliums wurden viele Nichtjuden mit diesem jüdischen Messias bekannt gemacht.

Als dann zahlreiche Nichtjuden die freie Gabe des ewigen Lebens annahmen, kamen Fragen bezüglich der Einhaltung des Gesetzes auf, besonders nach welchen jüdischen Vorschriften diese Nichtjuden sich zu richten hätten wie z.B. die Beschneidung (Apg.15).

Während das Evangelium sich in ganz Asien verbreitete, behielt die messianische Kirche die Lehren ihrer Vorväter bei. Die wachsende nichtjüdische Kirche, die nie zuvor verpflichtet gewesen war, das alttestamentliche Gesetz zu halten, erlernte und praktizierte verkürzte Regeln, die ihr von den Jüngern Jesu vorgesetzt wurden. (Apg.15) Im Matthäusevangelium erklärte Yeshua, dass Er nicht gekommen sei, die überlieferten Gesetze und Satzungen der Vorväter aufzuheben; tatsächlich sagte Er,

Ich bin gekommen, um das Gesetz zu erfüllen (Matt. 5,17-48).

Daher waren die reichhaltigen Lehren der hebräischen Schriften auch nicht zu ersetzen.

Die messianische Verheißung, die in Yeshua ihre Erfüllung fand, brachte Befreiung von Sünde und eine neue Beziehung zu Gott (Jer.32,31-34). Yeshua strebte zu keiner Zeit eine Veränderung des von Gott geschlossenen, ursprünglichen Bundes an, nein, Er kam, um diesen zu vollenden.

Wie also ereignete sich der Schwenk von einer jüdisch dominierten Kirche hin zu einer nichtjüdischen? Die Veränderung kam historisch äußerst schnell. Der jüdische Ort der Anbetung war in jenen Tagen der Tempel in Jerusalem. In “introducing Jewish people to their Messiah” (“Heranführung des jüdischen Volkes an ihren Messias”) wird das so erklärt:

Sehen wir auf die Geschichte, dann erkennen wir Jerusalem als Zentrum des Glaubens an Yeshua bis 70 n. Chr., als Jerusalem von Titus zerstört und es mit der Diaspora ernst wurde. Zur Zeit und nach dem letzten jüdischen Kampf um Unabhängigkeit 130-135 n. Chr. wurde das jüdische Volk (einschl. der Gläubigen) vertrieben, und Rom wurde zum Zentrum des Glaubens. Mit dem Wechsel des religiösen Hauptquartieres wurde die Kirche vom Charakter her überwiegend nichtjüdisch, und die hebräischen Wurzeln des Messias verschwanden schnell aus der ersten Christenheit.

Rom wurde zum Zentrum dieser Verschiebung. Yeshua, von da an als römisch-griechischer Christ “wurde geschichtlich und kulturell von Seinem jüdischen Hintergrund losgelöst und Ihm wurden die Attribute der jeweiligen Gesellschaft beigegeben, in der Seine Botschaft gepredigt wurde.”

Yeshua, der einst sagte, Er sei nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israels gesandt (Matt. 10,6), wurde nun Seiner hebräischen Kultur und Identität entkleidet.

Folglich wurde die sich entwickelnde Kirche bald nahezu unwissend im Hinblick auf jüdische Gebräuche und Kultur. Neu hinzugekommene Christen wurden mit falschen Auslegungen ‘gekrönt’, die dem Antisemitismus reichlich Vorschub leisteten. Wörtliches Zitat von Chrysostomos, Patriarch von Konstantinopel (344-407 n. Chr.), einem der ersten Leiter der Kirche: “Juden sind die wertlosesten Menschen - sie sind wollüstig, gefräßig, habgierig,... sie beten den Teufel an. Es obliegt allen Christen, Juden zu hassen.”

Durch Erklärungen dieser Art war die Ersatztheologie, geschichtlich gesehen, voll auf dem Weg das Fundament der frühen christlichen Kirche zu durchdringen. Jedes Mal wenn falsche Auslegungen als Wahrheit angenommen werden, errichtet dieses ein gefälschtes Fundament, auf verzerrter Schrift beruhend. Ersatztheologie hat eine durchgängig antisemitische Geisteshaltung, welche sich durch die Zeiten fortgesetzt hat.

Während der Kreuzzüge, die als frommes Unternehmen für Gott ausgegeben wurden, wurden Juden, die sich nicht der Taufe unterziehen wollten, umgebracht. Viele jüdische Menschen wurden verbrannt, geschlagen und gekreuzigt, während Zuschauer “CHRISTUSMÖRDER!” schrien. 1099 n. Chr. brannten Kreuzfahrer in Jerusalem die Synagoge mitsamt den Juden der Stadt bis auf den Grund nieder. Während die Synagoge brannte, marschierten die Kreuzfahrer “Hymnen singend um die Synagoge”.

Weitere historische Belege der Ersatztheologie können den Worten Martin Luthers entnommen werden, dem Vater und bekannten Helden der Reformation. Zunächst behauptete er, die Juden seien “Glaubens- und Blutsverwandte und Cousins”. Doch als sie sich Luthers Angriff gegen die römische Kirche nicht anschlossen, sagte er: “Alle Blutsverwandten Christi brennen in der Hölle, und das geschieht ihnen recht, das entspricht ihren eigenen Worten, die sie zu Pilatus gesprochen haben”.

Luther druckte boshafte und hasserfüllte Erklärungen in seinem Traktat “Über die Juden und ihre Lügen”. In dieser Schrift erklärt Luther “Wisse dies, Christ, du hast keinen größeren Feind als den Juden.” Luther rief auch eindringlich zu Aktionen gegen das jüdische Volk auf: [Er] forderte, ihre Synagogen bis auf die Grundmauern niederzubrennen, ihre Bücher zu vernichten, ihre Häuser zu verwüsten, sie ihres Bargeldes sowie ihrer Silber- und Goldschätze zu berauben, ihren Rabbis das Lehren zu verbieten und “ihnen ihre Zungen aus ihrem Rachen zu schneiden”.

Kein Wunder, dass Hitler Luthers Lehren liebte. Luther war eine berühmte Autorität, der bereits einige der Grundprinzipien von Hitlers Ideologie vertrat. Luther und andere trugen dazu bei, Hitler die nötige Rückendeckung zu geben, um die Massenvernichtung von Millionen von Juden in Gang zu setzen. In der jüngeren Geschichte sind Hitlers Überzeugungen wieder gegen das jüdische Volk ausgesprochen worden.

Reverend Stan Rittenhouse, ein Mitarbeiter der hitlerfreundlichen Christian Defense League Zeitung, wird in einem Foreign Relations Committee des (US-)Senats folgendermaßen über Jerusalem zitiert:
“Schon seit dem Kommen Jesu Christi des Messias und der Ablehnung Christi durch Israel und die Juden hat Gott aufgehört, mit dieser besonderen Nation und Rasse zu handeln. Wenn Christus gemäß der Bibel wiederkommt, wird Er Israel und Jerusalem endgültig und vollkommen zerstören.”

Die Töne der nationalsozialistischen Konzentrationslager klingen durch die Bemerkungen von Menschen nach, die wie Reverend Rittenhouse an der Verblendung der Ersatztheologie festhielten. Sieht man sich in der Gegenwart um, begegnen einem viele Vorurteile und falsche Auslegungen der Schrift als ein Ergebnis der Ersatztheologie.

Zola Levitt, ein bekannter Bibellehrer und Redner, erörtert in einem vor kurzem erschienenen Artikel der Levitt Briefe die vielen Irrtümer in einem Lehrbuch, das noch heute an vielen Seminaren und Bibelschulen der Vereinigten Staaten benutzt wird. Er bemerkt dazu, “Ich bin absolut erstaunt, dass die offensichtlichen Fehler in diesem Buch von den Verantwortlichen ignoriert werden und sie weiterhin das lehren, was sie bereits als falsch erkannt haben. Das Buch vertritt die Ersatztheologie, ist antiisraelisch und antisemitisch”.

Dass unsere künftigen Kirchenleiter aus Büchern lernen, die als antisemitisch und antiisraelisch bekannt sind, ist mehr als nur ein kleines Problem. Ersatztheologie wendet sich gegen die Grundlage der Kirche und gegen die Schriften, auf die sie gegründet ist. In seinem Buch ‘A time for Trumpets and not Piccolos’ (Zeit für Trompeten und nicht für Flöten) stellt Frank Eiklor sehr deutlich fest:
“ Antisemitismus ist vor allen Dingen kein jüdisches Problem. Es ist ein Problem der Nichtjuden ... bleibt es unangetastet, ist Antisemitismus eine Schande für die christliche Kirche und ein Schlag ins Gesicht unseres Anspruchs, eine moralische Kraft zu sein".

Ist die Kirche durch die Christenheit hindurch den Juden eine “moralische Kraft" gewesen oder eine “tödliche Farce”? Jesus sagte, dass das, was wir Seinen geringsten Brüdern getan haben, wir Ihm getan haben (Matt.25,40).

Ersatztheologie verursacht Stolz, Arroganz und falsche Auslegung der Gebote Gottes. Jeder bibelgläubige Christ muss sein Herz mit Furcht und Zittern daraufhin überprüfen, ob es die Liebe Gottes zu Israel und den Juden enthält. Im ganzen Neuen Testament wird Gottes Plan mit Israel angesprochen.

Jesus erklärt den Jüngern bei ihrer Aussendung, 'Geht nicht auf einen Weg der Nationen, ,.. geht aber vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel' (Matt. 10,5-6).

Die Seinen nahmen Ihn nicht an, wie es im Alten Testament in Jes.53,3 vorausgesagt und in Joh. 1,11 bestätigt wird. Gott öffnete daraufhin den nichtjüdischen Nationen die Türe, um die Botschaft Christi zu empfangen. Paulus, der zur nichtjüdischen Kirche spricht, bemerkt in Bezug auf Israel:

“Gott hat Sein Volk nicht verstoßen, dass er zuvor erkannt hat". (Röm.11,2)

Er erinnert die Nationen daran, dass es Gottes Absicht war, mit der Ablehnung des Evangeliums durch das jüdische Volk den Gläubigen aus den Nationen eine Zeit zu geben, ''eingepfropft zu werden.” (Röm.11) Die eingepfropften Zweige waren nie dazu bestimmt, den Platz der ursprünglich jüdischen Zweige einzunehmen. Die eingepfropften Zweige sind als "ein wilder Ölbaum" bekannt. (Röm.11,17) Mit den nichtjüdischen Nationen, denen das Einpfropfen in den hebräischen Baum gestattet wurde, erfüllt sich die Verheißung, die Gott Abraham bezüglich des Messias gab, “in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter...”. (1.Mo.12,3)

Gott hat in Seiner Haushaltung einen Plan für die messianische und die nichtjüdische Kirche heute. Jesus sagt in Joh.17,21 im Gebet zu Seinem Vater, “damit sie alle eins seien, wie du, Vater, in mir und ich in dir, dass auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.”

Wir sind bestimmt, eine vereinte Kraft zu sein, die kulturelle Unterschiede zulässt. Wenn die jüdische und nichtjüdische Welt die Liebe sieht, die wir zu Jesus und untereinander haben, wird die Kirche eine moralische Kraft sein. Dann werden genau die Gebote und Lehren Jesu aus Matt.22,37-39 sichtbar werden: “Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften .. .(und) deinen Nächsten wie dich selbst.” (LÜ)

Die geeinte Kirche würde die Liebe Gottes in eine sterbende Welt hinein bringen, die dann die Notwendigkeit erkennen würde, sich an den Einen zu wenden, der um des wahren Friedens und der Einheit willen gekommen ist.

Abschließend können wir sehen, wie die Ersatztheologie die Wahrheit der Schrift durch die Geschichte hindurch bis in die heutige Kirche verzerrt hat.

Die Bundesschlüsse Gottes mit Abraham gelten ewiglich.

Die jüdischen und nichtjüdischen Gläubigen sind bestimmt, eine Kirche zu sein, geschaffen durch das vollendete Werk unseres Messias. In dem Maße, wie die Kirche im Verständnis der Schrift reift und ihre hebräischen Wurzeln umarmt, wird der Reichtum unseres Erbes die Welt beeinflussen. Wir werden nicht nur gesegnet werden, wie der Herr es im 1. Buch Mose sagt, Er schenkt uns auch bereitwillig ein tieferes Verständnis Seiner Schrift. Gottes Absicht und Seine Pläne werden verwirklicht werden. Je eher man dies versteht desto besser, es erspart viel Frust beim Lesen Seines Wortes.

Jene, die an dieser falschen Doktrin festhalten, werden diese eine Frage zu beantworten haben, wie Gary Hedrick feststellt; “Die größte Schwachstelle der Ersatztheologie ist ihr Versagen, die Verheißungen Gottes Israel zuzuschreiben. Immer wieder spricht Gott im Alten Testament (durch die Propheten) von der künftigen physikalischen und geistlichen Wiederherstellung Israels.”

Natürlich können Sie alle diese Abschnitte versinnbildlichen und vergeistigen, aber früher oder später muss sich jeder ehrliche Leser dieser einen einfachen Frage stellen: Hat Gott gemeint, was Er sagt oder nicht?

Bei der Beantwortung dieser einen Frage muss der Leser verantwortlich prüfen und herausfinden, ob die Ersatztheologie Teil seiner biblischen Auslegung ist. Die Worte aus 1.Mo. 12,3 “Ich will segnen, die dich segnen...” erinnern uns daran, dass Gott nicht wie ein Mensch ist, der Seine Meinung ändern kann, besonders wenn es um Sein auserwähltes Volk, Sein geliebtes Israel, geht.

 

Bibliographie:
Scofield Bibel, Elberfelder Übersetzung, Wuppertal und Zürich Eiklor, Frank, A time for Trumpets not Piccolos! Aktion gegen Antisemitismus

A Call to Christian Conscience, Orange, Ca.: Promise Publishing Company, 1988.

Introducing the Jewish People to Their Messiah, Orangeburg, NY: American Board of Missions to the Jews Publishing Company, 1977

Stern, David. Complete Jewish Bible Translation. Jewish Testament Publications Inc., 1998 Clarksville, Maryland Berkowitz, Ariel, and Dvorah Berkowitz. Take Hold. Embracing our Divine Inheritance with Israel. First Fruits of Zion Publishing, Littleton Colorado

Levitt, Zola, Bibie-teaching Ministry and Replacement Theology Levitt Letter, Volume 20, Number 8,

Hagee, John, Final Dawn over Jerusalem, Thomas Nelson, Inc. Publishers, 1998, Nashville